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2018-12-10 16:31

Trinidad 13. Juni 2013

Eine Nachtfahrt ist angesagt, ungefaehr  80 Seemeilen suedlich von Grenadas Tyrell Bay liegt das naechste Ziel Chaguaramas  in Trinidad. Bei stroemenden Regen verlassen Onotoa und Bright Star die Bucht um bald darauf mit angenehmen 15 Knoten Wind in die stockfinstere Nacht hineinzusegeln.

Um 2h Frueh erzwingt ein Squell mit 30 Knoten Wind und starken Regen eine Kursaenderung vor dem Wind. Das ganze widerholt sich um 4h Frueh noch einmal, reffen und den Instrumenten vertrauen, Sicht  Null. Um 5h wird es spannend, ein Tanker mit ueber 1000 Fuss laenge, Ziel Indien, kreuzt meinen Weg knapp. Kurz darauf sehe ich die naechsten Positionslichter. Leider hat der kein AIS, aber laut meinen Berechnungen muesste er ungefaehr eine halbe Meile Steuerboard an mir vorbeifahren.

Ich beobachte die Lichter und muss mit Schrecken feststellen dass er seinen Kurs geaendert hat. Ich segle also habe ich Vorrang. Denk ich mir und er aendert wieder seinen Kurs. Nun sehe ich sein rotes und gruenes Positionslicht und die kommen rasch naeher. Ich segle mit 8 Knoten er schaetzungsweise mit 10 Knoten, ergiebt 18 Knoten, und schon ist er ganz nah. Ich sehe die Aufbauten auf dem gegnerischen Schiff, und dann sehe ich nichts mehr.

Scheinbar hat er mich erst jetzt gesehen und veranlasst dass alle Scheinwerfer an Deck aufgedreht werden. Blind leite ich ein Manoever des letzten Augenblickes ein. Ein paar Meter bleiben noch Platz, mein Pulsschlag ist auf Maximum angestiegen, und mein Herz hoeren die da drueben auf dem bloeden Fischkutter sicher auch schlagen.

Bei Tagesanbruch sehe ich Trinidad am Horizont auftauchen, aber nur kurz, der naechste Squell schiebt sich vor mir durch und laesst die Insel in dichten Wolken und Regenschauern verschwinden.

1 Trinidad2 Trinidad Squell

Bei der Durchfahrt zwischen einer kleinen Insel und Trinidad erhoeht sich die Stroemung entgegen der Fahrtrichtung auf bis zu 4 Knoten. Mit einer Maschine gerade noch 1 Knoten Fahrt ueber Grund, also zweite Maschine an um mit 3 Knoten Fahrt durchzukommen. In der ersten Bucht, der Scotland Bay, faellt kurz vor Mittag der Anker. Durch den Strom gegen an ist die Fahrtzeit um 4 Stunden laeger geworden, laut Logge war die Stecke durch das Wasser 105 Seemeilen anstatt der 80 Seemeilen laut der Karte.

Regenwaldfeeling hier in der Scotland Bay. Die Bucht ist super geschuetzt durch Berge rundherum. Das Wasser ist spiegelglatt, allerdings auch so aehnlich Gruen wie die dichtest bewachsene Umgebung. Fischende Pelikane, kreisende Raubvoegel in den Bergen und die Stimmen von Singvoegel heissen uns willkommen. Etwas stoerend hier in dieser Idylle sind die sieben anderen Boote, fuenf davon Deutsche.

Naechster Tag ist Krantermin fuer die Onotoa. Bei Subtropischem Wetter, stroemenden Regen, Motoren wir die restlichen vier Seemeilen bis Chaguaramas. Einklarieren bei Beamten Indischer Herkunft, wir sind ja auch in den West Indischen Inseln. Um 11h steht Onotoa an Land. Unkompliziert und sehr professionell wird hier gearbeitet. Jetzt weiss ich auch warum so viele Boote hier die Hurricansaison  uebersommern.

Die naechsten vier Tage helfe ich Sylvia und Helmut bei ihren Arbeiten an Board. Sie lassen ihr Schiff hier fuer die naechsten sechs Monate, und kehren nach Wien ins Arbeitsleben zurueck.

