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2018-12-10 15:19

Kuba

Nach einem Kurzaufenthalt auf den zu den Bahamas gehörenden Inseln Little Inagua und Great Inagua folgt eine stürmische Überfahrt, Windstärken bis 35 Knoten. Mit dem letzten Tageslicht erreichen wir Kuba und wollen in der ersten halbwegs geschützten Bucht ankern. Wir werden sofort über Funk angesprochen, der Kubaner spricht sehr schnell es ist fast nichts zu verstehen. Es klingt aber nicht nach Willkommensgruß.

Vorbei die Aussicht nach einer halbwegs ruhigen Nacht, wir segeln weiter in die Nacht hinein, es sind noch 9o Seemeilen bis Santiago de Cuba um einzuklarieren. Auf der geschützten Südseite Kubas ist normalerweise nicht viel Wind, ich rechne damit Motoren zu müssen. Aber nicht diese Nacht, der Wind wird stärker und auf der Höhe von Guantanamo erreicht er wieder die ungeliebten mehr als 30 Knoten. Zwei große Wellen brechen direkt auf dem Achterdeck, die Befestigungsgurten des Beibootes Reißen ab, ich bin beschäftigt mit sichern und schöpfen.

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Mittags erreichen wir die Bucht von Santiago de Cuba, und werden sofort von der Marina Punta Gorda kontaktiert. Die von mir vorbereiteten Hilfen aus dem Spanisch Wörterbuch, Donde esta el……….Banderola Austriaco, Barco de Vela usw. kommen nicht zum Einsatz. Der Marinero spricht Englisch und weist uns einen Quarantäneplatz zu. In Sichtweite zur Marina müssen wir nun warten bis der Doktor an Board kommt. Eine Frau Dr. kommt und beginnt sofort mit den notwendigen Untersuchungen und füllt wichtige Papiere aus. Die Fragen sind nicht neu, Ebola, Chikungunya, Denque…., aber das Fiebermessen mit modernsten Gerät Made in Germany schon. Inzwischen ist der zuständige von der Immigration mit den Schiffspapieren zurück zur Marina gefahren und wir dürfen jetzt auch in die Marina.

Die Marina ist mit 8 Booten fast voll, wir ankern 50 Meter vor dem ersten Steg. Der Beamte von der Immigration bringt die Papiere und eine Aufenthaltsgenehmigung für 30 Tage. Kostet pro Person 25.- CUC und wird mit den Marinaspesen bei der Abreise verrechnet. In der Marina werden wir dann informiert dass der Aufenthalt pro Tag und Fuß 0,50 CUC am Steg, und 0,25 vor Anker kostet. Wir dürfen unser Dinghy nur für den Weg zur Marina benutzten und Customs mit Drogenhund kommt erst morgen.

Als wir die Marina das erste Mal verlassen werden wir sofort angesprochen. Rosa betreibt eine Laundry und bietet uns Wäsche waschen an. Außerdem kann uns ihr Sohn mit dem Auto nach Santiago bringen und uns die Stadt zeigen. Beim ersten Spaziergang werden wir von den Einheimischen die vor ihren Häusern sitzen freundlich gegrüßt, ein willkommensschluck natürlich Rum, darf auch nicht fehlen. Die Häuser sind ärmlich, fast kein Auto auf den Straßen, keine Geschäft weit und breit. Nur in der Marina gibt es einen Dollar Shop wo Ausländer Kleinigkeiten kaufen können. Für Einheimische nur schwer Leist bar, ein CUC entspricht ungefähr einem Euro. Für 1 CUC bekommt man mittlerweile auch offiziell bei den Banken 25 Peso. Bei einem durchschnittsverdient von 400 Peso Nationale hat ein Kubaner dann einen Gegenwert von 15 CUC im Monat zur Verfügung.

