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2018-12-12 00:13

Bericht Überfahrt Gran Canaria nach Cabo Verde

Am 12. Jaenner 2013 nach sechs Wochen „Heimaturlaub“ bin ich wieder auf meinem Schiff in Las Palmas Gran Canaria. Die naechsten drei Wochen sind geplant um Bright Star fuer die laengsten zwei  Etappen meiner bisherigen Reise vorzubereiten, und auch noch ein paar Tage mit lieben Bekannten hier zu verbringen.

An Deck beginnt sich an einigen Stellen der alte Lack aufzuloesen. Es wird wieder einmal geschliffen, kleine Risse werden zulaminiert, danach Grundiert und neu Lackiert. Mein Freund Rene der zur Zeit etwas unter beschaeftigt ist und zufaellig auch noch Maler von Beruf, hilft mir Tagelang.

Zuerst muss ich feststellen dass mein Epoxid gekauft vor vier Jahren in der Tuerkei, nicht mehr verwendbar ist. Gekauft als Reserve fuer Notfaelle.  Ich sollte das Zeugs bei der Board Apotheke lagern, wegen der staendigen Kontrolle des Ablaufs Datum. Zum Glueck kennt Rene eine Werft die Epoxid zum unschlagbaren Preis von 20 Euro pro Liter abfuellen. Im Industriegebiet bekomme ich durch Renes Ortskenntnisse alles was ich sonst noch brauche. Holzleisten, geschnitten und gehobelt innerhalb einer Stunde, Inoxteile, den passenden Primer und Lack von Hempel zum halben Preis wie er sonst von den diversen Ausruestern angeboten wird. Sechs Stueck neue Batterien und Kabeln und dann auch noch eine neue Scheibe zugeschnitten fuer die Lucke in der Pantry und und………………Viele Besorgungsfahrten mit Renes neuem Auto waren notwendig um alles benoetigte zu besorgen. Schlussendlich auch noch ein paar Fahrten zu Lidl und Co, 140 Liter Trinkwasser, 100 Flaschen Wein, 120 Dosen Bier und Essensvorraete fuer das naechste halbe Jahr.

Nach zwei Wochen treffen auch Sylvia und Helmut von der Onotoa ein. Auch bei ihnen steht einiges an Arbeiten an und so sehen wir uns ungewohnt selten. Abschied von den Kanaren nehme ich zusammen mit Rene und Lyvia bei einer Karnevalsveranstaltung in Las Palmas. Danke noch einmal an euch beide, auch fuer das Leckere Essen auf eurem Schiff. Naechstes Wiedersehn naechstes Jahr in Cuba, wuerde mich freuen wenn es klappt.

Samstag 2. Februar, nach einer kurzen Nacht geht es um halb neun raus aus der Marina. Die Onotoa mit Helmut und Sylvia biegt gerade um die Ecke vom Ankerplatz aus kommend. Ein kurzes Zeichen mit der Hand nach oben, unsere spezielle Skipperbesprechung, und die Richtung steht fest. Hand nach unten haette nach Sueden in Richtung Porto Mogan bedeutet, Hand oben in Richtung Norden also Gran Canaria oben herum und direkt nach Teneriffa Sued. Wind kommt erst mittags, dann aber reichlich und so schaffen wir die ersten 74 Seemeilen bis Los Galletos in zwoelf Stunden.

Kann mich nicht entscheiden vor oder nach der Onotoa vor Anker zu gehen, fahre erst einmal einen Kreis, und als ich dann fertig bin mit meinem Ankermanoever entdecke ich etwas ganz grosses naehmlich die Onotoa an meiner Angel. Zu Bloed, habe sie wieder einmal vergessen einzuholen. Zum Trost gibt es Huehnerfilet mit Kartoffel und Gemuese auf der Onotoa. Der erste Tag geht fuer mich zeitig zu Ende, ich bin noch Muede von der letzten Nacht.

