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2018-12-10 15:23

Vorspann

Beginn und guter Vorsatz für den Weg über den Atlantik: Der Versuch eines Reisetagebuches, von und über Franz, Wolfgang und Josef. – Drei Autoren, kann das gelingen? Aber es ist so, wie unser Vorhaben, wir sind zu dritt unterwegs. Und gleich beim ersten gemütlichen Frühstück am Samstag, dem 23. März, wurde zu diesem Thema festgelegt, dass Franz und Wolfgang eben dann jene Besonderheiten aufzeichnen sollen, die mir, Josef, aus welchen Überlegungen auch immer, nicht über die Tastatur kommen.

Abwarten, ob nach dem Ablegen Richtung Westen auch – vielleicht abhängig von Wind und Wetter – noch Zeit genug bleibt fürs Festhalten von Eindrücken, die wir drei erleben wollen und werden.

Rückblende Anreise am Freitag, dem 22. März 2013

Franz hat uns wie vereinbart auf dem kleinen Flugplatz Sal abgeholt, ein Wiedersehen nach vielen Wochen. Franz, sozusagen „ortskundig“ was die Einheimischen betrifft, übernahm sogleich die Formalitäten gegenüber den Taxifahrern. Wenige Worte reichen fürs Festlegen des Tarifs. (10 Euro für die Fahrt zum Boot)

Für die Neuankömmlinge gab es gleich viel so nebenbei festzustellen: Dürre, wohin auch geblickt wird, kein Land für Rasenmäher. Besonders auffallend gleich vom Flughafen weg die Autobahn, die sich einsam, ja wirklich einsam über die Insel legte, denn Autos gab es nicht, von einer Ausnahme abgesehen, nämlich unser Taxi. Irgendwo wechselte die Autobahn in gut ausgebaute Überlandstraße. Vielleicht beim Bau mit einer gehörigen Portion Optimismus, was den weiteren Ausbau des Straßennetzes betrifft, denn alle Kreuzungen sind als Kreisverkehr ausgebildet, um zu beobachten, dass es in den meisten Fällen überhaupt (noch?) keine querenden Straßen gab; für die Fahrt also einen Kreisverkehr, bei dem es eine Ausfahrt gab, nämlich die der Einfahrt gegenüberliegenden Seite des Kreises.

Wir wurden bis zum Landungssteg gebracht. Dort trafen wir nach wenigen Metern das Beiboot, mit dem wir zu Bright Star fuhren – lautlos, wie gewohnt, denn die Besonderheit des Elektromotors für den Außenborder ist bereits so etwas wie ein alter Bekannter.

Wiedersehen mit Bright Star

Das Herz von uns Neuankömmlingen war bei Bright Star, was Franz allein durch die Frage hervorhob, ob er uns denn die Örtlichkeit noch besonders erklären sollte. Da gab es nichts zu erklären, angetroffen wurden ausschließlich bekannte Orte und Ecken. Die große Menge an Lebensmitteln wurde dann ausgepackt, die den Speiseplan abwechslungsreich gestalten sollen. Für Franz gab es da einige Produkte, die er seit Wochen nicht mehr an Bord hatte. Ein Beispiel dafür das mitgebrachte Schwarzbrot. Genau dieses stand im Zentrum der ersten Planungsüberlegungen: Abendjause mit Schwarzbrot oder aber Landgang, um sich im verbauten Gebiet noch einmal bekochen zu lassen vor dem Start der Überfahrt. Für diese Variante haben wir uns auch entschieden. Gutes Essen war der Lohn für diese Entscheidung, für die beiden Älteren (ja, das fällt mir hier auf bei der treffenden Umschreibung, ich bin der Jüngste) natürlich Fisch.

Nach der Rückkehr zu Bright Star gab es noch die Überlegung für einen ersten „Manöverschluck“ an Bord mit Wolfgangs Selbstgebrannten, doch die Müdigkeit siegte beim Abwägen der Argumente, denn es ging um den Abschluss eines langen Anreisetages mit Beginn der Autofahrt um 3.00 Uhr, dabei einzurechnen noch eine Zeitkorrektur von 2 Stunden.

Erste Nachtruhe

Ja, ausgezeichnet geschlafen, beide Neuankömmlinge. Die Gründe dafür sind einfach und müssen nicht irgendwie „vorsichtig“ umschrieben werden: keine Probleme bei der Anreise, Harmonie bei der Ankunft, erster Landgang mit ausgezeichnetem Essen, gewohntes Wiegen in den  Schlaf von Bright Star (danke dafür).

23. März 2013

Eigentlich noch Morgendämmerung, doch der „alte“ Rhythmus zwischen Tag und Nacht aus Europa hat noch Oberhand. Halb Sieben, nach europäischer Zeitrechnung ohnedies schon beinahe Zeit fürs Gabelfrühstück, bringt das Ende der Nachtruhe. Wolfgang will sich noch einmal hinlegen, doch das Gerede beim Zubereiten  des gewohnten Frühstücks lockt ihn dann doch bald aus seinem Bett. Der morgendliche Speiseplan wird zum Test für die weiteren Planungen: Selbstverständlich Obstsalat, dazu das eingeflogene Schwarzbrot, Hartwurst, Käse, Spiegelei, Tee (über Milchdampf gerollt) und Kaffee von den Kapverden. Dazu ein Erstversuch mit den Vitamin-B-Tabletten, die Moskitos wegen der Körperausdünstung fern halten sollen.

Wolfgang versucht sich heuer als Hobbyfilmer. Als musikalischer Frühgruß die alten österreichischen Liedermacher, gestartet mit „Irgendwann bleib i dann dort“ von STS. Vor uns noch ein Landgang. Das Wetter zeigt sich sonnig mit Wolken und ständiger Wind.

23. März

Die Fischer sind heute nicht gekommen. Daher kein Landgang mehr, weil wir nur deren Fang bewundern wollten. Dafür besuchte uns nach der Ausfahrt eine große Gruppe von Delphinen, die mit unserem Bootskörper, dem „großen Fisch“, ein Spielchen unternahmen, immer knapp vor unserm Bug von steuerbord nach backbord und wieder zurück.  Nach etwa 20 Minuten verließen sie uns.

Die Tagesfahrt

Der Wind 26 – 30 kt kam beständig aus Nord bis Ost, die Wellen aus West bis Nord. Vereinzelt sind Wellen auch übergekommen und haben damit das Schiff gewaschen. Es war allein darauf zu achten, nicht nass zu werden, vor allem dann, wenn von Franz wieder einmal das Beiboot festgezurrt wurde, denn der Verschluss löste sich immer wieder. Eine bessere Form des Festmachens müssen wir uns für die Überfahrt überlegen.

Am Nachmittag gab es köstliche Suppe mit Grießnockerl. Diese nahmen wir wegen des Wellenganges  kniend an Deck zu uns, weil es dann möglich war, den Teller abzustellen. Ein Halten in der Hand wäre unmöglich gewesen und wir hätten wohl den Großteil verschuettet.