Nach der Verabschiedung der Crew von Onotoa segle ich weiter in Richtung Sueden. Linke Seite Trinidad, vorbei an Port of Spain, rechte Seite Venezuela. Wassertiefe ist hier unter 10 Meter, viele Wracks der Gross Schifffahrt liegen hier herum. In der Naehe meines Tageszieles, suedlich von Port of Spain, steuere ich auf eine kleine Insel zu. Ich moechte auf der Windabgewandten also auf der Ruhigen Seite die Nacht verbringen. Ploetzlicher Alarm des Tiefenmessers nur mehr 1 Meter Wassertiefe. Jetzt sehe ich erst die kleine Insel vor mir ist ein gestrandetes Schiff aus dem schon Baeume herauswachsen.

3 Trinidad gestrandetes Schiff4 Trinidad Wrack

Eine Meile vor der Flussmuendung des Coroni Rivers ankere ich auf 1,40 Meter. Mit dem Beiboot will ich nun in den Regenwald um wilde Tiere und seltene Pflanzen zu Fotografieren. Doch nach kurzer Zeit sitzt der Motor im Schlamm auf. Ich versuche es mit Rudern, aber 20 cm Wassertiefe ist einfach nicht genug um noch vorwaerts zu kommen. Also ohne spektakulaere Fotos wieder zurueck an Board von Bright Star. Am naechsten Morgen zeigt mein  Tiefenmesser nur noch 90 cm ueber Grund an. Bei jeder Welle verfaerbt sich das ohnehin schon schmutzig gelbe Wasser noch mehr in Schlammfarben. Jetzt wird es hoechste Zeit dieses Abendteuer abzubrechen. Mit der Sehnsucht dieses grau- gelb gefaerbte schmutzige Wasser hinter mir zu lassen segle ich zurueck nach Norden.

5 Flusswasser6 Trinidad naehrstoffreiches Wasser

15 Knoten Wind aus Osten treiben mich rasch zurueck in Richtung Grenada. Nach 25 Seemeilen denke ich dass sich der Winkel nach Tobago ausgehen koennte. Es sieht gut aus, nur noch 40 Seemeilen. Leider dreht der Wind wieder, nun ist Kurs Tobago 90 Grad und der Wind kommt mitlerweile aus 90 Grad dazu noch Stroemung von 3 Knoten gegen an.

Keine Chance, ich suche mir ein neues erreichbares Ziel. Naechster Ankerplatz ist die La Vache Bay 20 Seemeilen zurueck nach Trinidad. Bei 20 – 25 Knoten Wind aus Ost kein Problem. Nach 3 Stunden erreiche ich eine meiner Traumbuchten. Ein kleiner Sandstrand von dichtem Regenwald umsaeumt. Keine Menschenseele weit und breit. Drei Jahre sind nun vorbei seit meinen Bandscheibenvorfaellen. 1 x Lendenwirbelsaeule und 2 x Halswirbelsaeule dignostizierten die Aertzte damals. Seither habe ich Probleme mit dem Bewegungsapparat. Laufen unmoeglich, ich Hinke und stolpere schon beim normalen Gehen. Hier verspuere ich ein ploetzliches Verlangen, an Land zu schwimmen und zu Laufen. Ich versuche es, die ersten Schritte wie ein Pinguin, doch dann es funktioniert. Nach drei Jahren laufe ich wie ein kleines Kind ohne warum und wozu, voller Freude den Strand entlang.

7 Trinidad Bucht8 Trinidad Bucht

 

Befluegelt von dem Unerwarteten beschliesse ich am naechsten Morgen die restlichen 40 Seemeilen nach Tobago zu Segeln. Drei Stunden lang geht es 40 Grad nach Ost, doch dann dreht der Wind wieder gegenan und wird staerker. Kursaenderung zurueck nach Trinidad. Ich wollte ja sowieso auch in die Grande Riviere Bay segeln. Dieser letzte Ankerplatz an Trinidads Nordkueste hat allerdings seine Schattenseiten. Im Segelrevierfuehrer steht „ fuer Ausfluege an Land ist es besser von einem anderen geschuetzten Ankerplatz einen Leihwagen zu nehmen“.  Vor Anker weiss ich auch warum, 2 Meter hohe Wellen querab, Anlanden mit dem Beiboot unmoeglich.

9 Trinidad10 Trinidad Ankerplatz

Nach einer sehr bewegten Nacht an Board versuche ich meinen naechsten Anlauf um nach Tobago zu kommen. Nur noch 18 Seemeilen vor dem Ziel gebe ich auf, Wind, Welle und Strom gegenan. Es gibt auch noch andere lohnende Ziele in der Umgebung. Zurueck nach Trinidad, ich waehle das Ausflugsziel der Einheimischen den laengsten Sandstrand der Insel. Die Welle ist hier nur mehr einen Meter hoch, Fischerboote, und Lichter von Haeusern rundherum, hier fuehle ich mich sicher.