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Neugierig auf die Geschichtsträchtige Stadt Santiago de Cuba nehmen wir das Angebot von Rosas Sohn an und wollen mit ihm am nächsten Tag die Stadt besichtigen. Wir treffen uns in Rosas Haus und erfahren nun dass irgendetwas an seinem Auto gebrochen ist. Er hat aber schon Ersatz organisiert und so sitzen wir kurze Zeit später zu sechst in einem uralten Russischen Moskwitsch. Ein Passagier verabschiedet sich nach erreichen der Stadt, wir fahren weiter in eine Staatliche Gemüsehandlung. Hier sollte sich die Frau von Rosas Sohn eigentlich verabschieden, aber da ihr Vater hier der Boss ist muss sie scheinbar heute nicht Arbeiten. Erst später kapieren wir das alle hier gerne Bier trinken und auch Essen gehen wollen vor allem in CUC Restaurants. Mit ihrer Unterstützung kostet unser erster Tag in Kuba 70 CUC.

Am nächsten Tag lehnen wir alle Hilfsangebote unserer neuen einheimischen Freunde ab. Auch der Hinweis dass es gefährlich ist in Santiago, billiges Essen nur für Einheimische genießbar und außerdem ungesund ist führt nicht zum gewünschten Erfolg. Der neue Amigo bleibt stur bei seinem Entschluss mit dem völlig überfüllten und außerdem sehr unpünktlichen Bus die Umgebung zu Erkunden. Ca 15 Kilometer sind es von der Marina bis in das Centrum von Santiago de Cuba. Mit dem Taxi kostet eine Strecke 10.- CUC. Mangels Kenntnis des genauen Fahrpreises mit dem Bus halte ich dem Fahrer einen 20.- Peso Geldschein ( 0,80 Eurocent ) hin. Für zwei Personen wird es reichen denke ich, und außerdem kann mir der Fahrer Retourgeld geben. Der Fahrer nimmt den Geldschein und legt ihm neben die Kasse. Er deutet uns ins Businnere zu gehen, andere wollen auch noch einsteigen. So ein Bus der normalerweise bei uns 50 Personen befördert nimmt hier mehr als 100 Personen mit. Enger Kontakt entsteht hier zu den Einheimischen, ungewollte Gerüche nehmen zu, Luft zum Atmen und Bewegungsfreiheit sinkt auf ein Minimum.

Wechselgeld gibt es keines. Die Fahrt mit dem Bus kostet in Cuba 0,20 bis 0,40 Pesocent das sind  umgerechnet 0,008 Eurocent. Allerdings muss man die Münzen genau haben. Nach dem Motto, wer mehr bezahlen will darf auch mehr bezahlen. Die Kubaner folgen dem Motto besser schlecht Fahren als gut Laufen. Und so wird alles genutzt um mit wenig Anstrengung das Ziel zu erreichen. Meiner Schätzung nach gibt es viel mehr Pferdegespanne, von Ochsen gezogene Karren oder auch Reiter als Motorbetriebene Fahrzeuge. Die meisten Lastkraftwagen sind umgebaut für den Personentransport, beim ersten Anblick dachte ich es seien Viehtransporter. Die Autos sind so um die 60 Jahre Alt. Mit viel Improvisation werden sie am Leben erhalten. Viele Amerikanische Oldtimer haben schon längst einen alten Mitsubishi oder Mercedes Motor unter der Haube. Die meisten Fahrzeuge stammen von den ehemaligen Bruderstaaten Russland oder Polen. Alle Motorbetrieben Fahrzeuge haben eines gemeinsam, dichte schwarze Rauchwolken aus dem Auspuff.

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Santiago de Cuba ist die zweitgrößte Stadt Kubas. Mehr als 500000 Menschen leben hier auf geschichtsträchtigen Boden. 1515 gründeten die Spanier die Siedlung, und für einige Jahrzehnte war sie die Hauptstadt der Kolonie. Im Jahre 1898 besiegten Kubanische Freiheitskämpfer mit Unterstützung US amerikanischer Soldaten die spanischen Kolonialtruppen. 50 Jahre später stürzte Fidel Castro mit seinen Rebellen das Batista Regime.  

