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2018-12-10 15:06

GEWITTERSTIMMUNG!!!!

So schön warm ist es hier in meiner Kajüte, bis zur Nasenspitze zugedeckt liege ich bequem in meiner Koje. Ein Blick aus der Luke bestätigt meinen Wunsch einfach liegenzubleiben. Wenn ich bloß diese Geräuschkulisse etwas leiser drehen könnte. Der Regen trommelt wild auf dem Deck, Windböen pfeifen in den Wanten. Seit drei Tagen Wind , Spitzen bis 30 Knoten, Wellen so um die 2 Meter. Kurz und ruppig einmal vom Bug dann wieder vom Heck, die von Backboard oder Steuerboard sind die unangenehmsten.

Das Schiff rollt so richtig ungemütlich. Immer wieder schlägt der Blitz irgendwo in der Nähe ein, unmittelbar darauf das laute Krachen des Donners.

Blitz20080712 IMG 3885

 

Ein  beklemmendes Gefühl in der Magengegend signalisiert mir einen veränderten Zustand meiner Seglerleidenschaft. Schön langsam fliegt alles was nur eine bestimmte Schräglage verträgt um. Gläser Lampen, Bücher und Flaschen. Leider auch eine nicht gut verschlossene. Der vertraute Geruch eines Weinkellers beim Weinumfüllen dominiert nun im Schiff. Zum aufwischen kann ich gleich Frischwasser, das bei den nun gut zu beobachtenden Leck stellen bei den Fenstern reinkommt, verwenden. Immer mehr Tropftassen zieren nun das Schiff. Im Frühjahr habe ich alles neu abgedichtet. Scheinbar doch nicht alles. Das Poltern aus der Werkstatt erinnert mich daran das ich seit Wochen schon das Aufräumen verschoben habe. Jetzt liegt jede Menge Werkzeug, Schrauben und allerhand andere Dinge die ich schon etwas länger suche griffbereit am Boden. 

Beim Versuch mir meinen Fruchtsalat für’s Frühstück zuzubereiten komme ich mir vor wie ein Betrunkener, die Hälfte des Obstes in der Schale die andere auf dem Boden. Ich sollte gleich auf dem Boden sitzend schneiden. Der Regen klingt jetzt wie Hagel, ein Test für den Lack auf dem Deck. 

In einem Haus würde ich jetzt in den Keller gehen, Musik hören oder ein Buch lesen. Ich bin ziemlich angespannt, horche ob ich raus muss, hält der Anker oder kommt der Strand immer näher? Gott sei Dank habe ich den Wetterbericht der letzten Tage aufmerksam verfolgt und mit Tintenstrahldrucker ausgedruckt. Kaum mehr leserlich liegen die Blätter mit der verronnenen Farbe zum trocknen im Salon. Die undichte Stelle beim Kartentischsollte ich mir genau ansehen. Vor zwei Tagen musste ich meinen Super sicheren Ankerbucht in der Two Rock Bay verlassen. Normalerweise ein Schlupfloch bei Schlechtwetter, mit sehr gutem Schutz bei Wind aus West, Nord und Ost. Die momentane Schlechtwetterfront aus Süd drückte nun bis zu zwei Meter hohe Wellen in die Bucht hinein, trotz Sandgrund Ankern unmöglich. Nun liege ich vor Amudia in einer weiten Bucht mit gutem Ankergrund. Der Bügelanker ist beim einfahren komplett im Sand verschwunden und 60 Meter Kette für 6 Meter tiefe stärken das Vertrauen in mein Schiff. Mein Trost, nach jedem Schlechtwetter kommt wieder schöneres.