Es gab auch einen ständigen Begleiter, ein Frachtschiff, das backbord von uns die gleiche Strecke fuhr, bis zum späten Nachmittag nur sichtbar auf dem Display, dann haben wir es auch am Horizont entdeckt.

Das Abendessen war Cabanossi und Brot. Wolfgang machte in seinem Körper noch Platz und befreite sich bei einem WC-Besuch von Gallenflüssigkeit, wie er es uns beschrieb.

Wir machten gute Fahrt durchs Wasser. Spitzen von 9 kt, im Durchschnitt siebeneinhalb. Damit kann auch der Fall eintreten, dass wir noch vor der Dämmerung unser Fahrziel erreichen, was wegen des Ankermanövers nicht von Vorteil ist.

Wolfgang beginnt als Wachführer und hat sich gegen sechs Uhr schlafen gelegt, darauf folgt Josef und die dritte Wache wegen der Hafeneinfahrt übernimmt Franz. Die Zeiten nehmen wir aus der Überfahrt nach Madeira, weil sich das bewährt hat, also ab 22.00 Uhr im Drei-Stunden-Turnus. Franz hatte mit der ersten Wache wieder die längste, weil sich die beiden anderen zum Ausruhen  frühzeitig in ihre Kojen verabschiedeten.

Angestellt wurden auch erste Angelversuche, doch wegen des Wellenganges waren alle froh, dass kein Fisch gebissen hatte. Beim Einholen der Angel um 19 Uhr stellte sich heraus, dass sich der Widerhaken eingehakt hatte im Gewicht und damit kein Fisch anbeißen konnte. Der Koeder war weg.

24. März, Palmsonntag

Die Nachtfahrt weiterhin ohne besondere Vorfälle. Auch der Mond, vor wenigen Nächten Vollmond, zeigte sich fallweise zwischen den Wolken. Beim Wechsel um 1.00 Uhr ging Wolfgang gleich in seine Kabine, weil es ihm nicht besonders gut ging.

Um 6.00 Uhr der Wechsel Richtung Mindelo,  Wind kommt aus achtern, aber auch stärker wegen der Düsenwirkung zwischen den beiden Inseln. Es lagen vor der Einfahrt einige Großschiffe. Die Leuchtfeuer Großteils ausgefallen, doch für unsere Fahrt war schon Dämmerung und damit genug Orientierung.

Um 8.00 Uhr erreichten wir den Hafen. Franz war schon vor einigen Wochen hier und damit traf er unter den hier liegenden Berufsschiffen einige „Bekannte“. Die Marina war noch nicht besetzt, hier alles ruhig. Daher legten wir bei der Tankstelle an, um gegebenenfalls einige Liter Diesel nachfüllen.

25. März, Montag der Karwoche

Die Einkäufe haben am Vormittag länger gedauert. Vor allem das Ausklarieren und das Rückwechseln in Euro war mehr Zeitaufwand. Danach noch ein ausgezeichneter Mittagstisch im Hotel Gaudi, noch einmal eine warme Dusche in der Hafenanlage und danach ging es flott.

Um 16.30 legten wir ab bei Sonnenschein und mäßigem Wind. Das kurze Stück der Hafenausfahrt unter Motor, doch schon nach zehn Minuten wurde die Genua gesetzt, vorsichtshalber gerefft. Auch das Großsegel folgte gerefft. Bald waren die Motoren ausgeschaltet. Die Genua wurde vollständig gesetzt.

Wir segeln genau gegen die Sonne. Wind rund zehn Knoten, wir machen Fahrt von gut 5 Knoten, die Wellen haben wir achterlich und sie schieben damit auch etwas an. Wellenhöhe knapp unter zwei Meter.

Es gibt schon erste Schätzungen, wann wir die westlichste Insel querab haben werden und dann aufs offene Meer hinaussegeln. Wird so gegen 20.00 Uhr sein. Es werden noch letzte Telefonate geführt und sms verschickt.

Franz sorgt sich um Ordnung auf dem Boot. Im Hinblick auf den Einkauf mit Lebensmitteln gibt es für die ersten beiden Tage Angelverbot. Auch wenn wir bisher noch keinen Fang gemacht haben, wollen wir es nicht riskieren, zu den gekühlten Fischen auch noch einen zu fangen.

26. März, Dienstag der Karwoche – 2. Tag

Rückblick zu den Nachtwachen: Spät, aber (leider) doch kamen wir in die Abdeckung von Sao Antao, der westlichsten Insel der Kapverden. Der Wind flaute ab, nach 23.00 Uhr Windstille, keine Fahrt, nur einige Versuche. Wenig Vorankommen für eine Stunde. Dann „zeigt“ sich der Wind ursprünglich aus W, wandert aber bald in nördlicher Richtung aus. Anfangs Fahrt hart am Wind. Zum Zeitpunkt der Übergabe um 01.00 Uhr raumer Wind stb mit 4 kt. Wind frischt während der Nacht weiter auf, sodass bei Sonnenaufgang wieder gute 6 kt Fahrt möglich sind.

Frühstück wurde erst ab 8.00 Uhr zubereitet. Der Dunst des heißen Öls für den angebratenen Speck war nicht Josefs Sache. Daher kurze Auszeit an Deck, um den noch nüchternen Magen zu schonen. Verbesserungspotential fürs Frühstücken: kleine Tischdecken, denn auch wenn die Teller ihren Fixplatz auf dem Tisch behielten, wollte sich das Besteck bei jeder größeren Welle verabschieden. Weitere Kritik von Franz: Die Saftgläser wurden vergessen. Franz war aber der einzige, der den Tee bei der Wackelei einschenken konnte.

Das Frühstück war mehr als ausreichend. Zu den abgebratenen Speckstreifen gab es noch Rührei. Damit wurde der Obstsalat vernachlässigt. Alle drei Schüsseln kamen in die Warteschleife, um erst im Laufe des Tages gegessen zu werden.

Das erste „Jubiläum“ wurde bei kubanischen Rhythmen gefeiert. Um 11.00 Uhr die ersten 100 Seemeilen seit dem Auslaufen für die Überfahrt. Auch die Durchschnittsgeschwindigkeit konnte bereits verbessert werden auf 5,4 Knoten.

Bis Mittag schafften wir ab dem Ablegen 107 sm bei einem Durchschnittstempo von 5,5 kt. In den ersten 24 Stunden wurden 132 sm geschafft. Dazwischen lag das Essen, von Franz zubereitet. Es gab Fisch, drei Garoupas mit Reis, Kartoffel und gemischtem Salat. Drei landeten auf den Tellern, der vierte, das kopflose Exemplar, wird morgen im Salat enden. Kopflos deshalb, weil dieser noch gekühlt lagert und den Köder geben wird, wenn wir die Angel auswerfen, vielleicht schon morgen.

1 Suppe2 Fisch

27. März, Mittwoch der Karwoche – dritter Tag der Überfahrt

Rückblick auf die Nachtwachen: Es zeigt sich so etwas wie Routine oder eine Selbstverständlichkeit bei den Ablösen. Jede Ablöse erfolgte früher als zeitlich vorgegeben. Der Nächstgereihte wurde eben schon vorzeitig wach und löste ab.

