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2018-12-10 14:51

2000 Meilen gegen den Passatwind Wellen und Strömungen.

Nachdem mein Jahresvisum für Panama am 15. Mai. 2016 abläuft muss ich mir etwas überlegen. Mit Bestechungsgeld ein neues auch ohne Ausreise zu bekommen wäre eine Möglichkeit, gefällt mir aber nicht. Es ist die Art ihrer Überlegenheit die die meist schwarzen Beamten in ihren Uniformen uns Seglern spüren lasen. Aki, ein lieber Seglerkollege aus Persien, hat 10 Tage lang versucht eine Verlängerung zu bekommen. Am letzten Tag seiner Visumgültigkeit stellte der Beamte dann fest es sei zu spät für eine Verlängerung. Sein guter Wille aber hat dann wegen der Übergabe von 300 USD doch noch eine Straffreie Möglichkeit gefunden. Als er dann seinen Reisepass Kontrollierte hatte er einen Ausreisestempel aus Panama, einen Ein und Ausreisestempel aus Aruba und einen neuen Einreisestempel für die nächsten drei Monate in Panama.

Ich habe beschlossen weiter zu Segeln, in ein anderes Land, aber wohin wusste ich noch nicht als ich Ausklarierte. Zwei mal musste ich das Büro des Hafenkapitäns in Porto Belo aufsuchen. Die nette Beamtin in ihrer Maßgeschneiderten Uniform, kann auch sein das reichliche Kost wie viele schwarze Damen sie täglich in sich hineinstopfen sie Millimeter genau füllte, war gut aufgelegt. Singend bewegte sie sich mit lässigen Tanzbewegungen durch das Büro und beachtete mich eine halbe Stunde lang überhaupt nicht. Dann nahm sie sich meiner Gnädig an, erklärte mir der Hafenkapitän sei heute nicht anwesend und bestellte mich für Morgen wieder in ihr Büro.

Am nächsten Morgen war die Beamtin sichtlich genervt, es waren schon 12 Segler hier die alle ein oder ausreisen wollten. Strategisch bemüht begann nun eine gut durchdachte Umverteilung. Segler ohne Zarpe, Fahrerlaubnis für die Gewässer Panamas wurden nun nach Colon zum Hafenkapitän geschickt um sich diese zu besorgen. Ein zusätzlicher Zeitaufwand von mindestens einem Tag.

Ich hatte etwas mehr Glück, mein lieber Freund Fitz erschien zur rechten Zeit. Er wollte seinen Katamaran mit 14 Rucksacktouristen für Kolumbien ausklarieren. Auch er wurde kurzer Hand abgewiesen, weil ohne Zarpe keine Fahrerlaubnis. Bis vor kurzem gab es dieses Problem hier nicht, die meisten Segler erledigten ihre Ein und Ausreiseformalitäten in Porvenier bei den Kunas. Dort ging alles schnell und Problemlos. Leider gibt es zur Zeit Streit zwischen den Kunas und der Regierung Panamas und das Büro bei den Kunas musste schließen. Fritz lehnt das Angebot sich das Zarpe in Colon beim Korrupten Kollegen der Beamtin zu besorgen ab und fährt mit mir nach Puerto Linton. Hier wurde ein paar Tage zuvor ein neues Büro eröffnet, das weiß auch die freundliche Dame, sie ist aber gegen eine Zusammenarbeit ohne Schmiergeldteilung. Nach Colon sind es ungefähr 100 Kilometer, nach Linton 25. Drei Stunden später mit den richtigen Papieren in der Hand versucht mich die nette Dame wieder loszuwerden, ihre Erklärung jetzt, mein letzter Einreisestempel stamme von der Grenze Coste Ricas und mache alle anderen zuvor ausgestellten ungültig. Nun droht sie mit Gefängnis, ich sage ihr ich verstehe kein Spanisch, jetzt nimmt sie kleine Zettel, schreibt das von ihr gesprochene auf Spanisch, und will das ich es Lese um zu verstehen was sie meint. Ein mittlerweile anderer eingetroffener Segler übernimmt nun die Übersetzung von Amtsspanisch in Englisch und ich bekomme ohne Aufpreis meinen Ausreisestempel in den Reisepass.