Sonntag 3. Februar, 8h Helmut birgt meine Angelschnur samt Koeder aus seiner Schiffsschraube. 8h30 Anker auf, wir wollen die 70 Seemeilen bis El Hierro noch bei Tageslicht schaffen. BB Maschine gestartet Leerlauf 1500Umdrehungen,Bright Star beginnt um den Anker Kreise zu fahren. Shit, dass kenne ich doch, brauche ich aber gerade jetzt nicht. Das Getriebe ist eingekuppelt der Gang geht nicht raus. Stress weil ich auf dem Vorschiff stehe um den Anker aufzuholen und das Schiff sich ziemlich rasch in Richtung Felsenkueste bewegt. Breche eine wichtige Regel auf dem Schiff die besagt“ niemals Laufen alles mit Ruhe“, jetzt laufe ich so schnell ich kann vor zum Anker und zurueck zum Steuerstand und vor zum Anker und………..

Zum Glueck sind in der Abdeckung der Insel die Wellen noch nicht so hoch also kann ich die naechste Stunde „gemuetlich“ im Motorraum verbringen. Seilzug runter haendisch auskuppeln, Seilzug Einstellungen veraendern . Zumindest schaffe ich es den Gang raus und auch wieder hineinzubekommen. Nach ca. einer Stunde Fahrt mit der anderen Maschine geht bei dort der Hitze Alarm los. Das Wasser im Kuehler kocht, was ist jetzt schon wieder los? Einlass verstopft? Wasserpumpe kaputt? Ruhe bewahren, hinsetzten nachdenken. Dabei faellt mir nur ein dass ich die sogenannte Zivilisation bezueglich Ersatzteile und Reparaturen gerade im Begriff bin zu verlassen und zwar fuer laengere Zeit. Naechste Reparaturmoeglichkeit in ca. 5 Monaten in Trinidad. Meine erste Idee ist umzudrehen zuerst zum Ankerplatz um in Ruhe alles in Ordnung zu bringen und wenn das nicht funktioniert die 74 Seemeilen wieder zurueck in die Marina Las Palmas. Ich kontaktiere die Onotoa und Helmut meint dazu: wozu? Bright Star ist doch ein Segelboot.

Stimmt. Also ab in den anderen Motorraum, Dampf aus dem Kuehler ablassen, Kuehlfluessigkeit nachfuellen. Nach erneutem Motorstart stelle ich fest immer noch kein funktionierender Kuehlkreislauf. Seeventil ueberpruefen, das darf doch nicht wahr sein. Ich habe es vor dem Losfahren in Las Palmas geschlossen anstatt geoeffnet. Jetzt muss ich unbedingt den Impeller kontrollieren, wenn der trocken laeuft wird er zu heiss und die Ohren fliegen davon. Beim oeffnen der Abdeckung kommt mir nun das Restliche Kuehlwasser aus den Schlaeuchen entgegen, Schweinerei, das Schiff war trocken und sauber als ich gestern losgefahren bin. Jetzt gleicht es einer Marokkanischen Werkstatt, alles Nass und jede Menge Werkzeug liegt in beiden Ruempfen und auch noch im Salon.

Froh darueber dem Karussellfeeling in den Motorraeumen den Ruecken kehren zu koennen geht es jetzt draussen richtig los. Wind nimmt zu wird staerker, Alarm dieses Mal vom Windmesser der auf 32 Knoten eingestellt ist. Welle bis zu vier Meter, unter diesen Umstaenden moechte ich nicht mehr umkehren. Mit klein gerefften Segeln Speed 9 – 10 Knoten im Surf die Wellen hinunter bis zu 13,5.