Im Centrum ist der Reichtum vergangener Zeiten unübersehbar. Zuckerrohr und Peitsche gaben den Wohlhabenden Gelegenheit prachtvolle Gebäude errichten zu lassen. Ein Beispiel dafür ist das Museo von  Emilio Barcadi. Nachdem 1959 Großgrundbesitzer enteignet und Banken und Firmen konfisziert und verstaatlicht werden verlassen die reichen Kubaner das Land. Geblieben sind schöne Fassaden, allerdings die meisten nicht renoviert und Baufällig.

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Im Casa de la Trova wird Buena Vista Social Club spürbar. Unübersehbar die Einheimischen lieben Musik und Tanz. Mittlerweile spielen die Musiker aber lieber für Touristen und kassieren CUC.

Wir erkunden die Stadt tagelang zu Fuß, Erholung gibt es im Hotel Melia bei der einzigen Möglichkeit Internet WIFI um 14 CUC pro Stunde zu benutzten. Die Verbindung ist sehr langsam, telefonieren über Skype nicht möglich. Unvergesslich bleiben die Besuche in den zwei Staatlichen Eissalons. 5 Kugeln Eis mit einem Tortenstück kosten 5 Peso. ( 0,20 Eurocent )

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11 Kuba Eiskarte resize12 Eis 5 Kugel 4,90 Peso umgerechnet 0,20 eurocent resize

 

 

 

 

 

 

Abends wenn wir von unseren Ausflügen zurückkommen wartet Rosa auf uns. Sie kocht jeden Tag für uns und wir erfahren viel über Kuba aus der Sicht von Einheimischen. Kuba libre gibt es nur als Getränk, die Leute hier haben Angst, sind eingeschüchtert von ihrer Revolutionsführung.

Hohe Arbeitslosigkeit und Essensbezugsmarken machen das Leben hier auch nicht leichter. Jeder versucht auf seine Art zu überleben. Piedro, der Mann von Rosa spricht alle Neuankömmlinge der Marina an und versucht den besten Rum Cubas und die einzig echten Cohibra Zigarren zu verkaufen. Abends befüllt er in unserem Beisein die Original Rumflaschen aus einem 10 Liter Plastikkanister. In Zeitungspapier gewickelte „ echte Cohibra Zigarren „ werden in fast perfekt nachgemachte Holzschachteln verpackt und versiegelt. Mindestens 20 mal versucht er mich zu überzeugen das er mir die hochwertigen Zigarren fast schenken würde, nur 35 CUC bei ihm, im Geschäft mindestens 350.

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Mit den Boardfahrrädern erkunden wir die Umgebung. Einige Straßenstücke sind so schlecht dass wir die Räder schieben müssen. Der Friedhof von Santiago de Cuba mit seinen prachtvollen Bauwerken wird im Reiseführer empfohlen. Etwas außerhalb der Stadt, zu Fuß zu weit, ideal mit den eigenen Rädern. Ein großer leerer Parkplatz lässt mich an der Empfehlung zweifeln. Mit einem Fahrradschloss werden die Räder an einem Baum gesichert. Ein freundlicher älterer Herr erklärt uns den Weg hinein in den Friedhof. Außerdem befestigt er einen Handgeschriebenen Zettel an jedem Fahrrad und drückt uns auch einen in die Hand. Der beschriebene Weg führt geradeaus zur Kassa. 3 CUC der Eintrittspreis für Touristen. Dafür geht man auf Wegen mit feinsten Mamor ausgelegt und darf das Marti Mausoleum besichtigen. Zurück bei den Rädern wartet der Stattliche Parkplatzwächter bereits und kassiert für den bewachten Parkplatz pro Rad je 2 CUC. Auf einem anderen Parkplatz sehe ich ein Preisschild für Parkgebühren. Einheimische bezahlen 0,20 Pesocent. Das Heißt Touristen bezahlen das 250 fache. Am nächsten Tag fahren wir zur Festung El Morro. Seit 1638 bewacht sie die Einfahrt der Bucht von Santiago de Cuba. Unsere Fahrräder werden vom Parkplatzwächter in ein Häuschen eingesperrt. Nach der Besichtigung der sehenswerten Anlage möchte der Parkplatzwächter 2 CUC für die Beaufsichtigung unserer Räder. Ich gebe ihm 2 Peso, er will sie nicht, zu wenig. Ich nehme ihm die zwei Peso aus der Hand und sage ihm er bekommt gar nichts. Jetzt nimmt er sie doch.