Mir reicht es jetzt endgültig, kurze Verabschiedung von meinen Freunden in Porto Belo, und ich fahre noch an späten Nachmittag in Richtung Puerto Linton. Beim Auslaufen beginnt mein Steuerboard Motor schwarz zu Rauchen. Ob ich nicht schon genug schlechte Erinnerung an Schwarz hätte. Eigentlich wollte ich direkt zu den San Blas Inseln, noch ein paar Tage schwimmen, und auch dort mich von lieb gewonnenen Freunden verabschieden. Aber der Motor verliert immer mehr Leistung bis er dann kurz vor Linton komplett ausfällt. Planänderung, ich muss einen Mechaniker für meinen Motor auftreiben. Guido, ein Deutscher der vor längerer Zeit hier hängengeblieben ist hat einen guten Ruf und eine Werkstatt.

Er verspricht mir auch einen Mechaniker am gleichen Tag zu schicken der die Einspritzdüsen ausbauen und zur Überprüfung nach Sabanitas bringen soll. Freitag Nachmittag ging sich dann leider nicht mehr aus, Samstag konnte er mich Telefonisch nicht erreichen und auch kein Dinghy um mich aufzusuchen auftreiben. Sonntag wird nicht gearbeitet, aber dann am Montag war es soweit, ich holte den Mechaniker selbst ab. Nach einer Stunde waren die Düsen ausgebaut, und als Verursacher ihrer Verrußung auch noch das Auspuffknie. Das Knie wo die Abgase und das Kühlwasser zusammengeführt werden war komplett verstopft. Am nächsten Tag in der Werkstatt lagen denn die Einspritzdüsen unangetastet und mein Auspuffknie wurde mittels Hammer für endgültig Tot erklärt. Ein neues Knie in Panama bestellen, das kann Wochen dauern. Ich habe schon ausklariert, ein ungünstiger Zeitpunkt. Für Guido ist das alles kein Problem, er fertigt ein neues Knie aus Inox an. Nach einer Woche läuft der Motor wieder wie neu, Filter, Öl, Kühlwasser gewechselt, Ventile eingestellt und keine Rauchzeichen mehr.

1 Neues Knie Motor resize2 Ankerplatz Linton Panama resize

Zeitig am nächsten Morgen starte ich mein letzte Fahrt zu den San Blas Inseln. Zum Abschied auch noch wenig Wind und so habe ich ausreichend Gelegenheit den frisch reparierten Motor zu testen. Ich schaffe es nicht mehr noch am gleichen Tag meine Kärtner Bekannten von der SY Telefine zu erreichen und Ankere vor der  Insel Nalunega. Am nächsten Morgen fahre ich die restlichen 7 Seemeilen bis auf Sichtweite zur Telefine. Sie Ankern bei den Islas Robeson und von der Seite wo ich mich der Inselgruppe nähere sind viele Riffe. An der ungünstigsten Stelle zwischen den Riffen kommt plötzlich starker Wind auf. Ein Gewitter entlädt sich, der Windalarm den ich auf 32 Knoten eingestellt habe schlägt an und hört nicht mehr auf. Die Anzeige des Windmessers scheint bei 44 Knoten hängengeblieben zu sein. Das Meer schäumt, schnell baut sich eine 2 Meter hohe kurze Welle auf. Hinter mir ein Riff, links und rechts ebenso. Ich muss versuchen nach dem Track den ich hineingefahren bin wieder hinauszufinden. Mit beiden Motoren erreiche ich gerade noch eine Geschwindigkeit von 1,5 Knoten. Wind und Welle versuchen das Boot umzudrehen, dann gebe es keinen Ausweg mehr. Jetzt wäre es schön weit draußen auf dem Meer zu sein und mit kleiner Segelfläche vor dem Wind abzulaufen. Als letzte Möglichkeit diese Situation schadlos zu überstehen verlasse ich mich auf meinen Anker und 80 Meter Kette. Nach einer Stunde ist der Kampf gegen das Wetter vorbei und ich mache einen Umweg von 7 Seemeilen um die Crew von der sicheren Seite mit weniger Riffen zu erreichen. Kurzes Treffen mit den Kärtnern die ihr Boot hier für zwei Monate vor Anker zurücklassen und zurück nach Österreich fliegen, Verabschiedung, und weiter geht es nach Nargana wo ich meine Schweizer Freunde von der SY Whisper treffe. Nach einer weiteren Woche San Blas setzte ich am 21.05.2016 Segel und verlasse von den Holandes aus die Gewässer Panamas.