Um 22h30 erreiche ich Punta De la Restinga ein kleiner Hafen im Sueden von El Hierro. Abwechselnd blinkt das Rote oder Gruene Licht der Hafeneinfahrt einladend. Komm doch rein wenn du dich traust. Die immer noch 3 – 4 Meter hohe Welle kracht gegen die Hafenbefestigung, rundherum schaeumt es weiss. Beim zweiten Versuch schluepfe ich hinein, zumindest  die Welle ist weg. Aber viel zu eng fuer mich, im Notfall kann ich mit nur einer Maschine hier nicht umdrehen. Nach ein paar Minuten bin ich wieder draussen. Ohne Motor, 25 Knoten Wind haben mich einfach wieder hinausgeblasen. Bei dem Wind alleine anlegen, es war keine Menschenseele im Hafen zu sehen, viel zuviel Risiko.

Ich beschliesse im Lee der Insel einen Ankerplatz zu suchen. Dicht an Land ist die Wassertiefe immer noch 20 Meter, die Felsen zum Greifen nahe, weiter draussen 30 Meter zu tief. Ohne Grundkenntnisse moechte ich hier nicht Ankern. Der Wind kommt aus verschiedenen Richtungen jetzt auch noch Auflandig. Helmut 10 Seemeilen hinter mir ruft an, fragt ob ich schon im Hafen bin. Ich sage ihm dass ich unter diesen Umstaenden auf die geplante Inselbesichtigung verzichte. Neuer Kurs 220° Cabo Verde, Mindelo ca. 800 Seemeilen suedlich.

Montag 4. Februar, Millionen Sterne funkeln ueber mir, zum Greifen nahe, aber ich lasse sie oben die anderen Menschen sollen sich auch ueber diesen fantastischer Anblick erfreuen, das ist aber auch schon das einzig Positive in dieser Nacht. Sonst ist es sehr ungemuetlich an Board, einige frei herumstehende  Gegenstaende im Schiff suchen sich selbststaendig einen anderen Platz. Wind um 25 Knoten und hohe Wellen. Die kommen mittlerweile Achterlich also nicht so schlimm. Denke ich zumindest, denn sehen kann ich in der finsteren Nacht nur die Wellen die versuchen an Board zu kommen. Kalte Kueche ist angesagt und Schlafen verschiebe ich auf morgen.

Dienstag 5. Februar, der Wind hat nachgelassen und die Wellen beginnen sich zu beruhigen. Es ist bewoelkt, Sicht unter einer Seemeile Tagsueber. Zum ersten Mal seit Las Palmas kann ich ausreffen. 312 Seemeilen bin ich nun schon unterwegs ca. 1/3 der Strecke bis Mindelo. Die Boardkueche verwoehnt mich mit Thunfischsalat und Arugas ( kleine Kartoffel typisch fuer die Canaren ) Die Nacht ist nicht nach meinem Geschmack, es ist kalt draussen und man sieht nicht weit ueber das Vorschiff hinaus. Wie wenn man gegen eine Wand fahren wuerde. Ich habe das Schiff jetzt vollstaendig meinen Helfern uebergeben, Piloti mein Autopilot steuert unermuedlich und das auch noch Kursgetreu. Das Sehen hat nun AIS und Radar uebernommen. Meine Aufgabe ist es im Salon liegend zu horchen ob alles o.k. ist.

Mittwoch 6.2., in der Nacht musste ich einmal raus um zu Reffen. Um 6 h frueh ist der Wind fast eingeschlafen nur noch 2 – 3 Knoten Fahrt. Aber heute ist das egal, die Sonne scheint und es ist erstmals warm draussen. Meine Stimmung hebt sich wieder nachdem ich Salon und Cockpit wie einen Konzertsaal beschalle und die Tanzflaeche fuer melodisch unterstrichene Uebungen freigebe. Tagesetmal von Dienstag 12h bis Mittwoch 12h 152 Seemeilen. Nur noch 445 Seemeilen bis zum Ziel. Den Nachmittag verbringe ich in der Sonne sitzend geniesse das Auf und Ab in den Wellen und verfolge die schnell vergaengliche Spur die Bright Star in ihrem Kielwasser hinterlaesst. Augenschmaus Segeln bestes feeling wenn da nicht diese Schmerzen waeren. Seit zwei Tagen erinnern mich meine Zaehne daran dass ich jahrelang nicht beim Zahnarzt war. Boardapotheke, nein Pulver nehme ich nicht. Ich versuche es mit Essigspuelung, nuetzt leider auch nicht, noch mehr Schmerz. Als naechstes mit Cognac, schmeckt gut verringert die Schmerzen aber leider nur kurze Zeit. Suche Rat bei Dr. Alexander Meng in seinem Buch Chinesisch heilen ist Akupressur  bei Zahnschmerzen beschrieben. Es gibt 7 Punkte die ich nun nach Anleitung des Buches je 20 Sekunden lang druecke. Nach kurzer Zeit verlagern sich die Schmerzen in Richtung Stirn. Nach laengerer Kopfmassage loesen sie sich aber komplett auf. Danke an Dr. Meng, jetzt kann ich wieder ein paar halbe Stunden schlafen.

