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2018-12-12 01:50

Withsunday Island, Queensland, Australia

Unser Boot verhält sich mittlerweile wie ein junges Pferd, ungestüm immer schneller werdend. Fliegende Fische nehmen Reißaus, scheinbar gelingt es ihnen aber nur weil sie ihre Flossen wie Flügel auseinanderspannend im letzten Moment fünfzehn bis zwanzig Meter lange Flüge durchführen. Eine gemächlich dahinschwimmende Wasserschildkröte schüttelt den Kopf als ob sie sagen wollte ihr zweibeinigen Geschöpfe da oben habt es scheinbar immer eilig. Delphine kommen uns besuchen sie schauen uns mit freundlichen Augen an. Einige Male umrunden sie unser Schiff springen dann mühelos hoch aus dem Wasser und tauchen sehr elegant wieder hinein. Als nächstes führen sie uns Sprünge mit Drehungen um die eigene Achse vor. Welch eine natürliche Lebensfreude, in keinem Wasserzoo konnte ich so etwas je beobachten. In Gefangenheit, mit stränge Dressiert tu was der Mensch will, dann behältst du dein Leben. Als Belohnung bekommst du Futter, nicht ganz so frisch als wenn du es selbst im Meer spielerisch fängst. Aber wer fragt schon ob die Tiere Spaß haben wollen, die Hauptsache ist doch, es gefällt dem Menschen.

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Unendlich viel Platz ist auf den Meer, keine Zwänge für Träume keine Vorschriften für jede Kleinigkeit, unterdrückte Sehnsucht nach noch nicht Gelebten setzt sich über jede Vernunft. Wie fühlen sich erst Weltumsegler die Grenzen der Gesellschaft so weit und ohne Zwang der Zeit hinter sich lassen können. Ein Blick auf die Uhr und ich bin wieder zurück, noch sind wir keine Weltumsegler, und in einer Stunde müssen wir uns der Gesellschaft wieder zurückmelden. In etwa fünf Meilen Entfernung ist ein strahlend weißer Sandstrand zu sehen, der Seekarte nach müsste es Whitehaven Beach sein.

 

IMG 1390 resizeWir schalten den Motor an um den schwächer werdenden Wind zu kompensieren. Aus gesammelten Prospekten entnehme ich das dieser Strand der schönste in dieser Gegend ist. Ein krönender Abschluss nach einem traumhaften Tag, und um diese Zeit sind die Ausflugsboote mit den Touristen schon auf dem Weg zurück in den Hafen. Ganz alleine werden wir auf  diesem wie Staubzucker aussehenden weißen Band sein. Herumlaufen, sich eingraben neues entdecken, am liebsten würde ich schon jetzt in das nun heller werdende Wasser springen um schnell zum Strand zu schwimmen. Wenn wir nah genug zum Stand fahren, brauchen wir unser Dingy nicht, kein Rudern, bloß ein stück schwimmen. Unsere Vorfreude wird mit einem plötzlichen Ruck beendet. Das glasklare Wasser von vorhin ist einer undurchsichtigen Brühe gewichen, durch das einschlagen des Kiels hat der aufgewirbelter Sand die Sicht nach unten vernebelt. Jetzt brüllt auch noch der Motor auf, schwarzer Rauch kommt aus dem Auspuff. Ich schalte den Motor aus, helfe Edi beim bergen der Segel, dann starte ich die Maschine wieder und versuche mit Vollgas aus dieser misslichen Lage zu kommen

Keine Chance, schwarzer Rauch aus dem Auspuff, weißer Strand zum greifen nah, zum verzweifeln. Die mich sonst so faszinierenden Wellen mit den weißen Schaumkronen oben, rollen äußerst bedrohlich eine nach der anderen heran. Sie heben unser Boot in die Höhe um es zwei bis drei Meter näher zum Strand wieder in den Sand zu setzen. Als sich unser Boot dann immer mehr zur Seite legte, war mir klar ich muss was tun. Rasch packte ich meine Sachen in die Reisetasche um sie mit dem Dingy an den trockenen Strand zu bringen. Beim einladen beobachte ich wie es sich mit jeder Welle wieder aufrichtet, ein Schwimmkörper als solchen sehe ich unser Boot, geht nicht unter solange kein Wasser hineinläuft. Es schwimmt wenn auch nicht so elegant wie vorher, und an diese Schlagseite bin ich durch die Krängung unter Segel schon gewöhnt. Wir müssen versuchen nicht weiter an den Strand geschwemmt zu werden, rufe ich zu Edi. Schnell den Anker ausbringen, so können wir die Eigendynamik dieser Situation vielleicht Stoppen. Mit Taucherbrille und Flossen bewaffnet, dieses mal nicht zum reinen Vergnügen, springt Edi ins Meer und zieht den Anker mit der gesamten Länge Kette plus zwanzig Meter Tau in Richtung offenes Meer. Nachdem er den Anker mit den Händen in den Sand gesteckt hat und uns die nächste Welle in Richtung Strand schubst, kommt der erlösende Ruck, wir stehen ( liegen ) fest an der Kette. Als ob nicht die ganze Situation schon Nervtötend genug wäre krächst die ganze Zeit über das Funkgerät, Farrocious Farrocious, die Dame am anderen Ende klingt etwas ungeduldig. Zwanzig Minuten über der ausgemachten Meldezeit, was soll ich ihr jetzt erzählen? Eigentlich möchte ich in dieser Situation gar nicht mit der Dame sprechen aber die gibt nicht auf ruf uns immer wieder. Das Funkgerät in meiner Hand zittert ein wenig, es ist mir sehr unangenehm als ich die Sprechtaste drücke und sage: Airlie Com-Stat , Farrocious Farrocious over. Auf die Frage wo sich unser heutiger Ankerplatz befindet antworte ich, we have a litle Problem, we have contact wite the Beach. Nach kurzer Sprachlosigkeit des Funkgerätes kommt die Frage, is your Boot damage? Jetzt verschlägt es mir die Sprache, ich hätte mir erwartet das die Dame fragt ob es uns gut geht. Unser Wohlbefinden ist nicht so wichtig wie das der alten Farrocious. Verärgert erkläre ich nun der Funkdame das es uns allen dreien gut geht, und in spätestens einer Stunde haben wir uns selbst befreit und Ankern in der nächsten sicheren Bucht. Ist in Ordnung aber in einer Stunde verlässlich noch einmal Melden, ansonsten müsste sie ein Suchboot losschicken.