23h45, heftiges Pochen an meiner wie immer verschlossenen Tuer weckt mich. Durch das Fenster sehe ich zwei dunkle Gestalten mit Pistolen in der Hand. Piraten? Scheisse mit dem habe ich nicht gerechnet, warum ausgerechnet hier. Wie verhalte ich mich jetzt? Starkes Licht von Taschenlampen leuchtet durch mein Kajuetfenster. Open the Door hoere ich. Frueher lachte ich wenn Angst eine grosse Rolle von Erzaehlungen spielte. Doch jetzt kann ich sie Spueren, ganz deutlich. Von hier aus kann ich nicht davonlaufen, ich muss mich der Situation stellen.

Nach dem Oeffnen der Tuere blicke ich in die Muendung einer Pistole, befolge den Befehl „ Hands up“ und nehme auf dem Dinghyrand Platz. Ein schwarzer mit Pistole in der einen und Taschenlampe in der anderen Hand stuermt ins Innere von Bright Star. Mein Gegenueber loechert mich mit Fragen, warum, wieso, alleine, woher, wohin und endlich gibt er sich als Coast Guard zu erkennen. Der andere hat einen Karton von Rene aus Gran Canaria entdeckt, oeffnet ihm mit einem Messer um festzustellen dass Schuhe und Gewand darinnen sind. Nun sehe ich das grosse Boot der Coast Guard neben mir mit dem die beiden gekommen sind. Maschinengewehr im Anschlag und Bright Star nun mit starken Scheinwerfer Taghell beleuchtet ermoeglicht kein Entkommen mehr. Ich bekomme eine Zigarette angeboten, scheinbar hat der mich vorher bedrohende Beamte nun meine Nervositaet mitbekommen. Nach Entschuldigungsversuchen und Gute Nachtwuenschen  verlassen die beiden schwarzen Gestalten Bright Star und verschwinden mit dem grossen Coast Guardboot in der Nacht. Mir bleibt es ein Raetsel wie sie lautlos in die Naehe von Bright Star und auch nach unbemerkt an Board kommen konnten. Mit Adleraugen bewache ich die naechsten Stunden mein Schiff bis mich die Muedigkeit ins Bett zwingt.

Der Wind steht gut am naechsten Morgen, ich segle 70 Grad in Richtung Tobago. Nur noch 18 Seemeilen doch der Wind dreht wieder und ich habe einfach keine Lust gegen Wind und Strom zu Motoren. Tobago habe ich ja schon vor Jahren gesehen also zurueck nach Trinidad. Mit Wind und Strom achterlich ein Vergnuegen, ich segle zurueck in die Bucht die mir am besten gefallen hat.

114 Meter laenge messe ich beim Durchschreiten des kleinen Strandes. Ein paar Mal gehen, ein paar Mal Laufen. Blumen bewundern, Steine aufsammeln, ein kleines Paradies das nur mir gehoert. Ein Pelikanpaerchen fliegt synchron ganz nah ueber mir, stuerzen sich gleichzeitig ins Wasser und als sie wieder auftauchen haben beide einen Fisch im Schnabel den sie dann mit einer Kopf zurueck bewegung hinunterschlucken. Mein naechstes Tagesetmal misst stolze 4 Seemeilen. Ich ankere vor einem Kilometerlangen Strand. Zahlreiche Spuren der letzten Nacht sind hier sehen. Lederschildkroeten kommen hier her um ihrer naechsten Generation den Start ins Leben zu ermoeglichen.

11 Trinidad Strand12 Trinidad Spur

Weiter geht es vorbei an vielen kleinen Inselchen. Die sind so dicht bewachsen dass es aussieht als waeren sie mit einem gruenen Teppich ueberzogen. Ein paar Tage verbringe ich noch in der Scotland Bay, erfreue mich am ruhigen Liegen hier vor Anker, geniesse die vielen verschiedenen Vogelstimmen und beginne Bright Star aufs Sommerlager vorzubereiten.

13 Trinidad Trocknen14 Trinidad Segelreparatur

Ende Juni wird Bright Star aus dem Wasser gezogen. Vier Tage habe ich Zeit um viele Notwendige Arbeiten auszufuehren. Wie immer ist die Zeit zu kurz um wirklich alles zu erledigen, Rest wird dann nach meiner Rueckkehr im Oktober gemacht.