Um 03.45 Uhr wurde der 200-Seemeilenstein der Überfahrt passiert. Vorübergehend war in der Nacht auch etwas weniger Wind. Doch noch vor dem Frühstück bemerkte Wolfgang, dass es wieder unruhiger wurde und somit wieder flotter vorwärts ging.

Neu auf dem Frühstücks-Speiseplan diesmal gekochte Eier, kernweich (!) soll hervorgehoben werden; ja, es hat gepasst, nicht zu weich und nicht zu hart. Aufgabe also erfüllt.

Beim Frühstücksgespräch wieder ein Thema: die Prognosen, vielleicht auch hervorgerufen durch die neue Durchschnittsgeschwindigkeit von 5,7 kt. Doch überlegt wird nicht nur die Anzahl der Tage, die für die Überfahrt benötigt wird, sondern auch die Stückzahl beim Bord-Fischfang und die Zahl der Schiffsbegegnungen, sofern noch kein Land in Sicht ist.

Apropos Begegnungen, um 11.00 Uhr hatte Bright Star Besuch. Ein Schwarm von Delphinen kam, Wolfgang entdeckte sie. Die Tiere dürften den Katamaran als willkommene Abwechslung einstufen und schwimmen knapp vor dem Schiff kreuz und quer, ein Delphin-Spielchen. Beim Springen aus dem Wasser ist der Schwarm aber etwas unmotiviert. Vielleicht hängt das aber auch mit der Fahrgeschwindigkeit und dem Wellengang zusammen. Wir fahren an die 7 kt.

Am Nachmittag nach der Suppe gibt es den ersten Wettbewerb auf dem Spieltisch. Das bordeigene Mikado (!) haben wir nicht ausgepackt wegen der Wellen. Dafür aber war Würfelpokern angesagt.

Wolfgang schaffte es jedes Mal aufs Siegerpodest, wie Franz das Gesamtergebnis schonungsvoll zusammenfasste. Josef hatte eine Glückssträhne und schaffte vier Siege, Franz brachte es auf zwei und Wolfgang auf einen.

Danach verschwand Franz wieder in der Küche. Es gab die noch restlichen vier Garoupa. Zum Fisch wurde gemischter Salat mit Fisch zubereitet.

Mit etwas Neugier wurde zugewartet, bis es halb fünf wurde, um zu errechnen, wie groß die Strecke der zweiten 24 Stunden war. Das Ergebnis der ersten Messung (von Montag auf Dienstag) konnte übertroffen werden. Nach 132 sm waren es diesmal 147 sm. Daraufhin wurden wieder Berechnungen und Schätzungen angestellt, in welcher Zeit wir die Überfahrt schaffen könnten. Und das, obwohl noch nicht einmal 15 Prozent zurückgelegt worden sind.

Zur zurückgelegten Strecke gab es einen weiteren Meilenstein. Gegen 19.30 Uhr hatten wir 300 sm zurückgelegt.

Das AIS warnt jetzt schon das zweite Mal wegen einer denkbaren Begegnung mit einem Frachtschiff. In jedem Fall keine Gefahr, denn die Berufsschiffe sind mehr als 100 sm entfernt und damit außer Sichtweite.

Nach dem Abendessen ist auch immer die Zeit für etwas „Obst“. Dann werden die Mineralwasserflaschen hervorgeholt, die Wolfgang mit Selbstgebranntem mitgebracht hat. Sieht aber völlig „unschuldig“ aus in den Gebinden.

28. März, Gründonnerstag – vierter Tag der Überfahrt

Rückblick zu den Nachtwachen: Keine besonderen Vorkommnisse während der Wachen. Der Wind wurde wieder etwas schwächer. Obwohl es bewölkt war, gab es eine gute Sicht. Beim Wechsel um 4.00 Uhr drehte die Wind vorübergehend nach Osten, sodass mit den Segeln kurz auf stb gewechselt wurde.

„Der Kaffee ist fertig“ – Mit diesem Lied von Peter Cornelius weckte Franz seine Mannschaft. – Nein, er sang Gott sei Dank nicht selbst, sondern spielte das Lied über ipod ab. Franz hatte die Ruhe nach seiner Nachtwache an Bord gleich dazu genutzt, das gesamte Frühstück allein zuzubereiten. Und von der Auswahl ließ er keine Wünsche offen: Neben Obstsalat auch Omelette, Wurst, Käse, Paprika, Paradeiser. Danke! Nach fünf Viertelstunden, um 9.30 Uhr, beendeten wir das Frühstück.

Dann wurde die erste Nachricht über Satelitentelefon nach Österreich verschickt.

(„370 sm geschafft, 1730 vor uns, ruhig ohne Flaute, bewölkt, 25 Grad, alles ok und wohlgenährt, heute Spinat, keine Probleme, lg von uns an alle weiterleiten“)

3 Fruehstueck4 Ostern Spinat

Stromversorgung

Schon gestern wurde es angesprochen: Die Akkus werden nicht vollständig aufgeladen. Dafür gibt es zwei Gründe: Da wir immer Richtung Westen segeln, bedeutet das, die beiden Segel werfen am Nachmittag ihren Schatten auf die Sonnenkollektoren. Und weil wir meist auf Vorwindkurs segeln, erhält der Windgenerator nur immer den scheinbaren Wind als Antriebskraft und dies ist ihm zu wenig. Daher heute eine Stunde Motor laufen lassen.

Fischen

Wo Schwalben sind, fliegen Schwalben zu, abgeändert auf Fischköder. Im Kühlschrank sind zwei Köpfe von Garoupas vorbereitet als Köder. Und in der Nacht legte sich ein etwa 15 cm langer Fisch an Deck zum Schlafen und ist damit ebenfalls ein willkommener Köder.

Spinnaker

Der laufende Motor wurde gleich genutzt, das Boot so zu stellen, dass der Spinnaker gesetzt werden konnte. Um 12.00 Uhr waren wir fertig damit. Und Bright Star lief neue Spitzenwerte in Knoten. Der Wind kam achterlich, also ideal.

Erste Goldmakrele

Nach dem Spinnaker wurde mit dem Fliegenden Fisch als Köder auch die Angel ausgelegt.

Es war 15.30 Uhr. Soeben wurde erst das Vorbeitreiben einer roten Kiste, vermutlich von einem Fischer, beobachtet, da verlangte die Angel massiv an Leine. Erste Frage: War es diese verdammte Kiste, die einen Fehlalarm verursachte? Wolfgang, Hobbyfischer, nahm die Angel in die Hände und gab umgehend die Prognose ab: Da ist ein Fisch an der Leine!

Es begann der Kampf mit dem Fisch, um diesen zu ermüden. An Bord wurden die Vorbereitungen getroffen: Haken, Reuse, Messer, Schneidbrett; alles lag bereit und Wolfgang führte den Kampf gegen den Unbekannten am anderen Ende der Angelschnur. Dann wurde der Fisch erstmals gesichtet, in leuchtendem Gelb. Er konnte problemlos an Bord genommen werden. Eine Goldmakrele, laut Maßband 90 cm über alles.