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17 Kuba Santiago de Cuba Friedhof resize18 Kuba El Morro resize

 

 

 

 

 

 

Bright Star hat nach zwei Wochen unzählige gelbe Flecken an Deck, ein Kalorisches Kraftwerk und die Zementfabrik verteilen ihren Dreck ungefiltert. Hier ist sicher die schlechterste Luft der Karibik. So sind wir froh als die Onotoa mit unseren Freunden Sylvia und Helmut einlaufen. Wir wollten unsere Boote hier liegenlassen, beschließen aber nun die 300 SM nach Trinidad weiter zu segeln.

Vorher noch mit einem Leihwagen nach Guantanamo und Baracoa. 70 CUC pro Tag kostet der billigste. Reservieren nicht notwendig so die Auskunft im Hotel Melia. Als wir das Auto abholen wollen ist dann keines verfügbar, aber ein netter auf Touristen spezialisierter Schlepper hilft uns für 5 CUC. Das Auto steht einmal um die Ecke, ein anderer Anbieter, obwohl es nur eine Staatliche Firma gibt……

Auf einer dreispurigen Autobahn fahren wir in den Osten Kubas. Die Autobahn ist für die Zukunft gebaut, gegenwärtig ist sie fast unbenutzt. Zumindest von Autos. Dafür gibt es Radfahrer und Pferdekutschen. Eine zusätzliche Spur ist neben den Meisten Straßen, sie wird von den Reitern und Ochsenkarren benutzt. Einige Straßen würden sich hervorragend als Teststrecke für Geländegängige Fahrzeuge eignen.

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1492 ankerte Christoph Columbus vor Baracoa. Die Stadt war lange Zeit nur vom Meer aus zu erreichen. Die Straße von Guantanamo kommend führt entlang der Küste und schlängelt sich dann durch Berge bewachsen mit Regenwald. Vorbei an Kakao und Kokosplatagen, kleinen Siedlungen mit freundlichen Menschen. Melitta meint sie fühle sich wie in einem alten Film. Erinnerungen an ihre Kindheit werden wach. Vor 50 Jahren besuchte sie mit ihren Eltern Verwandte in Rumänien und hier sieht sie alles genau so wie es damals war. Für mich ist es eine wahre Freude mit der Kamera einen Teil der vielen Fotomotive festzuhalten. Die einfachen Leute hier fragen uns nicht nach CUC, sie schenken uns Herzlichkeit und Köstlichkeiten frisch von ihren Bäumen. Abends besuchen wir einen Vergnügungspark der Erinnerungen an unsere Kindheit weckt.

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Drei Tage für den Osten Kubas ist viel zu kurz, wir rasen durch einen Teil der Vergangenheit, vorbei an einfachen mit Palmplättern gedeckten Häusern. Wobei rasen sich nicht auf die Fahrgeschwindigkeit bezieht. Mittlerweile gibt es auch schon eine zweite Straße die durch den Humbold National Park führt. Um Achsbruch oder Reifenschäden zu vermeiden ist es notwendig die Geschwindigkeit auf maximal 20 bis 30 kmph einzuschränken.