3 Kuna Ulu resize4 Panama Kuna Yala Ankerplatz resize

Ich habe für die nächsten Wochen genug Vorräte an Board, alles ist verstaut und gesichert. Wetterdaten frisch aus dem Internet versprechen eine gemütliche Fahrt in Richtung Kolumbien. Beim vorbeifahren winken mir Kuna Indianer die in ihren Ulus fischend zwischen den Wellen schaukeln zu. Gewitterwolken schieben sich hinter mir gegen das Festland Panamas. Blitz und Donnergrollen, die Regenzeit hier wird mir nicht abgehen.

Kurs 100°, Wind 12 Knoten aus Nord, Speed 6 Knoten. Lange Welle mit einem Meter Höhe und vor mir ein neues Ziel. Beim Ausklarieren vor zwei Wochen habe ich Jamaika als nächstes Ziel angegeben, nun Segle ich in die entgegengesetzte Richtung. Ich habe in Gedanken auch mit Belize, Kuba und Florida mich beschäftigt, nun ist aber Wind aus Nord, also Südost Kurs für mich Richtig.

Mein Kartenplotter will bei meinen Spiel in welches Land Segle ich als nächstes, nicht mitmachen und streikt. Kein GPS Signal. Ich habe ein Reservegerät mit und tausche es gegen mein Altes. Leider auch kein Signal, die Geräte sind beide in Ordnung. Ausgefallen ist der GPS Empfänger und den habe ich nur einmal. Nachdem aber im Cockpit ständig ein Computer die Seekarten anzeigt ist das auch kein Problem.

Der erste Tag auf See vergeht mit geringen Kursänderungen bedingt durch drehenden Wind. Mit dem größer werdenden Abstand zum Festland wird das Wetter besser, es ist nur mehr teilweise Bewölkt und das freundliche Blau des Himmels überwiegt. Pünktlich zum Sonnenuntergang wie bestellt begleiten mich Delfine und erfreuen mich mit schönen Sprüngen aus dem Wasser. In der Nacht frischt der Wind auf 17 Knoten auf und zwingt mich auf durch eine weitere Drehung auf Kurs 44°. Es ist Vollmond und Bright Star schwimmt in seiner Lichtspur. Etmal der ersten 24 Stunden 122,1 Seemeilen.

Am Morgen des nächsten Tages sorgt Johann Straus für gute Stimmung an Board. Die Nachtfahrt hat keine Spuren von Müdigkeit hinterlassen. Ganz genau habe ich die länge der Regenerierungszeiten wohl auch nicht eingehalten. Normalerweise läutet der Wecker jede halbe Stunde die ganze Nacht lang. Bei wenig Wind und Welle, in einem nicht sehr verkehrsreichen Gebiet fühle ich mich aber auch so sicher. Frühstück, ein Liter Olivenblatttee, frisches Obst, Mango, Papaya, Ananas, Banane und Maracuja. Dazu noch verschiedene Beeren und frisch geraspeltes Kokos Mark. Im Berufsleben war oft zu wenig Zeit für ein gesundes Frühstück. Schnell beim Bäcker anhalten, ein paar Köstlichkeiten kaufen, und dann während der Fahrt hinunterschlingen.

Seit ich auf dem Boot lebe hat sich das grundlegend geändert. Ich benutze keine Uhr mehr, keine noch so wichtigen Termine. Die Zeit ist nicht Eingeschränkt und auch nicht Begrenzbar. Ausnahme sind die Nachtfahrten, aus Sicherheitsgründen benutze ich da einen Wecker oder auch die Eieruhr.

5 Selbstportrait resize6 Eieruhr resize

Nach einer Nachdenkphase, die ich liegend im Cockpit verbracht habe, beginne ich mit den Kochvorbereitungen für das Mittagessen. Zuerst wird eine Kokosnuss geknackt und der flüssige Inhalt getrunken. Mark davon verwende ich für den Reis. Hühnerkeulen würzen und anbraten, danach mit Karotten Zwiebel und Knoblauch in Weißwein schmoren. Das Ergebnis ist eine Gaumenfreude.