Es begann die Arbeit für Wolfgang. Fisch ausnehmen, entschuppen, filetieren. Nach gut einer Stunde waren die Filets im Kühlschrank. Einige Abfälle wurden aufgehoben, um erneut guten Köder für den nächsten Fang zu haben.

Fürs Essen noch am gleichen Tag hatte der Fisch zu spät gebissen, denn Franz hatte den Lungenbraten schon zubereitet. Dazu gab es Spinat und Spiegelei.

5 Goldmakrele6 Fliegender Fisch

Vorankommen

Noch während der Fisch-Aktion wurde es wieder 16.30 Uhr und damit Zeit fürs Errechnen des nächsten Etmals. Diesmal 115 Seemeilen. Doch mit dem Spinnaker gab es ein As im Ärmel, denn Bright Star lief Spitzenzwerte durchs Wasser: acht bis neun Knoten.

Nach dem Essen die Vorbereitungen für die Nachtwachen. Das Augenmerk galt dem Spinnaker, für den der Wind nicht zu sehr auffrischen durfte, sonst würde er zerreißen. Festgelegt wurde, den Kurs um bis zu 20 Grad nachzukorrigieren, falls es die Windrichtung erfordern würde, nur um weiterhin mit dem Spi fahren zu können. Erforderlichenfalls ist die Mannschaft zu wecken, wenn es unvorhersehbar Arbeit geben sollte. Es wurde aber damit gerechnet, dass – ähnlich wie in den Nächten davor – der Wind in der Nacht nachlässt und damit der Spi ideal sein wird.

29. März, Karfreitag – 4. Tag der Überquerung

Spi geht baden!

Es war annähernd gegen 5.00 Uhr bei der Wache von Wolfgang. Ein kaum hörbarer Knall und bei der Nachschau war der Spi nicht mehr da. Er lag im Wasser und wurde wegen der Fahrt durchs Wasser unter dem Schiff mitgezogen.

Eine Menge Arbeit für alle drei. Erschwerend kam dazu, dass es noch finster war und damit der Überblick, wo der Spi hängt, schwierig war. Es gelang schließlich, den Spi an Deck zu holen. Dafür wurde mit dem Motor das Boot zurückgefahren, um den Spi sorgfältig frei zu bekommen.

Es zeigte sich schließlich, dass das Segel keinen Riss hatte. Auch die Ursachenforschung konnte abgeschlossen werden: Gerissen ist vermutlich die (alte) Steuerbordschot und hat augenblicklich auch das Spifall zum Reißen gebracht. Franz hatte schon in der Nacht bemerkt, dass dieses Fall nachgegeben hatte und damit der Spi nicht mehr so hoch gesetzt war, doch wollte er wegen des in der Nacht schwächeren Windes bis zum Morgen zuwarten.

Eine Frage wird damit leider unbeantwortet bleiben: Wie groß wäre das Tagesetmal mit dem Spi gewesen. Die Schätzungen gehen knapp an die 200 sm-Schallmauer. Diese Überlegung ist aber nur mehr Fantasie.

Doch da gibt es nicht nur das Wort „Ehrgeiz“, sondern es hat Einfluss auf die weiteren praktischen Überlegungen. Ohne Versuche sollen die guten Erfahrungen beim Vorankommen mit den Spinnaker nicht aufgegeben werden. Franz beschließt, mitten im Atlantik bei gesetzter Genua und Wellengang auf den Mast hinauf zu klettern, um ein neues Spi-Fall einzuhängen. Zuerst werden die Leinen gesichtet und ausgemessen, welche dafür hinsichtlich Länge und Stärke in Frage kommen. Die beiden ausgewählten Leinen (eine ja auch für das gerissene Fall an der Steuerbordseite zum Führen des Spi) werden gekürzt und verschweißt.

Um 10.30 Uhr erstes Erklettern des Mastes. Doch beim Radarreflektor ist Schluss. Es ist zu unruhig, weil es noch dazu sehr staubig und damit schmierig ist, sodass es wenig Halt gibt.  Nach dem Ausrasten um 11.30 Uhr ein zweiter Versuch, diesmal gesichert durch eine Leine von Josef, Wolfgang hantiert an den beiden Leinenenden, die sich wiederholt in den Stags verhängen. Doch es klappt.

Aber Franz kommt mit neuer Arbeit vom Mast herunter. Der Schäkel, mit dem die Genua befestigt ist, hat sich gelöst und hält die Genua nur mehr, weil er sich mit dem Schrauben verkniffen hat. Nächste Arbeit damit: Groß so gesetzt, dass der Genua der Wind genommen wird, zusätzlich Motor ein, damit der scheinbare Wind geringer wird durch die Fahrt mit Motorunterstützung.

Franz lässt die Genua herunter, Wolfgang muss sie alleine im Wind bändigen, Josef ist beim Vorstag, die Genua ausfädeln. Dann wird der Schäkel getauscht und die Genua wieder eingefädelt. So, Franz stellt fest, dass er sich damit als Manöverschluck ein Bier verdient hat und stellt zudem fest, dass er für diese Aktionen nicht ein frisch gewaschenes, weißes T-Shirt anziehen hätte müssen. (Es ist vollkommen staubig.)

Große Fragezeichen für die bevorstehende Nacht: Werden die Leinen beim Spi jetzt halten? Wird der Wind nicht zu stark werden? Zu welchem Zeitpunkt sollten wir den Spi bergen? – Wir lassen es auf uns zukommen!

7 Sonnenuntergang8 Spi

 

30. März, Karsamstag – sechster Tag

Rückblick zu den Nachtwachen: Wolfgang hatte die mittlere Wacht und war nur sehr schwer zu wecken. Der Wind war vorübergehend etwas schwächer, gegen 6.00 Uhr wenig Wellengang, legte aber dann bald wieder zu. Der erste Sonnenaufgang ohne Wolken. Schon die Nacht war klar mit einer Unmenge an Sternen.

Vor der Nachtruhe gab es noch einige Mühle-Runden zwischen Franz und Josef. Vernichtend der Überblick, den Franz dabei hat. Da nur wenige Runden gespielt wurden, entstand auch nicht die Gefahr, dass es Franz wieder verlernt.

Um 05.45 Uhr wurde um drei Grad nach Süden gedreht, damit der Spi den Wind genau von achtern erhält.

Ausgedehntes Frühstück bis 9.30 Uhr. Der Tag wurde geplant. Da es im Vergleich zum Vortag keine Reparaturen gab, war Überlegen angesagt. Messerschleifen ist ein Thema und in der Sonne liegen.

Angeln wurde abgelehnt. Es wird nämlich mit Sicherheit damit gerechnet, einen Fang an Board zu ziehen und dafür ist im Kühlschrank noch kein Platz. Für morgen ist ein (Oster-)Lamm in der Auftauphase und damit soll erst morgen geangelt werden.