Donnerstag 7.2. Ausgeruht und ohne Schmerzen beginne ich den Tag mit einem guten Fruehstueck. In der letzten Nacht war es ruhig, gleichmaessiger Wind aus Nordost, ich musste kein einziges Mal raus um zu Reffen. Es duerfte etwas geregnet haben letzte Nacht, Bright Star ist mit einer roten Dreckschicht ueberzogen. Gruss aus der Wueste die sich an meiner linken Seite ueber eine sehr lange Strecke an Afrikas Westkueste erstreckt.  Bei der Routinemaessigen Boardkontrolle faellt mir auf das die BB Batterien mehr verbrauchen als von der Solaranlage hereinkommt. Ist aber auch wieder bewoelkt ist auch nicht die Antwort warum 0 Ampere auf der Anzeige des Messgeraetes steht. Mit dem Messgeraet ab in das Batteriekompartement. Hier werde ich nach kurzer Zeit fuendig, der Solarregler funktioniert nicht mehr. Kurzerhand Regler abgeklemmt und die Leitungen von den Solarzellen direkt auf die Batterien. Jetzt zeigen die Instrumente wieder Ladestrom an, und die Aufgabe des Reglers uebernehme ich fuer die naechste Zeit. Draussen habe ich nicht viel versaeumt, es ist wieder bewoelkt und bestaendiger  Wind aus Nordost, mit 15 bis 20 Knoten. Tagesetmal 141,5 Seemeilen noch ca. 300 bis Mindelo.

1 Cabo Verde zwischen den Inseln resize2 Cabo Verde Leuchtturm Sao Vicente bei Sao Pedro resize

Freitag 8.2. Die Wellen in der Nacht waren Bright Star nicht sehr freundlich gegenueber. Um 1h wurden sie hoeher sammelten Kraft in der Masse um sich dann auf das arme Schiff zu stuerzen. Besonders dreiste versuchen zwischen den Ruempfen durchzurollen scheitern aber auf Grund ihrer Groesse und hinterlassen dabei ein furchterregendes Getoese.  Gewitterleuchten rundherum ist die Erklaerung dafuer. Das Radar zeigt kurz vor mir Regenwolken, kaum mit dem Reffen fertig schuettet es auch schon. Bei Tagesanbruch verziehen sich die Gewitter, als Erinnerung hinterlassen sie mir eine fast durchgescheuerte Genuaschot. An dem Poller fuer die zweite Ankerkette wo sich die leere Seite verfangen hat muss ich vor der naechsten laengeren Fahrt unbedingt einen Scheuerschutz anbringen. Tagesetmal 141,4 Sm restliche Strecke bis Mindelo 163 Sm, gesamt seit Las Palmas 746,9 Der Nachmittag vergeht schnell mit energiesparenden Kochen,( habe auf den Canaren gelernt Reis – Kartoffel – oder auch vieles andere nur Aufzukochen und dann in Tuecher verpackt ca. 1 Std. stehenlassen fertig, funktioniert Super und ich brauche weniger Gas.)  Zum Abschluss des Tages Lesen, Musikhoeren, Duschen und zuruecklehnen auf der Salonbank bis in die waagrechte…………….