25 Ortschaft bei Baracoa resize26 Kuba Geschenk von Einheimischen resize

 

 

 

 

 

 

 

Für Touristen ein weiteres Problem ist man kann nicht ganz einfach irgendwo übernachten. In Cuba ist es nur in eigens für Touristen gekennzeichneten Quartieren möglich zu übernachten. 25 CUC plus 5 CUC für ein Frühstück. Zu finden nur in größeren Städten. Und die muss man erst finden. Straßenschilder sind selten in Kuba, ähnlich auch die Beleuchtung auf dem Land.

Wieder zurück in Santiago de Cuba denken wir beim Obst und Gemüseeinkauf mit Wehmut zurück an das Überangebot von frischen und günstigen Produkten aus der Umgebung Baracoas.

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Wir verabschieden uns von Rosa und ihrer Familie und segeln durch die Gärten der Königin in Richtung Trinidad. Bevor wir die Marina verlassen dürfen brauchen wir noch eine Fahrerlaubnis für Cubas Küste und es kommen 2 Herren an Board um zu kontrollieren ob wir nicht irgendetwas Verbotenes mitnehmen.

Fast eine Woche brauchen wir für die 300 Seemeilen, es ist besser nur Tagsüber zu segeln. In den Jardin de la Reina sind viele Untiefen und  erfordern erhöhte Aufmerksamkeit. Unzählige kleine Inseln laden zum Verbleib. Außer ein paar Fischern sehen wir kein anderes Boot hier.

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Die Anfahrt zur Marina in Trinidad ist das nächste spannende Erlebnis. Angeblich mindestens 1,40 Meter Wassertiefe. Bei mir zeigt der Tiefenmesser 1 Meter an.  Bright Star wirbelt Schlamm auf, leichte Grundberührung weil ich nicht genau in der schlecht gekennzeichneten Fahrrinne fahre. Das Marina Personal empfängt uns auch hier sehr freundlich und weist uns einen Platz am Steg zu. Mir ist der zu klein und außerdem will ich nur die Hälfte bezahlen, darum Ankere ich in der gut geschützten Lagune vor der Marina. Customs kommt an Board füllt wichtige Papiere aus und wir sind wieder Offiziell in Cuba obwohl wir es eigentlich gar nicht verlassen haben.

0,40 Pesocent kostet am nächsten Vormittag dann die Fahrt mit dem Bus in die 15 kilometer entfernte Stadt Trinidad. 1514 als dritte Kolonialsiedlung von der Spanischen Krone gegründet, von hier aus eroberte Hernan Cortez Mexiko. Ein Spaziergang durch 500 Jahre Geschichte, in der Altstadt scheint die Zeit stehengeblieben zu sein. Die Häuser sind dank UNESCO liebevoll renoviert, wenig Verkehr lässt einen unbekümmert die holprigen Straßen entlangschlendern. Neoklassizistische Paläste Kathedrale, bunte Fassaden, kunstvolle schmiedeeiserne Vergitterungen, ein Höhepunkt unserer Reise ist Plaza Major im Centrum Trinidads.

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Es gibt auch einen Eissalon in der Stadt, am ersten Tag unseres Aufenthaltes hier dürfen wir das ganze Sortiment genießen. Bei den Eissalons wird auf einer Tafel mit circa 20 Zeilen beim Eingang darauf hingewiesen welche Eissorten zur Verfügung stehen. Egal in welcher Stadt wir diese Angebotstafeln sehen es sind immer nur zwei Sorten verfügbar.

Am nächsten Tag wollen wir uns wieder mit Eis verwöhnen, dieses Mal gibt es gar keines. Zwei Straßen weiter hat ein CUC Eissalon geöffnet, hier sind viele verschiedene Eissorten pro Kugel 1 CUC erhältlich. Trinidad ist für mich die schönste Stadt Kubas, einziger Nachteil Tourismus der eine zwei Klassen Gesellschaft unter den Einheimischen entstehen lässt. Die einfachen meist sehr armen Leute leben von dem was auf ihren kargen Landstreifen wächst. Einfache Häuser am Rande der Stadt, ein Pferd macht sie mobil, bei den Männern sieht man kein Gramm überschüssiges Fett an ihren Körpern.

