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2018-12-12 00:16

Bericht Greece Sizilien 2011

Vierter Tag auf dem Meer. South Ionian 38°04.020 N 017°34.519 E.

Nach erholsamer sehr ruhiger Nacht, habe beide Wecker irgendwie falsch eingestellt, liege ich im spiegelglatten Wasser. Wind 0 wie auch schon gestern. Ein  Streichorchester hat im Salon Aufstellung genommen verwöhnt mich mit Musik von Vivaldi. Im Cockpit liegend genieße ich den Sonnenaufgang. Das Frühstück ist angerichtet, grüner Tee und Obst mit Braunhirse. Für meine neuen Freunde gibt es eine Schüssel mit Obst und Brotkrümmel.

Sonnenuntergang resizeTaube Sizilia Sardinien resize

Losgefahren bin ich am Mittwochnachmittag von Prevezza alleine. Ich war mir sicher das spätestens 100 Seemeilen von der Küste entfernt schönes Wetter ist. In Griechenland hat es fast täglich geregnet und als ich auslief war schon das nächste Gewitter in Anmarsch. Bei 10 Knoten Wind mit 6-7 Kt. Speed hinaus, schönes Segeln trotz aufkommenden Regens. Nach 30 Seemeilen verschwinden die Inseln Lefkas, Kefalonia und Zakynthos in einer schwarzen Wolkenwand aus der bedrohliche Blitze zucken. Vor mir wird der Himmel heller, noch in der ersten Nacht treibe ich unter schönen Sternenhimmel in der ersten Flaute. In den ersten 24 Stunden schaffe ich ein Tagesetmal von gerade mal 60 Seemeilen. Zwei meiner neuen Freunde, Spatzen, sitzen auf der Reling und beobachten mich. Besonders gut gefällt es ihnen im Dinghy wo Regenwasser drinnen ist und sie ihren Durst löschen können. Mehr als hundert Kilometer vom Land entfernt, die sind ganz schön weit geflogen. Am Nachmittag bin ich beschäftigt mit Groß Schiffe zählen. 24 waren es beim queren der Schifffahrtsroute Adria – Cap Maleas. Noch keinen Segler gesichtet. Meine nächsten Freunde sind eingelangt, drei Schwalben, eine fliegt direkt in den Salon. Bei der Platzeinteilung mache ich ihnen klardass sie nur die billigen Plätze an Deck gebucht haben. Der zweite Tag auf See besteht aus herumdümpeln mit 1 –3 Knoten Geschwindigkeit. Tagesetmal „ 49 Seemeilen „ Bis Mitternacht ist pechschwarze Nacht, Sicht null. Ab Mitternacht verwandelt der aufgehende Vollmond die Umgebung wieder in etwas Erkennbares. Mit zwei bis drei Knoten schleiche ich durch die Nacht. Bin immer noch nicht Müde, die halben Stunden Schlaf zwischendurch reichen mir. Der dritte Tag auf See ist ein Arbeitstag. Frühstücken, putzen, Mittagessen zubereiten, ein Schinken – Käse – Paprika – Zwiebel – Eier Omelette, danach wieder putzen. Meine gefiederten Freunde sorgen dafür dass ich an manchen Stellen öfter aufwasche.

Spatz in der Hand resizeSpatz Futterschuessel resize

 

 

Ab Mittag ist wieder totale Flaute. Habe erst 130 Seemeilen hinter mir, bis Siracusa Sizilien sind es noch ca. 170. Vielleicht sollte ich doch die Südspitze Calabriens anlaufen, wären nur mehr ca. 70 sm. Verbringe jetzt mehr Zeit als sonst mit Lesen von Navtex. Aegean Sea Military Exercises between…………… Southern Ionian Sea, Lighthouse of S Partiventa Cap is not working………….Weather forecast part 1 no gale, sea calm, smooth isolated fog………………                                                              