3 Tribuenen Carneval Mindelo resize4 Kinderumzug resize

 

Samstag 9.2. Seit El Hierro noch kein anderes Schiff mit freiem Auge gesehen. Wo sind die alle? Auf Kanal 16 hoere ich manches Mal Fischer, aber gesehen habe ich noch keinen. Die sind ziemlich sicher ohne AIS unterwegs. 72 Schiffe zaehle ich im AIS Bericht. Das weitest entfernte 654,4 Sm ist die Goeiharu No 68 Status Fishing Destination High Sea. Die meisten Ziele lesen sich wie ein interessantes Reiseprospekt. Hazira India, Eygpt, Tanger, Dnepropetrovsk, Dakar, Rotterdamm……….Die Groesse des Gebietes erklaert das nicht sehen, man stelle sich vor in einem Land doppelt so gross wie Oesterreich wuerden 72 Fahrzeuge unterwegs sein. Ausserdem fahren die meisten auf der vorgegebenen Schifffahrtroute und gerade die versuche ich zu meiden. Um 11h30 sichte ich das erste Schiff seit El Hierro. Es ist die Stav Viking auf dem Weg nach Antwerpen. Tagesetmal Freitag 12h auf Samstag 12h 147,9 Sm noch 16,5 Sm bis zum Zieleinlauf in Mindelo.

5 Karneval resize6 Karneval Montag resize  

 Auch heute wieder Bewoelkt aber trotz alldem angenehm. 900 Sm naeher zum Aequator ein bisschen fuehlt man es an den Temperaturen. Wassertemperatur in Las Palmas 19 Grad hier 23. Ebenfalls unterschiedlich ist der Tageslichtanbruch 1 Stunde spaeter dafuer ist es am Abend laenger hell. Mit dem Einschalten meines Handys erhielt ich gleich den ersten Willkommensgruss, im Land und nach Oesterreich telefonieren sie um EUR 4,29/Min aktiv und EUR 1,09 passiv. Jetzt zahl ich eh schon EUR 3,50 Grundgebuehr im Monat. Mit dem Satphone kostet die minute 0,90 cent, also werde ich halt das grosse Ding benutzen. Das Meer ist fast ruhig, ich habe mich schon so sehr an die 2 -3 Meter hohen Wellen gewoehnt, dass ich sie kaum noch spuere. Wenn es so weitergeht bin ich in zwei Stunden in Mindelo vor Anker. Ich werde die Zeit bis dahin noch mit Abwaschen und wegraeumen nutzen. Leider nein, zwischen den Inseln Ilha de Santo Antaao und der Insel Ilha de Saao Vicente wird der bis jetzt so gemuetliche Wind von 20 Knoten fast verdoppelt. Der Windmesser schlaegt Alarm bei 32 Knoten, aber schon zu spaet. Mit lautem Knall verabschiedet sich die angescheuerte Genuaschot. Jetzt kaempfe ich um das Leben meiner Genua, die knallt wild hin her und laesst sich nur wiederwillig zaemen.  Es klappt, weiter geht es mit gerefften Gross und Kluever. Die Ankerbucht liegt geschuetzt laut Seekarte, zumindest keine Welle denk ich. Als ich sie erreiche und fliegendes Wasser sehe kommen mir Gedanken wie in El Hierro, weiterfahren. Mein erster Ankerversuch geht daneben, der Anker schliert, ich komme ca. 10 Meter vor der Ankerkette eines Frachters zum Stillstand. Wind 34 Knoten, Anker wieder auf, geht nicht, meine Ankerwinsch funktioniert nicht. Mit beiden Maschinen halte ich mein Boot gegen den Wind und ueberlege was nun. Glueck muss man haben, der Abstand zum Frachter verringert sich, jetzt schliert sein Anker. Hab ich bei einem Schiff mit ueber 100 m noch nie gesehen. Er reagiert, geht Anker auf und sucht sich einen anderen Platz. Mittlerweile hat sich mein Anker fest verhakt. Onotoa kommt, Ankermanoever und der Anker haelt auch nicht. Beim zweiten Versuch haelt er. Jetzt liegen sie 50 m vor mir, aber bei dem Wind werden die Erlebnisberichte  von der Ueberfahrt warten muessen. Ankunftszeit Mindelo 15h