Bei Wind 10 -12 Knoten und wenig Welle am Nachmittag, gönne ich mir eine ausgiebige Dusche auf dem Achterdeck. Mit genügend Haarshampoo und Seife auf dem Körper muss ich dann den Unterschied zwischen der Kapazität meines Duschtanks und dem Erzeugungsvermögens meines Wassermachers feststellen. Der Tank ist leer, es muss ein Reservekanister her. Der Wassermacher läuft danach so lange bis der Tank übergeht.

Um 18h erster Schiffskontakt, ein Frachter 25 Seemeilen vor Cartagena. Der Wind hat wieder aufgefrischt, 18 – 22 Knoten, Bright Star läuft mit 8 Knoten Speed super dahin. Um 18h15 höre ich Rufe, ich war in der Küche beschäftigt, und als ich rausschaue fährt ein Boot der Kolumbien Armada neben mir. Die Herren vom Militär wollen an Board kommen um zu Kontrollieren. Nach dem Bergen der Genua kommen dann auch zwei Uniformierte an Board. Schmucke Uniformen und angsteinflößende Militärstiefel, sicherlich fürs Hochgebirge gemacht, mit denen sie auch auf meine Seidenteppiche keine Rücksicht nehmen. In Gedanken stelle ich mir vor wie man das mit Rücksicht auf Segler ändern könnte. Angepasst an die Farbe ihrer Füße, schwarze Badeschlapfen für die gewöhnlichen Soldaten. Je nach Rang dann in Farbe bis zum Kommandanten der sich mit einem leuchtenden Pink deutlich von den anderen unterscheidet. Sie werfen einen Blick in das Innere des Schiffes, öffnen Stauräume und sichten die Schiffspapiere. Nach der üblichen Befragung, woher, wohin, bla bla bla, verlassen sie wieder mein Schiff. Der jüngere der Beiden spring auf das Militärboot, der ältere verlang das es näher kommt. Das Boot stampft in den Wellen und das Militärboot schlägt gegen mein Heck. Jetzt geling es dem zweiten auch mein Boot zu verlassen und ich setzte wieder die Genua und segle weiter. Leider bemerke ich erst einen Tag später das ein Teil meiner Scheuerleiste fehlt und auch das Heck eine ordentliche Abschürfung abbekommen hat.

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Durch diese Verzögerung kann ich Cartagena nicht mehr bei Tageslicht erreichen und beschließe daher nach St Marta weiter zu segeln. Kaum ist Cartagena querab geht der Wind auf 8 – 10 Knoten zurück und dreht so dass ich von nun an aufkreuzen muss. Bis zum Cabo Augusta ist es ruhig, dann frischt der Wind wieder auf, 4 Frachter runden mit mir gleichzeitig das Cap. Ihr Ziel ist Barranquilla, Cartagena und Colon. Um 14h30 erreiche ich nach 356 Seemeilen die Marina St Marta wo ich die nächsten 3 Tage den Durchzug einer Wetterfront mit Wind über 30 Knoten abwarten will.

7 Kolumbien St Marta Marina resize8 Kolumbien Marina St Martha resize

Am Abend treffe ich die anderen Segler die hier in der Marina haltgemacht haben. Es sind vier Einhandsegler, einer aus Florida, einer aus Australien, ein Schotte und ich. Sonst sind hauptsächlich Einheimische Motorboote hier, mehr als die hälfte der Marina ist leer. Einen Tag erkunde ich St Marta, am nächsten Morgen nehme ich einen Bus nach Catagena. Beide Städte sind einen Besuch wert. Catagena ist ein bisschen Disneyland aber sehr sauber und hübsch anzusehen.