Aus der Sicht des Navigators stehen wir kurz vor dem Wechsel von erstem zu zweitem Drittel. Müsste noch heute so weit sein.

Tiefgründige Überlegungen bei der Jause: Die unterschiedlichen Möglichkeiten, eine Cabanossi zu halten. Der Hacklertyp hält dieses Würstchen wie einen Stock, der Denker wie einen Bleistift, der musische Typ wie eine Querflöte. – Zu welchen Gedankengängen die Muße anspornt?

Schneidiges Thema war die Messerschleiferei. Franz fuhr mit allen Klingen samt Griff auf, die auf eine Spitze zuliefen. Doch Wolfgang war ein guter Lehrmeister. Bald hatte Franz den Dreh heraus und bearbeitete sein Küchenwerkzeug großteils selbst. Das war auch zum Vorteil von Wolfgangs Knien.

Nebenbei am Vormittag noch kleiner Waschtag. Nicht nur die umfangreiche Körperpflege von Franz in der Dusche ist damit gemeint, sondern auch jene Kleidungsstücke, die jedes Crewmitglied für das wichtigste hielt: von Franz ein Slip, von Wolfgang die Schlafsocken und von Josef der Pyjama.

Die Abrechnung um 16.30 Uhr brachte neuen Rekord beim Vorankommen innerhalb von 24 Stunden mit 150 sm. In der Küche wurden zu diesem Zeitpunkt die letzten Vorbereitungen fürs Fischessen getroffen. An Beilagen gab es Reis, Kartoffel und gemischten Salat. Josef hat erneut die Kräuter und Balsamico vergessen.

Danach wurden die Jolly-Karten ausgepackt und Wolfgang erhielt eine Einschulung. Franz spielte dann zu risikoreich und noch dazu musste das fallweise Anfängerglück von Wolfgang berücksichtigt werden, was Franz einige Schlechtpunkte bescherte. Damit erneut eine Disziplin, in der Josef gewinnen konnte.

9 Fisch geduenstet10 Messerschleifen

31. März, Ostersonntag – siebenter Tag

Ostern begann mit Arbeit auf dem Schiff. Bis zum Ende der ersten Wache hatte Wolfgang den Kurs bis auf 250 Grad korrigieren müssen, damit der Wind weiter für den Spi halbwegs achterlich kam. Doch nebenbei hatte (wieder einmal in der Nacht, könnte auch thermische Ursachen haben) der Wind aufgefrischt. Von den Daten her gab es seit 16.30 Uhr eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 6,8 kt und eine Spitzengeschwindigkeit von 10,5 kt. Der Wind wurde für den Spi zu kräftig, noch dazu die Abweichung Richtung Süden beim Kurs. Das sollte mit Genua und Groß einen raumen Wind auf unserem Kurs geben.

Franz wurde geweckt und nach einigen Beobachtungen fiel die Entscheidung für den Segelwechsel. Kurz vor Beginn der Arbeit ließ noch ein Schlagen im Beiboot aufhorchen. Das Rätsel war aber rasch gelöst: Ein Fliegender Fisch, an die 20 cm, war gelandet und kämpfte um sein Leben. Franz schenkte es ihm, indem er ihn ins Meer zurückwarf. Diese selbstlose Geste wurde wenige Minuten später belohnt, denn im Steuerbordnetz im Vorschiff lag ein Fliegender Fisch, ein noch größeres Exemplar, das sein Leben bereits ausgeträumt hatte und sich als neuer Köder beim Angeln anbot.

Den Spi bergen war in der Nacht nicht ganz einfach. Abgesehen von den Kräften, die nicht zu überwinden waren, solange der Wind im Spi war, wickelte sich der Spi dann noch um das Vorstag, was zusätzlich zu meistern war. Nach einer guten halben Stunde war der Spi geborgen und es wurde zu Groß auch die Genua gesetzt. Mit dem Spi waren seit der Etmal-Messung des Vortages 68 sm gesegelt worden.

Zum Abschluss dieser nächtlichen Arbeit vor dem Übergang zur vorgegebenen Nachtwacheneinteilung gab es noch Bananenernte beim Ruder. Franz und Josef schnitten sich eine Banane von den dort aufgehängten Früchten.

11 Bananen gruen12 Bananenernte

Unsere Osternachricht an die „Fans“ zu Hause: „Osterfrühstück mit Binsen, weichen Eiern ohne Nestsuche, Wellen jetzt seitlich, gute Fahrt auf Kurs, alles ok, morgen Hälfte, allen liebe Ostergrüße“

Wind und See waren am Vormittag etwas heftig und ließen dann wieder nach. Es gab ab 13.00 Uhr Versuche für Optimierungen. Zuerst der Versuch, die Genua auszubaumen, doch das konnte nicht umgesetzt werden, weil zu viel Druck auf der Genua war. Dieses Segel wurde dann mit der Steuerbordleine an der Klampe niedergebunden. Dann folgte (lg 144) der Umstieg auf Schmetterling-Segelstellung mit geringer Kurskorrektur. Das Großsegel wurde dafür auf steuerbord mit einer Leine zum Mittelschiff hin fixiert. Doch der Wind drehte gegen 14.30 Uhr erneut. Es wurde damit auch das Großsegel auf backbord gegeben und dicht geholt. Damit wieder leichte Kurskorrektur. Außerdem gab es zu diesem Zeit wieder mehr Wind.

Die Küche nahm auf das kirchliche Fest Bedacht: (Oster-)Lamm in Saft, hervorragend zubereitet, mit Semmelknödel, ausgezeichnet! Noch davor gab es die Tagesbilanz: Tagesetmal von 156 sm.

Danach eine weitere Spielrunde, diesmal Zweierschnapsen zu dritt. Es gab vernichtende Niederlagen für Josef. Fünf Pummerl musste er -  trotz in der Mitte des Spiels ausgesprochener weiterer Pummerlsperre – kassieren, Wolfgang eines, Franz beendete diese Disziplin mit weißer Weste. Es wurde dann noch auf Würfelpoker gewechselt, um Josef den Abend (und damit seinen Beginn mit der Nachtwache) erträglich zu machen.

Für die Nachtfahrt wurde entschieden, nicht den Spi zu setzen, sondern mit der Genua eine ruhige Nacht zu haben, weil davon ausgegangen wurde, dass in der Nacht der Wind wieder auffrischt und damit erneut ein Bergen des Spi in der Nacht erforderlich wäre oder aber eine nächtliche Panne, falls das Material nicht stand hält. Ursprünglich, also ab 22.00 Uhr, kamen dann wiederum leichte Bedenken, weil der Wind nachließ. Doch das war nur vorübergehend und die aufgestellten Prognosen erwiesen sich als richtig, denn ab 22.45 Uhr legte der Wind wieder zu. Wir fuhren zu dieser Zeit rund 10 bis 15 Grad höher am Wind, um für den denkbaren Wechsel auf den Spi etwas abfallen zu können Richtung Süden und natürlich auch, um Tempo zu machen. Franz konnte dann bei der zweiten Wache wieder abfallen, sodass in den frühen Morgenstunden genau unseren Kurs hatten.