IMG 1379 resizeSo sehr haben wir uns über den einsamen Menschenleeren Strand gefreut, und jetzt fehlen uns helfende Hände und starke Motoren Aus dem Funkgerät ruft nun eine männliche Stimme den Nahmen unseres Bootes. Es ist ein Deutscher der den Funkspruch mitgehört hat und mit seinem Segelboot ein paar Meilen weiter in einer Bucht ankert. Er rät uns mit reinhängen in die Wanten das Boot so stark zu Krängen, das der Kiel freikommt so könnten wir uns die paar Meter bis in tieferes Wasser retten. Unser Versuch ist von vornherein zum Scheitern verurteilt der Wasserstand um unser Boot ist viel zu niedrig. Mein Vorschlag über Funk den Deutschen Seglerkollegen um Schlepphilfe zu bitten entsetzt Edi nun vollends. Ob ich noch nie gehört hätte was passiert wenn man einem anderen Boot eine Leine zum Helfen reicht. Nachdem mein Erfahrungsschatz übers Bootfahren erst zwei Tage alt war, konnte ich natürlich nicht wissen das der sogenannte Bergelohn gleich das ganze Schiff kosten könnte

Einige Beispiele aus der letzten Zeit von Edi furchterregend geschildert Millionenteure Yachten von den Rettern geentert erinnerten mich an Piraterie und verfehlten ihre furchteinflössende Wirkung nicht. Ich sah nun ein das die Hälfte unserer Verpflegung immerhin hatten wir noch zwölf Dosen Bier unsere Retter nicht zufrieden stellen würden. Wir müssen uns selbst helfen. Auf die Flut warten, aber wir wissen doch nicht ob jetzt Ebbe ist, viele ausgesprochene fruchtlose Gedanken brachten uns keinen Millimeter weiter, bis wir um unsere Kräfte zu verstärken über Flaschenzug zur Ankerwinsch kamen. Es funktioniert, das Deck rund um die Winsch ist nass vom vielen Schweiß, aber es Lohnt sich, wir nähern uns dem Anker. Edi ist froh darüber wieder tauchen gehen zu dürfen, seine Aufgabe ist es nun einige Male den Anker aus dem Grund zu reißen um ihn ein paar Meter weiter wieder einzugraben. Sein Gesicht ist glühend Rot von der Anstrengung so als wäre er am Äquator ohne Schutz in der prallen Sonne längere Zeit gelegen. Zusätzlich dürfte mein sonst so Sportlicher Kollege Probleme mit der Luft haben, jedenfalls Hustet und Flucht er ziemlich heftig. Als unser Boot wieder halbwegs gerade auf dem Wasser schwimmt starte ich den Motor um Edis Kampf zurück in tieferes Gewässer zu unterstützen. Nach ungefähr einer Stunde sind wir frei, unser Boot erfreut uns daran wieder in die Richtung zu fahren in die wir wollen. Sogleich setze ich eine Erfolgsmeldung über Funk ab mit dem Zusatz es sei nun wirklich kein großes Problem gewesen. Etwas wehmütig und trotzdem froh verlassen wir die Aussicht auf den schönsten Strand um rechtzeitig mit der einbrechenden Dunkelheit in der nächsten Bucht vor Anker zu gehen. Kein anderes Boot liegt hier, den Grund dafür wissen wir sehr bald. Der Ankerplatz ist in Richtung des Pazifischen Ozeans offen, keine größere Landmasse hält die langgezogenen Wellen auf, zwischen uns und Südamerika liegen nur einige kleinere Inselgruppen. In einem Halbkreis tanzt das Boot nun ständig um den Anker, beim Versuch den hellsten Stern das Kreuz des Südens zu fixieren wird mir schlecht. Der Gedanke daran die ganze Nacht auf einer Hochschaubahn zu verbringen, lässt mich sogar auf den Ankerschluck in Form einer Dose Bier verzichten. Das die Dunkelheit rund um die Bucht jegliche Möglichkeit auf Essen ausschließt stört uns heute nicht, wir sind so vollgestopft mit den Erlebnissen des heutigen Tages das ohnehin kein Platz wäre um noch etwas aufzunehmen. Hundemüde verkrieche ich mich in meiner Koje und statt Schäfchenzählen sage ich pausenlos so lange bis ich einschlafe, mir wird nicht schlecht, mir wird nicht schlecht, mir wird nicht schlecht.................