Für die 4 Stunden retourfahrt nach St Marta nehme ich den Nachtbus der um ca. Mitternacht das Ziel erreichen soll. Die Fahrt mit dem neuen, modernen Reisebus mit Liegesitzen und einem Unterhaltungsprogramm das von keiner Fluglinie erreicht wird, kostet 20.000 Peso umgerechnet ca. 6 USD. Einziger Nachteil ist die Klimaanlage, scheinbar hat die nur eine Einstellungsmöglichkeit, und die ist so Kalt wie nur möglich ohne Veränderung ob Tagsüber oder in der Nacht. Die erfahrenen Busfahrer erkennt man an den langen Hosen Pullovern und zusätzlichen Decken. Irgendwann bin ich trotz der Kälte dann doch eingeschlafen. Als ich wach wurde fuhr der Bus gerade in den Busterminal der allerdings anders aussah als bei der Abfahrt. Ein Taxifahrer fragte mich ob ich nach Maracaibo wolle. Jetzt dämmerte nicht nur das beginnende Tageslicht, ich habe das Aussteigen in St Marta verschlafen und bin nun an der Venezuelanischen Grenze. Der Bus retour nach St Marta geht in einer halben Stunde und kostet 20.000.- Pesos. Ich habe noch genau 10.000.- Peso einstecken und erkläre dem Fahrer mein Missgeschick. Der Lacht, greift in seine Hosentasche und drückt mir 10.000.- Peso in die Hand. Muchas Gracias Senor. USD in einem kleinen Ort zu wechseln ist schon schwierig genug, in der Nacht einfach unmöglich. So sehe ich nun auf der Rückfahrt auch noch den Teil des Landes der größten Teil von den Taironas Indianern besiedelt ist.

Zurück in der Marina besorge ich mir das Zarpe und den Ausreisestempel. Die Kosten für die Ein und Ausreise inkl. Zarpe sind 120.- USD. Für die vier Tage in der Marina muss ich 220.- USD bezahlen. Billiger ist Essen so wie es die Einheimischen gewöhnt sind, eine kleine Holzbude an der Straße, und als Sitzgelegenheit ein Plastiksessel ist dann noch eine schöne Erfahrung. Fisch mit Reis und Gemüse, eine große Portion und auch noch sehr Gut kostet 5.000.- Pesos, etwa 1,70 USD.  Danach besuche ich das Goldmuseum, hier gibt es viel Interessantes zu sehen, und das ohne Eintritt bezahlen zu müssen. Einkaufen für die weiterfahrt, und mit viel frischem Obst und Gemüse eingedeckt bin ich nun wieder bereit auszulaufen. Abends sind in der Marina noch alle Segler zu einem Grillfest eingeladen. Der Ami mag nicht, geht Essen in die Stadt, also sind wir zu dritt die das gratis Angebot gerne annehmen und mit dem Personal ich weiß nicht was, feiern.

Samstag 28. 05. 2016, nach nur vier Tagen Aufenthalt in Kolumbien löse ich die Festmacher und verlasse um 7h früh die Marina St Marta. Es wäre ein angenehmer Platz für einen längeren Aufenthalt, die Marina ist gut geschützt, sauber, und das Personal ist sehr freundlich und hilfsbereit. Nachteil ist eine Kohleverladestation ganz in der Nähe, das Schiff ist schnell schwarz vom Staub.

9 Kolumbien Kueste Berge 5000 m resize10 Kolumbien Ueberfahrt Schoenwetter resize

Blauer Himmel und Sonne sagen mir das ich hier nun richtig bin, Kurs 8° unter Großsegel und Genua fahre ich bei 10 – 15 Knoten Wind 5 – 6 Knoten Speed. Um 9 h frischt der Wind auf, 17 – 20 Knoten, Kurs 20° und Speed 7 – 8. Nach dem Cabo de la Aguia kreuzt der erste Frachter meine Kurslinie, bis mittags sind dann sechs im Umkreis zwischen 4 und 17 Seemeilen auf dem AIS sichtbar. Ihre Ziele sind Cartagena oder Balboa. Abends kreuzen die Frachter meinen Kurs 30 Seemeilen hinter mir und ich erwarte die nächsten drei Tage auf meinen Kurs auch keine mehr zu sehen. Meine Segel reffe ich vorsichtshalber für die Nacht und bleibe noch lange im Cockpit sitzen um die Sterne zu beobachten. Das Kreuz des Südens ist heute besonders deutlich zu sehen, der Mond ist im abnehmen und braucht etwas länger um meinen Weg zu beleuchten.