Die anderen sind leicht an ihrer überflüssigen Körperfülle erkennbar. Sie arbeiten in irgend einer Form mit Touristen. Im Hotel, als Reiseleiter Bus oder Taxifahrer. Im Hotel und Gastgewerbe wird Trinkgeld gegeben. Rechnung in CUC, Trinkgeld in CUC. So verdienen diese Leute oft an einen Tag mehr als ein normaler Kubaner in einem Monat.

Am zweiten Tag nimmt uns der Einheimischen Bus nicht mehr mit in die Stadt, die reichen Touristen sollen sich ein Taxi nehmen und dafür den 250 fachen Preis bezahlen. Wir nehmen den nächsten Fahrer mit einem nicht mehr ganz jungen Lada. 50 Meter nach der Marina ist eine kleine Schwelle, die den Auspuff unserer Limousine veranlasst das weite zu suchen. Kein Problem, der Fahrer lacht, kriecht unter das Fahrzeug und bindet den Auspuff mit einem Stück Draht wieder fest. Reparaturen sind im Fahrpreis inbegriffen. Unser erster Monat in Cuba ist vorbei, wir müssen eine neue Aufenthaltsgenehmigung beantragen. Zuerst 25 CUC auf einer Bank einzahlen, dafür bekommen wir Wertmarken, mit denen wir dann zur Immigration gehen. Formulare werden ausgefüllt und die für Kuba notwendige Zusatzversicherung wird erstmals kontrolliert. Als Nachweis meiner  Reiseversicherung lege ich meine E-Card vor, natürlich gültig für zwei Personen,  wir dürfen die nächsten 30 Tage in Kuba bleiben.

Wir sehen eine echte Kubanische Eisenbahn, Helmut deutet dem Zugführer er soll langsam an uns vorbeifahren damit wir diese Rarität besser fotografieren können. Der Zugführer hält den Zug an und gibt uns zu verstehen dass wir einsteigen sollen. Wir dürfen im Führerstand mitfahren und der Zugführer erklärt uns die etwas veraltete Technik. Der Zug ist ein Schienengerecht umgebauter Autobus, angetrieben von einem 60 Jahre alten Mercedes Motor. Fahrpreis für die Eisenbahnfahrt unbekannt, wir mussten nichts bezahlen.

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Im Hotel neben der Marina mieten wir uns einen Leihwagen und erkunden die nächsten drei Tage die Umgebung Trinidads. Zuerst fahren wir nach Cienfuegos. Auch hier ist das Centrum geprägt vom Reichtum vergangener Zeiten. Wie auch an unzähligen anderen Orten gibt es einen großen Park der dem Kubanischen Dichter Jose Marti gewidmet ist. Kathedrale, Paläste, Theater und eine Fußgänger Zone mit CUC Läden. Schöne Fassaden der früher hier ansässigen reichen Firmen und Banken. Im Eissalon der von 9 Uhr bis 21 Uhr durchgehend geöffnet ist erklärt man uns es sei jetzt Mittagspause und deshalb bekommen wir kein Eis.

Es wird immer schwieriger mit Peso Nationale zu bezahlen. Je näher in Richtung Havanna desto mehr Touristen und denen wird vom Reiseleiter erzählt es wäre nicht möglich als Ausländer mit der Einheimischen Währung zu bezahlen. Außerdem bekommt man nur für CUC wirklich alles.

Zuckerrohrfelder und Kilometerlange Plantagen mit großen Mangos begleiten uns entlang der Strecke nach Santa Clara dem Pilgerziel für Che Guevara Fans. Das jugendliche Antlitz eines Toten Helden altert nicht. Die letzte Bastion des Tyrannen Batistas ist hier gefallen als Che mit 300 Guerillos die Stadt erstürmte und den gepanzerten Zug mit 22 Wagons voller Waffen für die Regierungssoldaten eroberte. Das Memorial de Ernesto Che Guevara ist ein riesengroßer  zubetonierter Platz wo der berühmte Guerillero als 6 Meter hohe Bronzestatue auf die Stadt hinabschaut. Szenen aus seinem Leben werden auf einer langen Mauer dargestellt. Bilder im Zusammenhang mit der Revolution in Kuba zu finden ist nicht schwer.