Gesamte Strecke von Las Palmas nach Mindelo 912,2 Seemeilen

7 Karneval Mindelo resize8 Karneval Dienstag resize

 

 

 

 

 

 

Faschingsdienstag, das grosse Finale, von den 80 Tausend Einwohner ziehen nun ca 40 Tausend Kostuemiert und perfekt Organiesiert durch die Oertliche Sambaschule, mit einem riesen Spektakel durch die Stadt. Die anderen 40 Tausend saeumen ebenfalls nach Fantasia verkleidet die Strassen, Tanz und Spass ist nun das Wichtigste hier auf der Insel. Keine Raufereien, keine laesstigen Betrunkenen, kein zerbrochenes Glas, nicht eine Sekunde wo wir uns trotz der Menschenmassen unsicher gefuehlt haetten. Auf Tuchfuehlung werden wir mit den Einheimischen durch die Stadt geschoben und die freuen sich darueber dass wir mit ihnen das wichtigste Ereignis hier feiern.

9 Karneval Dienstag resize10 Karneval Zuseher resize

Nach einem Tag Erholung vom Carneval  fahren wir mit der Faehre zur Nachbarinsel Sao Antao. Wir haben gehoert dass es hier Alfred Mandl lebt ein Oesterreichischen Auswander der Liptaueraufstrich in seiner Jausenstation in den Bergen serviert. Beim Einsteigen in die Faehre bekommen alle Gaeste ein Plastiksackerl in die Hand gedrueckt, es dauert nicht lange und die ersten Gaeste mit gruenem Gesicht benutzen sie auch. Die alte Faehre, vor vielen Jahren irgendwo in einem Land mit Vorschriften ausgemustert, schaukelt uns sicher durch die Windduese der beiden Inseln. Wir steigen in ein Aluguer um und fahren um 2 Euro um die halbe Insel. Alugers sind Sammeltaxis, meist sitzt man auf der Ladeflaeche und hat so direkten Kontakt mit den Einheimischen und all den Dingen die sie fuer ihr taegliches Ueberleben brauchen. Wir teilen den Platz mit lebenden Huehnern  angebunden an Dieselkanister, Brennholz und Saecken mit Feldfruechten. Das letzte Stueck gehen wir dann wieder zu Fuss, in der Annahme es sei nicht mehr weit, wandern wir Stundenlang durch ein wunderschoenes sehr gruenes Tal aus gehend vom Ort Paul auf fast 1000m Hoehe. Jeder hier kennt Alfred auf unsere Frage wie weit noch bekommen wir immer wieder die Antwort 10 bis 15 Minuten. Nach einer 4 stuendigen Wanderung finden wir Alfred und geniessen seine Aufstrichspezialitaeten. Um Alfred hier naeher zu beschreiben wuerde ich ein eigenes Kapitel brauchen, meine Empfehlung jeder der hier in der Umgebung ist soll ihm besuchen. Wir erfahren viele Dinge ueber die Insel und ihre Bewohner und nachdem die Zeit wieder einmal zu schnell vergangen ist sucht uns Alfred ein Quartier zum Uebernachten. Am naechsten Tag fruehstuecken wir bei Alfred und ziehen am spaeten Vormittag los, vollgepackt mit vielen Eindruecken und auch noch mit 80 prozentigem Grog einer der vielen Spezialitaeten Alfreds.

