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2018-12-12 00:13

Fußball WM und Saisonende

Nur noch vier Wochen bis zum Heimflug. Und gerade die letzte Zeit vergeht besonders schnell. Noch ein paar mal schwimmen im klarem Wasser von Carriacou, eine Wanderung durch den herbstlichen Juni Wald und die Ruhe auf dieser stressfeien Insel genießen.

Mein Kärntner Nachbar Dietmar, ein echter Fußballfan überredet mich ein Match von der gerade laufenden Fußballweltmeisterschaft in Brasilien anzusehen. Hier sind aber die TV Geräte nicht so stark vertreten wie wir es eigentlich schon als selbstverständlich finden. In Mayreau gibt es einen Fernseher, ein altes Röhrengerät, hängt im Restaurant an der Wand gleich neben dem Bild von Haile Selassie. Seine Sendezeiten dürften allerdings schon länger abgelaufen sein.

Nächste Gelegenheit, nächstes Match auf Union Island. Es ist Hurrican Saison, keine Touristen mehr, die meisten Lokale sind geschlossen. Beim spazieren gehen treffen wir zufällig wieder den Einheimischen der uns eine Stunde zuvor Waxäpfel verkauft hat. Er hat ein kleines Lebensmittelgeschäft mit integrierter Bar und einen funktionierenden Fernseher. Stolz präsentiert er uns alle Sender ein paar Mal durch, aber leider wird die Weltmeisterschaft hier nicht übertragen.

In Carriacou ist es endlich so weit, es spielt Deutschland gegen Algerien und es gibt eine Pizzeria mit Flat TV. Von der weißen Besitzerin erfahren wir dann dass es den ganzen Tag keinen Strom auf diesen Teil der Insel gibt. Kein Strom, keine Pizza, kein Fernsehen.

In Grenada ist dann alles anders, hier ankern viele Segler um die Hurrican Saison vorbeiziehen zu lassen. Im Süden der Insel sind die Buchten um diese Zeit voll, den Crews aus allen Teilen der Welt wird hier einiges geboten. Einige Supermärkte, sehr gut sortiert, entsprechen selbst den Wünschen Europäischer Segler. Gleich zwei große Marine Ausrüster, Budet und Islandwaterworld geben den Seglern reichlich Gelegenheit ihre Geldbörsen zu erleichtern. Ich bestelle drei neue Segel zum wie ich meine günstigen Preis von 20.000 EC das sind in etwa 6.5oo Euro. In Martinique hatte ich einen Kostenvoranschlag mit 10.000 Euro. Nun ist auch noch die Anschaffung eines neuen Rockna Ankers mit 33 Kg möglich. Meine Freude mit dem neuen Anker trübt sich allerdings etwas als er mir beim raufheben aus dem Beiboot auf das Achterdeck abrutscht und mit seiner Spitze im Luftschlauch meines Dinghys steckt. Die Folge ist ein etwa 20 cm großes Loch in das nun Wasser hineinläuft und die Stabilität des Bootes zum Wanken bringt. Nun etwas Klüger ziehe ich den Anker mit Hilfe einer Talje an Board. Leider noch nicht Klug genug versuche ich nun mein Dinghy wie gewohnt nur mit den Händen an Board zu ziehen. Ich unterschätze das zusätzliche Gewicht des nun mittlerweile im Boot befindlichen Wassers und muss zusehen wie nun das Heck des Bootes mit dem darauf befestigten Motor untergeht. Aus der Traum vom ruhigen Nachmittag mit schwimmen und lesen. Motor waschen, zerlegen, reinigen und schmieren, nach drei Stunden Arbeit läuft er wieder. Länger dauert dann die Reparatur des Dinghys. Mit Bauschaum gelingt es aber dann doch, allerdings erst nach einigen Tagen. Abwechselnd übernehmen meine Österreichischen Seglerkollegen von der Selivra, Tificat und Mauna Loa nun Taxifahrten um mich an Land zu bringen.

 1 Prickly Bay resize2 Dinghy reparatur resize

 

 

 

 

 

 

Zusätzlich zu den Einkaufmöglichkeiten gibt es auch noch ein gutes Unterhaltungsangebot hier in der Prickly Bay. Ab acht Uhr morgens erfährt man auf Kanal 68 wo und wann was los ist. Trommelkurse für Damen, Spielpartner für diverse Spiele werden gesucht. Ausflüge in kleinen Gruppen. Yoga Kurse sind stark vertreten, Einkaufsbuss wird organisiert. Einmal im Monat gibt es einen Seglerflohmarkt. Die Tage sind ausgefüllt und viele genießen die vermehrten Aktivitäten nach den einsamen Buchten der abgelaufenen Segelsaison.