Der erste Delphin schwimmt gemächlich vorbei, leider will er keine Konversation mit mir. Auf und ab gleitet er ruhig durch das Wasser, schwimmt in Richtung Griechenland. Eine Stunde später sehe ich eine Caretta Schildkröte auf dem Weg nach Lagana Zakynthos wo hoffentlich viele ihrer Jungen den geschützten Strand bevölkern. Der erste Segler am Horizont, sechs Seemeilen entfernt, fährt nur unter Main Sail, d.h. mit eiserner Unterstützung seiner Maschine. Bei den Dieselpreisen. Kochen ist angesagt, heute gibt es Kartoffel mit Joghurt und Basilikum aus dem Blumentopf. Eigentlich wäre ja Fisch auf der Speisekarte, aber leider beißt keiner an. Werde die zweite Angel auswerfen, vielleicht ist der Köderfisch auf Angel Nummer eins nicht mehr so sehr zum Anbeißen verlockend, nachdem er im Vorjahr von einer Ratte gerupft geworden ist. Samstag nachmittag 14h, Griechische Flagge gegen Italienische gewechselt. Noch 50 Seemeilen bis zur Südspitze Calabriens. Fahre ein paar Meilen mit Motor, Wind immer noch null. 14h30 leichter Wind zerstört das schöne Spiegelbild der Wolken auf dem Meer. Jetzt kommt er aus Ost. Drei Knoten Wind schieben Bright Star mit 1,5 Knoten vorwärts. Bei dem Tempo schaffe ich es bis morgen Abend zur Südspitze Calabriens. Bereite mich jetzt schon auf den Landfall vor, das Achterdeck wird in ein Badezimmer umgestaltet. Rasieren, Duschen bei 28 Grad „Raumtemperatur“ danach Aufwaschen mit ein paar Kübeln Wasser. Brauche nicht zu Sparen damit, rundherum ist genug vorhanden. Nach einer Stunde vorschlafen für die kommende Nacht genieße ich den Wechsel vom Tag in die Nacht. Der schwache Wind hat nachgelassen, er haucht nur noch o,5 Knoten. Die Genua hängt wie ein nasser Fetzen, wenn sie sprechen könnte würde sie sicher sagen „ das meinst du aber jetzt nicht mehr ernst. Um etwas Abwechslung in die Stille der Umgebung zu bringen lasse ich meinen alten Freund Elvis einige Lieder zum Besten geben. Gut das mich niemand sieht wie ich nun singend und tanzend über das Deck schwebe. Begeisterungsstürme von rundherum bleiben leider aus. Die Spatzen und Schwalben haben mich verlassen, sicher nicht wegen des Lärmes den ich mache. Ich Denke es geht ihnen zu langsam mit mir, die restlichen 30 Meilen zum Land fliegen sie schon vor. 20h, 29,6 Seemeilen bis zur Küste, Wind null Flaute. Am Radarschirm erscheinen die ersten großen Schiffe, die Schifffahrtsroute Straße von Messina – Adria liegt 10 Seemeilen vor mir. Stelle mein Ruder auf Anschlag ich finde hier ist ein schöner Parkplatz für die Nacht. Für die Fischer bin ich noch zu weit draußen, und die Bigis sind normalerweise gut beleuchtet.

Speed Strasse von Messina resizeSchifffahrtstrasse resize

 

 

Ich setze natürlich auch meine Positionslichter und lasse das Radar an. Gute Nacht.          

Position 37°57,6415 N 016°41,7211 O. bin schon neugierig wo ich morgen früh stehe. Drift 0,5 Knoten. Sonntag 22. Mai 1h, leichter Wind, bewölkt, Gewitterleuchten über Calabrien. Im halbstunden Takt ziehen die Großen 6 – 10 Meilen westlich von mir vorbei. Schön brav fahren sie ihren Kurs auf der dafür bestimmten Route. Wäre ja auch das Reinste Chaos wenn alle so fahren würden wie ich. 4h 3x 1 Stunde Schlaf, genug für diese Nacht. Wind aus Nord 5 – 6 Knoten, Genua raus, Ruder auf Kurs und ab geht es . Ein Vorteil an den Parkplätzen mitten auf dem Meer ist, das Anker auf Manöver entfällt. Bei 1880 Meter tiefe ist meine Kette eindeutig zu kurz. Abdrift hatte ich laut GPS 3 Seemeilen und noch dazu fast in Richtung Ziel. 

6h, Wind 9 Knoten nun zeigt sich der Unterschied zwischen schwerfälligen Pflügen durch das Meer oder wie auf zwei Kufen über das Wasser zu gleiten. 6 -7 Knoten Geschwindigkeit verleiten mich mein Tagesziel ins 75 Seemeilen entfernte Taormina auf Sizilien zu verschieben. 10h, Wind frischt auf, 4 – 5 Beaufort, Speed zwischen 8 und 10 Knoten. 11h30 passiere die Südspitze von Calabrien jetzt nur noch die Straße von Messina queren. 14h30, soeben kam über VHF Kanal 16, Securite, Securite, Securite, all ships, all ships,all ships, gale warning. Jetzt freue ich mich schon auf den Sandgrund in der Bucht von Taormina. 17h30, Anker + 40 Meter Kette auf 8 Meter Tiefe. Gesamtstrecke 284 Seemeilen. Zeit 99,5 Stunden. Angesichts dieser Zahlen habe ich beschlossen den Schnitt nicht auszurechnen.