Tagesetmal ist 122 Seemeilen, Wind ist weniger als angesagt und auch die Richtung stimmt nicht ganz, dafür ist es aber eine gemütliche und nicht sehr aufregende Fahrt. Nach Aruba wären es jetzt etwas weniger als 200 Seemeilen. Um diese Jahreszeit lässt es der vorherrschende Wind auch zu die ABC Inseln vom Westen her zu erreichen. Mein Sohn Philipp kommt mich im August besuchen und bis dahin möchte ich noch einige Inseln besuchen. Also weiter Kurs Dom. Rep. Noch 260 Seemeilen.

Eine Notration, getrockneter Toast, für sogenannte Notfälle angelegt kommt mir heute gelegen. Ich habe Lust auf Wienerschnitzel und keine Brösel mehr zum Panieren. Der nächste Supermarkt ist weit weg, also nehme ich getrocknetes Toastbrot und reibe mir Brösel selbst. Die Schnitzel schmecken nach diesem Arbeitsaufwand noch besser. Den Nachmittag verbringe ich mit schreiben und Musikhorchen. Kurs unverändert 30 – 40 Grad, Sonne, und Wind 10 – 15 Knoten. Schöner Sonnenuntergang um 18h20. Lichtkünstler des Himmels färben die Wolkenfetzen in Pastellige Töne. Der Mond ist wie ein unwilliger Arbeiter und kommt jetzt jeden Tag ein bisschen später. Bis dahin rangen die Sterne um Platz 1  in Leuchtkraft. Für mich ist das Kreuz des Südens obwohl nicht sehr lange zu Sehen der Sieger. Ein schönes Gefühl in mir sag mir es ist wieder einmal Zeit Danke für die schöne Zeit hier auf dem Meer zu sagen. Zwei Schiffe auf dem AIS Bildschirm, ich bin nicht alleine hier draußen, einer geht 14 Seemeilen hinter mir durch, der andere ist 86 Seemeilen entfernt. Wind 10 -15 Knoten, Welle ca. 1 Meter, ich segle ohne refft in die Nacht hinein.

Kurz vor 5h Morgens werde ich durch ein unangenehmes Geräusch geweckt. Es Schrillt und Pfeift in den Wanten, das bedeutet nichts Gutes. An der Steuerboardseite ist eine große schwarze Wolkenwand, der Windmesser zeigt 28 Knoten in Böen 34 Knoten. Bright Star zischt mit 11,5 Knoten Speed durch die Wellen. Schnell in den Wind gedreht, Genua und Groß gerefft, aber die Geschwindigkeit ist mit 10 Knoten immer noch zu hoch für diese Wetterbedingungen. Jetzt gehe ich auf Kurs mit Wind Achteraus und die Geschwindigkeit sinkt auf 6 Knoten. Das nächste Land ist die Dom. Rep. 180 Seemeilen entfernt, also kommt es auf ein paar Meilen nicht an.

Nach einer halben Stunde ist der faule Zauber fast vorbei und ein Lichtstreifen am Horizont deutet auf ein baldiges Ende. Jetzt hat der Himmel seine Schleusen geöffnet und Bright Star verliert einiges vom angesammelten Kohlenstaub aus St. Marta. Die Wellen die in kürzester Zeit von einem Meter auf drei Meter angewachsen sind beruhigen sich nun auch wieder. Welche Kraft sich entwickelt wenn sich so eine Welle auf dem Boot bricht sehe ich nun bei meinen rechten Trampolin. Die Befestigungsleiste ist an drei Stellen gebrochen und das Netz schleift im Wasser.

So kann ich nicht weiterfahren, sonst geht noch mehr kaputt. Ich muss das Trampolin bergen, das heißt eine Leine die 8 Meter lang ist und alle 10 cm Befestigt, ausfädeln. Danach kann ich das Trampolin an Board ziehen. Der Wind ist zurückgegangen auf 24 Knoten, die Wellen sind auch nur mehr etwa 2 Meter. In der Ferne sehe ich den nächsten schwarzen Streifen, also los geht’s.

Schiff in den Wind, Genua Backgestellt und Steuerrad festgezurrt und schon liegt Bright Star fast ruhig im Wasser. Beim ausfädeln beobachte ich die weißen Kämme der Wellen, und bewundere das dunkle Blau des Ozeans unter mir. Gleichzeitig muss ich aber auch an die mehr als 4000 Meter Tiefe denken.