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Im Centrum ist der wichtigste Platz der Parque Vidal mit schönen kolonialen Bauwerken unter anderen auch dem Teatro Caridad aus dem Jahr 1885 wo auch Enrico Caruso auftrat. Eine Besonderheit hier ist das Ziegentaxi. Wir fanden aber auch den Staatlichen Eissalon sehr nett, endlich wieder Eis um Peso Nationale so viel wie wir wollen.

Als wir am nächsten Morgen zu unseren Leihwagen gehen werden wir von einem alten Mann mit einem Putztuch in der Hand begrüßt. Schnell wischt er uns alle Scheiben ab um dann auch gleich die Hand aufzuhalten um einen CUC zu erhalten. Wir einigen uns auf ein paar Pesocent steigen in das Auto und müssen feststellen das uns der Alte die Sicht gestohlen hat. Mit seinem schmutzigen Fetzten hat er die Scheiben so verschmiert das man nicht mehr durchsieht.

Weiter geht es nach Sancti Spiritus, und auch hier wieder viele schöne Gebäude aus der Kolonialzeit. Eine Fußgänger Zone mit Geschäften in denen man nicht wirklich viele Angebote findet. Angenehm überraschte uns der Tropicanes Getränkeladen wo wir uns mit sehr guten Mojito um 10 Peso umgerechnet 0,40 Eurocent erfrischten.

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In einem kleinen Ort sehen wir Männer mit einer großen Torte auf den Schultern. Wir folgen ihnen um sie zu Fotografieren. Es folgt eine Einladung zur Geburtstagsfeier der 15 jährigen Tochter. Dieser Tag ist bei allen Kubanern ein Grund  für eine große Feier. Wie Familienmitglieder dürfen wir mit ihnen Feiern, Essen Trinken und Tanzen inklusive.

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Auf der Rückfahrt noch ein Geplanter letzter Halt in Valle de los Ingenios. Hier steht der Torre Iznaga, im 19 Jahrhundert war es das höchste Bauwerk in Kuba. Aus 44 Metern Höhe wurden die Sklaven überwacht, die Glocke des Turms läutete Beginn und Ende der alltäglichen Plagerei ein. Ungeplant war dann der Halt unseres Leihwagens, der Grund ein leerer Benzintank. In Kuba bekommt man den Leihwagen vollgetankt, man muss die Tankfüllung im vorhinein extra bezahlen. Ein kleiner Nebenverdienst für die Autovermieter, jeder Mieter bezahlt 45 CUC für den angeblich vollen Tank und kann dann das Fahrzeug zurückgeben egal mit wie vielen Liter im Tank. Aber nicht mit uns, den letzten Kilometer haben wir das Auto mit leeren Tank zurückgeschoben………………….