13 Wellen Atlantik14 Sonnenuntergang

1. April, Ostermontag – achter Tag

Es zeigt sich zusehends auch die Zeitverschiebung. Wir nähern uns dem 45. Längengrad, rechnen aber weiterhin, weil dies von der Berechnung der Tagesstrecken am wenigsten verwirrt, mit der Zeit von Cap Verde. Um 7.00 Uhr, beim Ende der letzten Nachtwache ist es damit noch stark dämmrig, wenn wir Mittag auf den Uhren haben, ist die Sonne noch lange nicht am Zenit angelangt.

Gegen Mittag erreichte uns die Kurznachricht der Bogners, dass diese Land in Sicht haben und nur 30 sm bis zum Anlanden haben werden. Die brauchten damit bei ungünstigen Windverhältnissen genau drei Wochen für die Überfahrt. Wir liegen damit besser im Plan und werden voraussichtlich heute noch „halbe Strecke“ erreichen.

Das Tagesetmal um 16.30 Uhr ergibt 135 sm. Mit dem Einholen der Angel wird bis zur Dämmerung zugewartet. Die Zuversicht von Franz und Wolfgang, beinahe auf Befehl einen Fisch fürs Essen zu fangen, schwindet. Der Fliegende Fisch hat sich vom Widerhaken gelöst, aber abgesehen von unserem Vorrat im Kühlschrank gibt es schon wieder einen Fliegenden Fisch als Köder, der an Bord gegangen ist.

Bergfest

Nach dem Kartenspiel um 21.15 Uhr kann die Halbzeit bei der Strecke festgestellt werden. Noch 1.040 sm bis Martinique. Damit liegt erstmals das Reiseziel näher als der Ausgangspunkt.

In der ersten Nachtwache (bei gutem Wind) muss Franz den Steuerbordmotor für eine Stunde einschalten, damit die Akkus geladen werden. Ruhig verläuft die zweite Wache von Wolfgang, abgesehen von einer Welle, die ins Cockpit überschlägt und alles nass macht. Mit Beginn der dritten Nachtwache dann starker Wind, hohe Wellen und starke Bewölkung steuerbord voraus. Es wird Franz geweckt und überlegt, ob gerefft werden soll, weil die Bright Star fallweise mehr als 9 kt läuft. Aufs Reffen wird verzichtet und die künftige Entwicklung verstärkt beobachtet.

2. April, Dienstag – neunter Tag der Überfahrt

Am Morgen überwiegt noch die Schläfrigkeit. Frühstück beginnt damit erst kurz vor 9.00 Uhr. Es wird gute Fahrt gemacht, aber auch die Wellen haben zugenommen. Es wird erneut die Angel ausgelegt. Dabei kann auf einen (im Vergleich zum Vorabend) größeren Fliegenden Fisch als Köder zurückgegriffen werden, der steuerbord im Bereich des Cockpit „wartet“.

Bei höheren Wellen geht es den ganzen Tag flott weiter. Das Augenmerk liegt auf dem Tagesetmal. Kann der bestehende Rekord von 156 sm vom Ostersonntag eingestellt werden? Die Prognosen stehen gut. Immer wieder wird gerechnet und gehofft, dass der Wind nicht nachlässt. Häufige Beschäftigung der beiden Kameramänner Wolfgang und Franz ist es, die mächtigen Wellen zu filmen. Es scheint immer ähnlich zu sein: Wenn eine Kamera geholt wird, dann sind die hohen Wellen verschwunden. Ebenso ist es mit dem Filmen von Fliegenden Fischen oder von Vögeln.

Eine glatte Sache dann um 16.30 Uhr das Tagesetmal mit 160 sm, neuer Rekord. Dann geht es zum warmen Essen. Diesmal gekochter Schinken mit Sauerkraut und Kartoffelpüree. Nach etwas Ausruhen folgt als Abendspiel das Dreierschnapsen, für Franz Neuland und er kann die Karte des Neulings nicht ausspielen und verliert, sogar ein Schneider. Seine Revanche folgt auf den Fuß bei den Würfelpoker-Runden durch lauter Siege.

Es wird früh Schluss gemacht, für eine ruhige Nacht wird Reff I eingelegt, es wird ohnedies genug Fahrt gemacht und es wird die Literatur zur Hand genommen um zu ergründen, wie die Anzeichen für Squalls sind, mit denen in den nächsten Tagen zu rechnen sein kann bzw. wird.

1718 Frische Semmerl

3. April, Mittwoch, zehnter Tag der Überfahrt

Nach Mitternacht in finsterer Nacht fallen einige Regentropfen, doch nicht so viel, dass wirklich das Deck nass wird. Der Halbmond geht erst sehr spät gegen 2 Uhr auf. Dann gibt es mehr Sicht. Zum Morgen hin nimmt der Wind ab, doch es gibt weiterhin gute Fahrt, ist aber stark bewölkt. Das Reff konnte gegen Eintritt der Morgendämmerung ausgebunden werden.

Spätes Frühstück. Franz, der die letzte Wache hatte, zeigte sich als Könner beim Backen von Brötchen. Diesmal exakte Masse, sodass sich der Teig nicht wieder auf dem Backblech ausbreitete, sondern die Form beibehalten blieb. Es musste aber noch gewartet werden, bis das Gebackene etwas ausgekühlt war.

Diese Wartezeit konnte genutzt werden, denn es begann zu regnen und der Wind drehte. Die Arbeiten an der Segelstellung machte Franz allein, war aber dann auch entsprechend nass. Es war nur ein kurzer Regenschauer, zu wenig für eine ordentliche Deckwäsche. Aber es genügte zum Fensterputz mit der Gummilippe.

Nach dem Frühstück zeigte sich wieder die Sonne für die Trockenphase an Deck. Außerdem wieder normale Windverhältnisse, wobei wir noch etwas zu hoch fahren um rund 10 bis 15 Grad. Es wurde wieder die Angel ausgelegt, die Lage aber bereits etwas realistischer betrachtet, weil sich die Einsicht gefestigt hat, es gibt keinen Fang auf Bestellung oder Zuruf an Neptun.

Doch es bleibt viel zu tun. Das Radar zeigt eine Gewitterwolke achterlich an, die sich uns nähert. Außerdem stärkeren Wellengang. Vorbereitungen für die Gewitterwolke werden getroffen. Reff III eingelegt. Das Gewitter streift uns nur an der Backbordseite. Doch es wird höherer Wellengang angezeigt. Deshalb wird die Genua eingerollt und der Klüver gesetzt, außerdem das Groß weiter gerefft. Fallweise kommt ins Cockpit Spritzwasser, vorübergehend auch einige Regentropfen, sodass die Polsterungen in den Salon gegeben werden. Diese Aktionen dauern bis 12.30 Uhr. Dann ist Ruhephase, Franz und Wolfgang dösen im Salon, Josef in seiner Koje. Trotz hoher Wellen liegt Bright Star ruhig.