11 Faehre Mindelo resize12 Alfred Mand resize

 

 

Es geht bergauf, wir gehen auf einem alten Verbindungsweg in ein anderes Tal um so auch den trockenen Teil der Insel zu sehen. Immer wieder umringen uns Schulkinder ihr Wunsch, Kugelschreiber, ist leider nur eine Zeitlang  zu erfuellen. Es sind zu viele, als Keks und Kuli aus sind versuchen wir es mit Sonnencreme. Die Kinder sind begeistert, nach unserer Anleitung wird die Creme auf den Kinderarmen verteilt, sie lachen riechen und bringen Stolz den Duft von den Fremden hellen Menschen nach Hause.

13 Kinder Sonnencreme resize14 Zuckerrohrfelder Santo Antao resize

Die naechsten Tage verbringen wir mit der Erkundung der Insel Sao Vicente. Mit dem Aluguer und auch Autostopp erreichen wir all unsere Ziele. Einen kulinarischen Hoehepunkt   erreichen wir in Mindelo im zufaellig gefundenen Restaurant Pica Pau. Winzig klein, 18 Sitzplaetze aber serviert werden echte Gaumenfreuden zu sensationell guenstigen Preisen. Einen ebenso erwaehenswerten Abschluss der Abende finden wir im Clube Nautico oder im Cafe Lisboa bei Livemusik und immer guter Stimmung. Einkauf fuer eine Woche, Obst Gemuese und Fisch, alles frisch von den Bauern die hier auf der Strasse direkt verkaufen, Schiffspapiere geholt und auf zum naechsten Ziel . Santa Luzia, eine unbewohnte Insel mit langem weissen Sandstrand. Robinsonfeeling die ersten drei Tage sind wir alleine, dann kommen zwei Charterboote. Wir fuerchten schon die 10 km Sandstrand teilen zu muessen, aber den anderen ist moeglicherweise die Brandungswelle zu hoch, sie bleiben auf ihren Booten. Um sich nicht um mein Dinghy sorgen zu muessen ziehe ich es Abends immer auf die Heckplattform, leider unterschaetze ich die Wirkung nasser Fuesse auf glattem Boden, rutsche aus und schlage mit dem Hinterkopf auf die Stufe des Cockpits. Ich fuehle mich wie ein Boxer nach einem k.o Schlag. Hoellische Schmerzen, vorsichtshalber drehe ich mich in Seitenlage falls ich ohnmaechtig werde und dann brechen muss. Nach einiger Zeit sammle ich mich taste meinen Kopf ab, rote Farbe auf den Fingern, Blut auch wo ich gelegen bin, das ist nicht gut. Ich gehe Duschen und zur Erholung ins Bett. Irgendwann weckt mich ein Funkspruch von der Onotoa, Essen ist fertig, ich fahre mit dem Beiboot rueber. Die naechste Kopfwaesche von Sylvia die sich die Kopfwunde ansieht und auch fachfraulich verarztet laesst nicht lange auf sich warten. Ich muss versprechen mich beim naechsten Unfall zu ruehren bevor ich Tod bin.

15 Erste Hilfe an Board von Onotoa resize16 Santa Luzia resize

Naechstes Ziel ist die Insel Sao Nicolau. In Tarrafal melden wir uns bei der Behoerde und geben wieder die Schiffspapiere ab. Ich habe lange ueberlegt ob ich ueber diese Insel berichten soll. Ein Geheimtipp ist nach einem Bericht keiner mehr, aber vielleicht kann ich den Leuten hier auch helfen. Hier gibt es nichts fuer Touristen, keine Hotels, das einzige erwaehnenswerte wurde nicht fertiggestellt, keine Einkaufsmoeglichkeiten, nur das wirklich notwendige zum Leben. Das besondere hier sind die Leute selbst die man unbekuemmert und ohne Erwartungen gegenueber Fremden  begegnet. Die Verbindungen zwischen den Siedlungen sind alte Wege auf denen die Feldfruechte auf Eseln oder auf den Koepfen von Menschen ueber die Berge in das naechste Tal transportiert werden.