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Unser nächstes und letztes Ziel in Kuba ist Havanna. Im Hotel neben der Marina buchen wir einen Touristenbus für 25 CUC pro Person. 8 Uhr abfahrt, es wird 9 Uhr, wir fragen, Antwort  kommt schon. Um 10 Uhr erfahren wir dann der Bus war bei einem anderen Hotel und ist schon auf dem Weg nach Havanna. Kurz vor 11 Uhr ist er wieder zurück und holt uns ab. In den kleinen komfortablen Touristenbus fahren wir circa 7 Stunden inklusive einer Essenspause nach Havanna. Gleich nach der Ankunft suchen wir uns eine Unterkunft. In den kleineren Städten war das einfacher. Die  Zimmer waren in Ordnung. Aber hier in der großen Stadt ist alles anders. Viel Schmutz auf der Straße und auch die ersten Zimmer die wir uns ansehen sind nicht gerade schön. Mangels Zeit entscheiden wir uns für eine Mittelprächtige Unterkunft. Noch wissen wir nichts von dem Wassermangel in der Gegend. Abends gehen wir in die nur eine Gasse entfernte Calle Obispo, mit ihren Buchläden und Boutiquen bei den Einheimischen beliebt. Das Angebot hier wie überall in Kuba, in den CUC Läden etwas und in den Peso Läden fast nichts und das gegen Bezugsscheine. Auf der Straße treffen wir die Österreichische Crew der Esperanza. Martina und Florian Ceh haben ihr Boot in Santiago de Cuba in der Marina und sind mit dem Flugzeug hier her geflogen. Sie wollen sich am nächsten Tag eine Ballettaufführung ansehen, unsere Damen freuen sich mitgehen zu dürfen. Mit ihren Männern die angeblich Kultur Banausen sind wäre das nicht möglich.

  Der erste Besichtigungstag bestätigt das Havanna einst eine ganz besondere Stadt war. Viele den einstigen Reichtum spiegelnde Gebäude wie das Capitolio de la Havanna und das danebenliegende Gran Teatro Garcia Loorca sind Baustellen. Aber auch eingerüstet erwecken sie Bewunderung. Einige Gebäude im Centrum sind bereits renoviert und so erlebt man auch etwas von der früheren Blüte Havannas. Ernest Hemingway hat sich hier wohlgefühlt, aber das war vor der CUC Zeit.

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Früher waren auch noch alle Balkone an ihren angestammten Plätzen. Es bröckeln nicht nur die Fassaden ab, ganze Balkone brechen ab und stürzen auf den Gehsteig oder auch auf parkende Autos. Bei uns sagt man, wenn man das Gefühl hat die Decke fällt einem auf den Kopf, dann braucht man Veränderung. In Havanna ist das anders, wenn der Kubaner das Gefühl hat das ihm die Decke auf den Kopf fällt, dann sucht er um Unterstützung an. In Form von Kunstvollen Holzgerüsten wird dann unterstützt.

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 Vier Tage Havanna sind genug. Wir buchen einen Hotelbus zurück nach Trinidad. Ähnlich wie bei der Anreise vergisst uns auch dieser. Er kehrt aber nichtmehr um, wir werden umgebucht auf den Staatlichen Viazul. Mit sechs stunden Verspätung treffen wir in Trinidad ein. Am nächsten Tag treffen wir wieder Martina und Florian die mittlerweile auch in Trinidad sind. Schnelles Internet im Hotel, hier die Stunde um nur 4 CUC plus ein Pflichtgetränk, wird noch einmal genutzt.

Ausgestattet mit aktueller Wettervorschau frischem Gemüse und Obst verabschieden wir uns von Kuba. Letzter Tag 8 Uhr morgens, ausklarieren. Der Beamte bemüht sich sichtlich unsere Papiere auf dem überfüllten Schreibtisch zu finden. Pro Woche kommen ungefähr 2 – 3 Boote in die Marina. Er wird schon etwas Nervös findet sie aber dann doch in einer Lade. Nächstes Ziel seine Frage, Panama unsere Antwort. Das sei nicht möglich, seine Antwort. Trinidad ist ein Nationaler Hafen, ausklarieren ist nur in einem Internationalen Hafen möglich. Wir können wählen, weiter nach Sienfuego oder die 300 SM zurück nach Santiago de Cuba. Der Beamte macht Helmut darauf aufmerksam das seine Aufenthaltsgenehmigung morgen Abläuft und er in Sienfuego eine Neue kaufen muss. Wir bestehen darauf nach Santiago zurück fahren zu wollen, wenn es sein muss in einem Tag.

Fünf Meilen nach Kubas Küste beginnt Internationales Gewässer, und wir haben nicht vor in der Nächsten Zeit wieder Einzureisen. Angenehmer Wind treibt uns in Richtung Cayman Islands.