Aktivitäten wieder ab 14.00 Uhr. Es ist die Ruhe, die alle drei Besatzungsmitglieder ins Cockpit treibt. Es wird wieder die Genua, Reff III, gesetzt, der Klüver bleibt gesetzt. Das bringt eine Steigerung der Fahrt auf 4,5 kt. Um 14.20 Uhr wird der Klüver geborgen und die Genua ohne Reff gefahren.

Erste Begegnung bei der Überfahrt. Ein Frachtschiff wird um 14.55 Uhr bei lg 495 an der Backbordseite gesichtet. Davor konnte das Schiff schon auf Radar und mit AIS beobachtet werden, es war aber fraglich, ob es in Sichtweite kommen wird. Es handelt sich um ein Frachtschiff „Ikan Jahan“ mit einer Länge von 580 ft, das auf dem Weg nach Santos, Brasilien, ist und dort am 12. April ankommen wird. Es ist unterwegs mit 11,5 kt und ist 5,9 sm entfernt.

Erneut wird das Fischerglück versucht und Fleisch vom ersten Fang an der Angel ausgelegt. Ein Fliegender Fisch, der am Vormittag im Netz am Vorschiff gefunden wurde, wartet weiter im Beiboot.

Nicht gezählt worden ist heute, wie oft das Cockpit durch den Regen nass geworden ist. Noch vor dem Messen des Tagesetmal konnte wieder auf Steuerbordschoten gewechselt werden und unser Kurs gesegelt werden. Der  Wind ließ wieder nach.

Gutes Tagesetmal von 151 sm trotz einiger Änderungen bei den Segelstellungen und Reffs. Es setzt um 16.30 Uhr ganz dichter Nieselregen ein.

Doch das Wetter ändert sich nicht. Trüber Himmel, an der Steuerbordseite sogar eine Wolkenwalze, die nicht ganz genau beurteilt werden kann. Radar zeigt vor dem Schiff Regenwolken, die sich dann doch auflösen. Der Wellengang nimmt zu.

Einige Kurswechsel, bedingt durch drehende Winde, sind nach dem Essen (Palatschinken) erforderlich. Es wird in Groß und Genua ein Reff eingelegt und danach ein Film vom Besuch der Kanaren von Franz im Vorjahr angesehen. Danach geht es Wolfgang nicht gut und er legt sich schlafen. Schon vor dem Beginn der ersten Nachtwache sind einige Segelmanöver erforderlich. Der Wind dreht um rund 30 Grad und damit ist häufiges Schiften gefragt. Erst gegen 21.30 Uhr lassen die Aktivitäten nach, doch bald setzt Regen ein. Mit kurzer Unterbrechung, in der Franz das Cockpit trocken wischt, regnet es bis Mitternacht. Danach wird es etwas ruhiger bei starkem Wind und Fahrt von bis zu 8 kt. Erneut Regen in der dritten Wache.

19 Sonnenuntergang20 Seeschwalbe

4. April, Donnerstag, elfter Tag der Überfahrt

In der Nacht wurde das zweite Drittel der Distanz beendet. Der Vortag mit vielen Segelmanövern und ungewissen Gewitterwolken hat das Vorankommen eingebremst. Doch es gibt Lichtblicke. Die Sonne zeigt sich, vorerst zögernd am Himmel, doch dann verschwinden die Wolken beinahe vollständig.

Das sonnige Wetter wird zur Körperpflege genutzt. Gegen Mittag ist dann jeder fein herausgeputzt.

Keine Besonderheiten an einem schönen Segeltag. Erfolglos das Angeln. Für die Nacht werden die Segel ohne Reff gefahren. Um 16.30 Uhr zeigt das Tagesetmal auch eine akzeptable Strecke mit 133 sm.

Es gibt von Franz bereits eine präzise Schätzung über unsere Ankunft: Dienstag, 14.00 Uhr.

5. April, Freitag, zwölfter Tag der Überfahrt

Zweite Schiffsbegegnung kurz nach Mitternacht. Ein Frachter auf dem Weg nach Nigeria, den wir in einer Entfernung von 4 sm begegnen. Bei Beginn der Nachtruhe deutet alles eine ruhige Nacht, doch um 5.00 Uhr beginnt es zu schütten.

Eine halbe Stunde später ist der Guss vorbei, doch es hat merklich abgekühlt, vorbei mit einer angenehmen, lauen Nacht.

Auch am Morgen zeigt sich unsere Zeitverschiebung. Erst gegen 8.00 Uhr kann mit dem Vorbereiten des Frühstücks begonnen werden. Davor ist es noch zu finster. Nach dem Frühstück konzentrieren sich die Anstrengungen aufs Angeln. Es wird auch eine zweite Angel ausgelegt. Diesmal mit mehr Glück. Doch der erste Fang an der Steuerbordleine ist zu groß und die Schnur reißt. Aber es dauert nicht lange, und es gibt an der Backbordangel Fischalarm. Dafür wurde ein kleiner Fliegender Fisch als Köder verwendet, den Wolfgang beim morgendlichen Rundgang gesichtet hat.

Wieder eine Goldmakrele. Franz ändert in Gedanken sofort den Speiseplan für die nächsten beiden Tage. Diesmal ist der Fisch mit einem Meter etwas größer. Das Ausnehmen und Entschuppen gestaltet sich schon als Routine. Wolfgang übernimmt den Hauptteil der Arbeit.

Der Tag ohne Besonderheiten, sonnig, wenige Wolken. Entsprechend den Erwartungen gibt es am späten Nachmittag guten Fisch. Der Plan, mit den Nachtwachen eine Stunde später zu beginnen wegen des späten Sonnenuntergangs und dann am Morgen der späten Dämmerung wird wieder verworfen, weil dieser dann Verwirrung bei der zeitlichen Übersicht bringen könnte.

15 Wolfgang Angeln16 Wolfgang Goldmakrele

6. April, Samstag – dreizehnter Tag der Überfahrt

Die Nachtwachen wurden im Hinblick auf Squalls mit einem Reff bei den Segeln begonnen. Das erwies sich als günstig. Immer wieder musste die Nachtwache den trockenen Salon aufsuchen. Nach Mitternacht dann noch mehr gerefft, was sich als gut herausstellte.

Es wurde in einen ruhigen Morgen gesegelt. Die Sonne zeigte sich wieder, doch den ganzen Tag über gab es immer wieder Squalls. Von der Onotoa erreichte die Bright Star am Vormittag die Nachricht, dass die Daheimgebliebenen über unsere Fahrtfortschritte informiert worden sind und Details zum Büro fürs Einklarieren.

Der Segeltag verläuft ohne Besonderheiten, am Vormittag noch einige kurze Squalls, doch dann wird es sonnig. Mit Spannung wird wieder dem Errechnen des Tagesetmals entgegen gesehen, Josef verschläft es allerdings. Geschafft werden 150 sm. Als Streckenrest werden 365 sm errechnet.