17 Kopfarbeit resize18 Cabo Verde Sao Nicolau Dorf resize

 

 

Es ist so wie es immer war, hier hat sich das Leben von frueher nicht veraendert. Willst du die Insel sehen musst du gehen, auf schmalen Pfaden erreichst du Rueckblicke die du schon laengst vergessen zu haben glaubst. Ich habe fuer die Cabo Verden Textilien und Verbandsmaterialien mitgenommen. Hier war ich mir sicher dass diese Dinge ans richtige Ziel gelangt sind. Einen grossen Teil davon bringen wir in eine Schule in Tarrafal, mit der bitte es an beduerftigte Leute zu verteilen.

19 Gewand und med. Artikel zum verteilen resize20 Die Tube mit dem Waschmittel ist leer resize

 

 

 

Wir erwandern uns die Insel auf schmalen Pfadem Zickzack ueber die Berge. Grandiose Ausblicke sind der Lohn fuer die anstrengenden Touren. Versorgungsmoeglichkeiten bei den Stundenlangen auf und ab gibt es keine, es ist Heiss, und Abkuehlung im Schatten ist nur moeglich wenn man ihm selbst mitbringt. Naechster Ankerplatz ist Carriacou im Osten der Insel. Ein kleiner Ort im dem es eine Strasse der Hoffnung gibt.

21 Strasse der Hoffnung Carrical resize22 Carrical resize

 

 

Unvorstellbare Armut,  Schmutz, Unwissenheit, als sogenannter zivilisierter Europaeer versteht man die Welt hier nicht mehr. Spontan werden T Shirts, Shorts und Jeans von Bright Star und Onotoa getrennt und Fischern uebergeben. Als Dank bekommen wir ein unbezahlbares Laecheln und als Draufgabe noch Fisch. Wir erkunden auch von hier aus die Insel. 2010 wurde eine neue Strasse gebaut, die einzige Verbindung zur naechsten Siedlung  fuehrt circa 2 km von dem Ort weg und endet dann im Staub.

23 Strasse 2010 gebaut resize24 Carrical resize

 

 

 

 

Bei unserer Wanderung quer ueber die Insel sehen wir viele wilde Ziegen und Esel. Die kommen auch ohne Menschen gut zurecht, frueher gab es hier einen bewohnten Ort der bei einer der Hungersnoete aufgegeben wurde. Mittlerweile leben 700.000 Kabverdianer im Ausland. Auf allen Insel zusammen leben noch rund 450.000 Menschen.

25 Schulklasse in Sao Nicolau resize26 Die wichtigsten Transportmittel Lehrmittel Schule resize

 

Sal, schon von weiten sieht man die vielen Hotels die den Strand von Santa Maria saeumen.  Weisser Sand tuerkises Wasser und bestaendiger Wind locken Surfer und Kiter hierher. Frueher lebten die Menschen hier von der Salzgewinnung, jetzt werden die Salinen zugeschuettet und Hotels darauf errichtet. Die Menschen im Hinterland haben nicht sehr viel davon. Die Insel ist zu niedrig um vom Passat etwas Regen abzubekommen, und die Mauern rund um die Entsalzungsanlagen der Hotels zu hoch fuer die Armen der Insel.

27 Sal Santa Maria resize28 Sal Strand resize

 

 

Nachdem die Crew der Onotoa vollstaendig ist, Sylvias Vater faehrt mit ueber den Atlantik, haelt Helmut nichts mehr auf dieser Insel. Samstag 9. Maerz Anker auf und zuerst noch einmal nach Mindelo. Dort sind die Einkaufsmoeglichkeiten besser als hier. Am Montag den 11. Maerz starten sie dann bei wenig Wind ihre Ueberfahrt. Meine Crew, Josef und Wolfgang kommen am 22. Maerz nach Sal. Dann nehmen wir die Verfolgung auf. Onotoa zwei Wochen Vorsprung zu geben war moeglicherweise aber doch zu viel. Irgendwann im April sehen wir uns wieder in der Karibik.

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