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2018-12-12 00:55

Anlande Manöver Dinghy

Das erste Jahr meiner Reise mit eigenem Schiff war auch ein Lehrjahr. 2005, ich segle mit zwei Freunden, Josef und Wolfgang, nach Zakynthos, wir ankern in der Wrack Bay. Die Bucht liegt ungeschützt zur offenen See, am Vortag war ein Gewitter. Wir freuten uns weil keine anderen Boote in der stark schwelligen Bucht lagen. Normalerweise ist die Bucht sehr gut besucht, die Idee das die anderen Kapitäne sich nach dem Wetter beziehungsweise nach der Wellenhöhe richten, kam mir nicht in den Sinn.

Vom Katamaran aus wird die Bucht mit dem Wrack ausgiebig fotografiert. Wenn wir die Kameras trocken an Land bringen könnten, wäre das fotografieren des Wracks von der anderen Seite mit Bright Star und der Bucht nach außen als Hintergrund ein super Erlebnis.

Die Kameras bekommen vorsichtshalber eine wasserdichte Verpackung. Plastiksack Handtuch, Plastiksack verkehrt herum ist nur eine Vorsichtsmaßnahme, denn Wolfgang verspricht uns trockenen Fußes an Land zu bringen.

Beiboot ohne Motor zu Wasser, er wäre zu schwer, sollten wir unerwarteter Weise doch zu hart anlanden. Wolfgang versucht mit den Rudern sein möglichstes, doch die Wellen haben uns als neue Spielgefährten ihrerseits entdeckt. Sie zeigen uns ihre Kraft, wachsen bedrohlich in die Höhe, heben uns auf Aussichtsplattformen und brechen unter uns in sich zusammen. Wir sind schnell, sehr schnell, zu schnell, es gibt kein überlegen, zurück ausgeschlossen und auf einmal ist sie da die Riesenwelle.

Heimtückisch schleudert sie das Boot in Richtung Himmel. Skipper Franz macht mit einer Rolle rückwärts einen etwas zu frühen Abgang. Während des Fluges wirft er die Plastiksäcke mit den Kameras retour ins Boot, wo sie von Josef aufgefangen werden. Jetzt bricht die Welle in sich zusammen und das Dinghy setzt zum freien Flug an. Leider kommt nun die Erdanziehungskraft ins Spiel. Unser Beiboot bohrt sich mit der Spitze in den Sand, wird mit der nächsten Welle umgedreht, mit Wasser gefüllt und liegt nun wie ein Boxer nach einem k.o. Schlag am Strand. Josef rettet die hoffentlich noch immer wasserdichten Plastiksäcke schnell vor den ihn verfolgenden Wellen an den Strand. Wolfgang irrt im Wasser herum. Ich glaube er sucht das Boot oder auch seine unerwartet verloren gegangene Mannschaft. Und Skipper Franz? Er hatte noch nie so die Hose voll. Nach dem unfreiwilligen Abgang wird er durch die Drehbewegung der sich brechenden Welle über den Boden geschleift und dabei hat sich die Badehose mit mehr als einem halben Kilo Sand gefüllt.

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Unsere Kameras hatten keinen Schaden davongetragen und so fotografiert nun jeder nach Herzenslust. Nach ca. einer Stunde wollen wir zurück. Die Wellen haben inzwischen an Höhe zugenommen. Kein Problem von dieser, unserer Seite. Denn nun sehen wir die Wellen, sie können uns nicht mehr heimtückisch in den Rücken fallen. Also beobachten wir und zählen. Nach fünf kleineren kommen zwei größere. Nachdem wir diese heimtückischen Wellen entlarvt haben, verpacken wir die Kameras in zusätzliche Plastikbehälter und binden diese vorsichtshalber auch noch am Dinghy fest. Links und rechts wird das Beiboot von Josef und Wolfgang an den Griffen hoch gehalten.

Wir zählen 1, 2, 3, 4, 5, jetzt die zwei hohen Wellen und los. So schnell wie möglich laufen die beiden in Richtung sich zurück ziehenden Wasser. Endlich haben wir es eingeholt, ich springe in das Beiboot, greife nach den Rudern und – da ist sie wieder, die Riesenwelle. Sie hat auf uns gelauert. Heimtückisch irgendwo da draußen, versteckt. Plötzlich ist sie über uns, bricht und Wassermassen stürzen herab. Das Dinghy, mittlerweile wieder unfreiwillig von Franz verlassen, schießt zurück in Richtung Strand, wo es wieder bis oben hin gefüllt mit Wasser liegen bleibt.

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Wir können es nicht verstehen, was ist passiert? Haben wir uns verzählt? Auf ein Neues. Wieder das Wasser aus dem Dinghy entfernen. Nun hat Josef die Lösung entdeckt. Eine Stelle etwas mehr rechts wird von den großen Wellen verschont. Es sieht fast friedlich aus. Wir schleppen unser Dinghy den Strand entlang, zählen 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8 – keine große Welle. Die Chance zurück zum Katamaran zu gelangen. Wir tragen das Dinghy nahe an das Wasser, alles friedlich, beginnen zu laufen, noch ein paar Meter und da ist sie wieder, die Riesenwelle. Praktisch aus dem nichts. Sie hat auf uns gelauert, bricht genau über uns, schleudert das Dinghy zurück an den Strand, zieht uns unter das Wasser, wirbelt uns herum, schleift mich wieder den Kies entlang und füllt meine Badehose randvoll mit Steinen.

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Wir können nicht warten bis sich die See beruhigt, wir müssen zurück zu Bright Star die mittlerweile auch schon beängstigend von den Wellen hin und her geschüttelt wird. Sollen wir das Dinghy und die Kameras beim Wrack zurück lassen und bei besserem Wetter wieder holen? Nein, kommt nicht in Frage! Noch einen Versuch. Wir bringen sechzig Meter Festmacher vom Kat aus und binden das Dinghy fest. Josef schwimmt zum Kat und spannt die Leine, dann laufen Wolfgang und ich mit dem Dinghy und einer etwas gedämpften Erwartung gegen die gemeinen Wellen. Wir erreichen sie, Josef zieht an, holt ein und mehr sehe ich nicht, weil mich eine Welle wieder an den Strand zurück befördert hat. Es hat geklappt. Das Boot auf Zug, die Wellen unten durch, mit voller Kraft holt es Josef Meter für Meter in Richtung Bright Star. Durch die Brandungswelle durchgetaucht schwimmen Wolfgang und ich mit den restlichen Kräften hinterher.

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