In der Küche wird von Franz Fisch, der zweite Teil der Goldmakrele, gedünstet. Dazu gibt es gemischten Salat. Damit ist auch die Angel wieder frei gegeben für einen weiteren Fang, gewünscht würde diesmal ein Thunfisch zur Abwechslung, aber das fällt schon unter die Kategorie „wählerisch“.

Wegen des ruhigen Wetters wird festgelegt, für die Nacht kein Reff einzulegen und denkbar stärker aufkommenden Wind vorerst entgegen zu sehen, um dann erforderlichenfalls zu reagieren. Dann werden noch die Spielrunden absolviert, bevor die Nachtruhe und die Nachtwache beginnen.

Sonntag, 7. April, vierzehnter Tag der Überfahrt

Die Nacht war ruhig, es gab keinen Anlass, ein Reff einzubinden, aber trotzdem immer Fahrt knapp unter 6 kt. Es errechnet sich damit annähernd eine Ankunft knapp nach dem Wechsel von Montag auf Dienstag, gerechnet nach Abfahrtszeit auf den Kapverden. Dann werden die Uhren umzustellen sein, die Bright Star ist hinsichtlich der Zeitmessung schon ziemlich „quer“. Das wirkt sich in den Morgenstunden dadurch aus, dass mit dem Zubereiten des Frühstücks erst nach 8.30 Uhr begonnen werden kann (doch jeder schläft zu dieser Zeit ohnedies noch gern) und am Abend erst knapp vor Beginn der ersten Nachtwache die Dämmerung abgeschlossen ist.

Schon bei der dritten Nachtwache wurde die Angel ausgelegt. Es gibt jetzt wieder Platz im Kühlschrank und bei einem Fang wird eben der Speiseplan auf Fisch umgeändert. An die Frauen zu Hause wird eine Nachricht geschrieben, dass sich die Ankunftszeit für Dienstag errechnet. Damit kann an diesem Sonntagnachmittag per Telefon diese Neuigkeit verbreitet werden.

Der Nachmittag verlief ruhig. Das Tagesetmal um 16.30 Uhr profitierte noch von der guten Fahrt in den Nachtstunden und fiel mit 137 sm akzeptabel aus.

In den Nachmittagsstunden wieder gutes Essen. Koteletts mit gedünsteten Karotten und Reis. Danach einige Spielchen bis zum Beginn der Nachtwache. Die Zeiteinteilung wurde nicht geändert. Doch es zeigte sich schon, dass an diesem Tag zu wenig aufs Vorankommen geachtet wurde. Für den nächsten Tag wurde das Setzen des Spinnakers fest vorgenommen

21 Fruehstueck22 Fischessen

8. April, Montag, fünfzehnter Tag der Überfahrt

Ab Mitternacht zeigten sich die Sünden vom Vortag. Der Wind wurde phasenweise schwächer. Die geplante Ankunft in der Nacht von Montag auf Dienstag ist zu vergessen. In den frühen Morgenstunden dann wieder Squalls.

Der Morgen begann verschlafen und bewölkt. Der Wind sehr schwach. Gehofft wurde darauf, dass am Nachmittag bessere Windverhältnisse vorherrschen. Offensichtlich gab es im Süden Unwetter, sodass der Wind beeinflusst wurde, denn er kam aus südlicher Richtung und war schwach. So dümpelte das Boot zeitweise dahin.

Änderung, die erhofft wurde, brachte ein Squall kurz vor Mitternacht. Dieses zog im Süden an uns vorbei und nahm uns ein Stück mit, Fahrt 6 kt. Und der Wind kam dann aus südwestlicher Richtung, sodass ein Kurs von 260 Grad gehalten werden konnte.

Um 18.30 Uhr wird dann doch noch der Spinnaker gesetzt, weil der Wind flau ist. Danach wird Fahrt gemacht. Um 19.38 Uhr beträgt die Distanz bis zum Leuchtfeuer Martinique unter 100 sm. Wechsel von Spi auf Genua um 21.30 Uhr. Damit sind die Arbeiten exakt bei Einbruch der Dunkelheit abgeschlossen.

9. April, Dienstag – fünfzehnter Tag der Atlantiküberquerung

Die Nachtwachen verliefen ohne Besonderheiten. Wegen der Nähe zur Küste waren gegen 22.00 Uhr die Beleuchtung von zwei Fischerbooten auf der Steuerbordseite zu erkennen, die über achtern ihren Weg fortsetzten.

Der Vormittag war geprägt davon, das Herunterzählen der Seemeilen bis zum Ziel in Martinique zu beobachten. Da auch mit der Genua mehr als 4 kt Fahrt gemacht wurden, verzichtete man auf die Arbeit, nochmals den Spi zu setzen. Das Wetter zeigte sich von der ganz sonnigen Seite. Noch dazu legte die Meerestemperatur etwas nach, um karibische Werte zu erreichen. Zuletzt wurde Gleichstand zwischen Wasser und Luft erzielt: 29 Grad.

Das Kap bei Martinique wurde um 16.20 Uhr gerundet und im Anschluss daran geschiftet, um mit neuem Kurs 320 Grad zum Ankerplatz zu segeln.

Um 14h10 Ortszeit ist das letzte Manoever, Ankern vor Saint Anne, abgeschlossen.

Bild 23 und 24

Bilanz der Ueberfahrt: Log Fahrt durch das Wasser: 2089 Seemeilen

                                        Log GPS: 2112 Seemeilen

                                        Gesamtfahrzeit: 361 Stunden ( 15 Tage und Naechte plus 1 Stunde )

                                        Schnitt: 5,85

                                        Motorstunden gesamt beide Maschinen: 5,9 Stunden

Zusammenfassung

Die Überfahrt von Afrika zu den Kleinen Antillen war ein Erlebnis und auch Abenteuer, weil es dabei das große Fragezeichen gab, was einem dabei erwartete. Die Überfahrt vom 26. März bis 9. April 2013 kam den Idealvorstellungen sehr nahe: ausreichend Wind, keine Flaute, Möglichkeit zu Fahrten mit dem Spi, keine Unwetter oder heftigen Squalls.

Zwischenfälle wurden bewältigt! Das gerissene Fall des Spi brachte nicht nur einen erfolgreichen Arbeitseinsatz in der finsteren Nacht, sondern gleich am Morgen die Reparatur durch Franz, bei gehörigem Wellengang mitten im Atlantik einen „Ausflug“ auf den Mast. Fast jeder andere Bootseigner hätte wohl diese Arbeiten auf einen ruhigen Ankerplatz nach der Überfahrt verschoben.

Bei diesen Idealbedingungen wurde eine „gute Zeit“ für die mehr als 2.000 Seemeilen geschafft und ein noch besseres Ergebnis wäre ohne großartige Anstrengung möglich gewesen, doch in den ruhigen Windphasen des letzten Viertels der Überfahrt wurde auf so manchen allerletzten Windimpuls verzichtet, weil wir drei schon erkannten, dass wir gut unterwegs waren und uns das bei einem sehr harmonischen Zusammenleben an Bord (bei ausgezeichneter Küche) genügte. - DANKE