11 Segel Backstellung resize12 Trampolin resize

 

Tagesetmal der vergangenen 24 Stunden ist 133 Seemeilen. Ein Tanker kreuz meine Linie 11 Seemeilen hinter mir. Ich habe genug Hunger angesammelt für ein feines Frühstück. Danach wird ausgerefft und kurze Zeit später wieder gerefft. Der Wind ist heute Launisch, er hat aber auch etwas nach Südost gedreht was mir einen Kurs von 46 ° ermöglicht. Für heute habe ich das Gefühl genug Aufregendes Erlebt zu haben und wende mich nun den angenehmen Dingen so wie kochen zu. Heute gibt es Vegetarisches Mittagessen, Spaghetti mit Brokkoli Käsesauce. Beim Essen im Cockpit sehe ich einen Frachter der in 3 Seemeilen Entfernung meinen Weg kreuzt. Den Nachmittag verbringe ich mit mehreren Ruhezeiten, der Schlaf von heute Morgen fehlt mir.

Sechster Tag auf See seit Panama. Etmal der letzten 24 Stunden 131 Seemeilen. Noch genau 39 bis zum Cabo Beata in der Dominikanischen Republik. Gestern habe ich wieder einmal eine Planänderung meiner Route in Erwägung bezogen. Nach Haiti waren es zu diesem Zeitpunkt weniger als 100 Seemeilen. Hier könnte ich endlich mein zweites Dinghy herschenken und außerdem habe ich noch Spielsachen und jede Menge T Shirts an Board. Die zu den USA gehörende Insel Navassa wäre Touristisch sicher auch noch nicht überlaufen und direkt auf der Strecke nach Jamaika. Und was mir besonders gut gefallen würde, Wind von Achtern. Kein überkommendes Wasser mehr, das Schiff ruhig dahingleitend, eine Verlockung.

Aber in weniger als einem Monat beginnt die Zeit des bösen Geistes. In der Arawaksprache bedeutet böser Geist Hurrikan, und in der Hurricansaison darf ich laut meiner Versicherung nur in Trinidat auf den ABC Inseln, Rio Dulce, Kolumbien oder Panama sein. Sehnsucht nach richtigem Französischem Baguette, Camenbert und den vielen anderen Leckereien die es so in Martinique gibt habe ich auch. Mein Frau Melitta möchte im November wieder kommen aber nicht zu lange im Flugzeug sitzen müssen. Im Gegensatz zu Polynesien sind die Antillen Nachbar zu Europa und in ein paar Stunden erreichbar. Ich fahre weiter in Richtung Nordost, ich möchte die Karibische See von Panama bis zu den Antillen gegen Wind und Welle durchqueren. Dafür muss ich das überkommende Wasser in Kauf nehmen.

Das nahe Capo Beata beginnt sich bemerkbar zu machen. Der Wind wird wieder stärker und die Wellen finden nun immer öfter einen Weg über das Schiff. Eine davon veranlasst mich den Salon mit Süßwasser zu reinigen. Die oberste Luke war nur zwei Zentimeter offen eigentlich zwecks Frischluft, aber das ist dem Wasser egal es dringt auch ungebeten bei der kleinsten Öffnung ein.

8h, ich bin immer noch auf Kurs Haiti, mir fehlen 20 Seemeilen Ost um Cap Beata zu runden. Die folgende Wende nutze ich um noch mehr einzureffen, neuer Kurs für die nächsten Stunden 140°

Partyluft im Salon. Es riecht nach Wein. Es gab aber keine Feier in der letzten Zeit. Ich öffne meinen Weinkeller und schnell ist die Ursache gefunden. Ein Kalifornischer Riesling hat beschlossen sich selbst zu vernichten. Der Verschluss ist undicht. Anstatt in die Kehle fand er nun sein Ende in der Bilge. Schade, war einer meiner Lieblingsweine.

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Bis auf 2 Meilen segle ich zur Küste von der Dominikanischen Republik. Beim Cabo Falso überlege ich kurz ob ich ankern soll um wieder eine Nacht durchschlafen zu können. Die Küste ist Felsig und fällt steil ab. Nicht geeignet für einen erholsamen Schlaf. Nach der Wende retour aufs offene Meer entdecke ich einen auf der Seekarte eingezeichneten Ankerplatz. Auf 17°39.8473N und 071°40.0053W die Tiefe ist mit 449 Meter angegeben. Beim vorbeifahren sehe ich niemanden auf der Stelle ankern. Vielleicht ist er aber auch nur für U Boote gedacht. Neuer Kurs für die kommende Nacht ist 150°. Wind hat den ganzen Tag über mit 22 – 26 Knoten für guten Antrieb gesorgt. Jetzt ist er unter 20, aber die Reffs bleiben vorsichtshalber. 21h30, Frachter nach Cienfuegos in drei Meilen Entfernung.