3 Osterreichische Seglerkollegen resize4 Grenada Speisekarte resize 

 

 

 

 

 

 

Am Abend füllt sich das Marina Restaurant, von 17 bis 18h sind die Getränke billiger. Fast jeden Abend gibt es irgendeine Veranstaltung. Gute Live Musik und Pizza um den halben Preis lockt viele Segler herbei. Und dann gibt es noch etwas Besonderes hier, einen Fernsehrau. Hier hängen gleich drei Flat TV an den Wänden, eine kleine Bar, Essen und Trinken, und störungsfreie Übertragung aller WM Spiele. Ein bisschen Bedenken habe ich als wir zum Match Deutschland Brasilien gehen. Viele Brasilianer ankern hier und kommen dann auch in Landesfarben gekleidet mit furchterregenden Tröten in den Händen. Anfangs war es auch wirklich laut im Fernsehraum. Aber nach dem die Deutschen ein Tor nach dem anderen schießen wird es immer ruhiger. Wir haben Mitleid mit den Brasilianern und jubeln erst wirklich laut als die Südamerikaner ihr Debakel gegen die Deutschen auf 1 zu 7 abschwächen.  

Schade dass meine Zeit in der Prickly Bay so kurz ist. Ich würde gerne noch 1, 2, 3, 4, ………….Wochen hierbleiben. Habe nicht einmal noch alle Österreicher getroffen, hier in der Bucht sind es fünf Boote mit rot weiß roter Flagge, in der Nachbarbucht zwei und dann gibt es noch mehr als zehn Plätze wo Boote Langzeit ankern. Doch die Wettervorschau sagt nichts Gutes für meinen geplanten Abfahrtstermin nach Trinidad. 25 Knoten Wind und starke Gewitter dazu Wellenhöhe über drei Meter. Meist sind die angesagten Daten noch untertrieben. Also mehr als 30 Knoten Wind hohe Wellen und starker Regen, nein Danke, ich verlege die 74 Seemeilen lange Überfahrt um einen Tag nach vor. Da sind nur 15 – 20 Knoten Wind und 1 – 2 Meter Welle angesagt.

Der Tag beginnt mit Frühstück um 4h30 morgens. Es ist noch dunkle Nacht als ich um 5h das Großsegel setzte und etwas wehmütig die Bucht verlasse. Gleich nach der Bucht empfängt mich seitliche Welle mit zwei bis drei Meter höhe und 24 bis 27 Knoten Wind. Die Logge zeigt pro Stunde 8 gesegelte Seemeilen, und so bin ich um 12h Mittags 54,2 Seemeilen weiter Südlich auf höhe der ersten Ölplattformen. Hier begegne ich den ersten Schiffen, zwei Öltanker kreuzen meinen Weg und kurz danach noch zwei Fischerboote. Bis 16h30 geht es im acht Knoten Schnitt zügig dahin. Dann sehe ich sie, sie kommen, viele weiße Schaumkronen am Horizont. Gerade noch Zeit genug um beide Segel zu reffen, dann beschleunigen 32 – 36 Knoten Wind Bright Star auf 12 – 13 Knoten Speed. Eine unerwünschte Welle beschert mir ein Vollbad im Cockpit. 14 Tage vorher, auf dem Weg von Carricaou nach Grenada war ich genau so nass, allerdings vom starken Regen der bei 39,9 Knoten achterlichen Wind ins Cockpit kam. Ich bin dann wegen der schlechten Sicht mit 13,5 Knoten Speed gegen Westen abgelaufen.

5 Tagesanbruch resize6 Starkwind resize 

 

 

 

 

 

 

Um 17h45 liegt Bright Star in der Scotisch Bay vor Anker, hinter mir 94 Seemeilen Fahrt durch das Wasser. Teilweise war Gegenstrom mit bis zu drei Knoten. Eine ruhige Nacht steht mir bevor, kein Wind keine Welle hier in dieser sehr gut geschützten Bucht. Um drei Uhr morgens laute Geräusche, irgend etwas schlägt gegen das Boot. Erster Gedanke, der Anker hat nicht gehalten. Sofort aus der Koje raus, und was sehe ich, ein fast ein Meter langer Fisch ist auf mein Achterdeck gesprungen und kämpft hier um sein Leben. Nach kurzer Überlegung Essen oder nicht, schenke ich ihm sein Leben und hoffe für ihm das er derartige Ausflüge in Zukunft unterlässt. Beim ersten Tageslicht der nächste Wirbel, drei Vogelpaare versuchen auf Bright Star ihre Nester zu bauen. Baumaterial ziehrt den Geräteträger, ein Paar inspiziert den Hohlraum des Baumes und ein anderes hinterlässt ihre Speisekarte von der Saling aus beim Mast. Mein Australischer Nachbar hatte scheinbar das gleiche Problem. CD Scheiben hängen an den Schoten und schwarze Müllsäcke über alle Öffnungen zeugen davon.

7 Scotisch Bay resize8 Trinidad Scotisch Bay Ankerplatz resize 

 

 

 

 

 

 

Zwei Nächte verbringe ich in dieser Traumbucht bevor ich nach Chaguaramas zum Einklarieren fahre. Gleich danach wird Bright Star an Land gestellt, eine Woche habe ich dann noch zeit um diverse Arbeiten zu erledigen. Nach meiner Rückkehr aus dem Heimaturlaub möchte ich so bald als möglich wieder weitersegeln……………………