7. Tag auf See. Tagesetmal der letzten 24 Stunden 138 Seemeilen. Genau 52 Meilen habe ich in Richtung Osten hinter mich gebracht. Der Rest ist beim Kreuzen auf der Strecke geblieben. Bis St.Martin sind es noch 480 Seemeilen. Wenn ich das jetzt umrechne, bei gleichbleibenden Wind, weiter aufkreuzen, das macht dann nur noch 9,2 Tage und circa 1240 Seemeilen. Nach dem Frühstück, Obst und 1 Liter Grüner Tee, wende ich Bright Star und fahre nun neuen Kurs 30° in Richtung der Hauptstadt Santo Domingo. 122 Seemeilen, wenn es der Wind zulässt. Wind zwischen 14 und 18 Knoten aus Ost, Wellen halbwegs angenehm, gestatten mir mein Arbeitsprogramm für Heute in Angriff zu nehmen. Mein Satelittentelefon verweigert wegen Korrodierter Kontakte die Aufladung. Das Problem lässt sich wegputzen und Kontaktspray soll nun eine Zeit lang schützen.  Als nächstes wird die Küche geputzt um gleich nach dem Kochen des Mittagsessen wieder so auszusehen wie vorher. Zwiebel, Knoblauch, Tomaten, Parika und Kartoffel ergeben zusammen mit Rindfleisch ein feines Gericht ergeben. Als Nachspeise gibt es dann noch Palatschinken.

Bright Star hat sich mit dem Karibischen Meer auf diesem Kurs arrangiert. Die beiden scheinen ausgemacht zu haben, du schmeißt mir keine Wasser auf das Deck und ich schneide dir keine Wellen mehr entzwei. Jetzt gleitet sie zwischen den  Wogen und ich kann in Ruhe schreiben. Allerdings ist das nur von kurzer Dauer, funktioniert nur bis 15 Knoten Wind. Zwischen 20 und 30 Knoten ist wieder Kriegszustand zwischen Meer und Schiff. Dann werden Schläge ausgeteilt zwischen den Beiden wovon auch ich einige abbekomme. Heute keine Sichtung, fast den ganzen Tag Bewölkt und sehr Angenehm, seit Panama nur ein mal Regen.

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2. 6. 2016 00h30, ein Frachter, zwei Frachter, drei Frachter klingt so ähnlich wie Schäfchen zählen. Nur hier soll ich nicht einschlafen. Ich segle in der Schiffsroute die um das Cabo Beata führt. Um 4h30 schieben sich Wolken über den Mond. Blitze über dem Festland, vorsichtshalber reffe ich noch einmal. Ab 5h kann sich der Wind nicht mehr entscheiden in welche Richtung er Blasen soll. Er versucht Bright Stars Musikalische Ader zu finden, will sie überreden sich im Kreis zu drehen, zu einem Tänzchen zu bewegen. Bright Star ist aber wirklich nicht geeignet für das Tanzparkett. Drei Runden spielt das Schiff mit, dann reicht es mir, ich steuere nun selbst. Habe Pech gehabt bei der Wacheinteilung. Um 6h endet meine vierte Nachtwache, ich wechsle mit mir selbst alle drei Stunden ab, dann bin ich als letzter Wachhabender auch gleich verpflichtet das Frühstück zu machen.

Tagesetmal 139 Seemeilen. Noch 44 bis Santo Domingo. In den letzten 48 Stunden bin ich 279 gesegelt, Weg nach Ost in Richtung Ziel habe ich in der Zeit 79,8 Seemeilen geschafft. Gestern habe ich es wohl verschrien mit der Feststellung nur ein Regentag seit Panama. Der Himmel ist Bewölkt rundherum kann man die undichten Wolken sehen. Aus den Lautsprechern der Musikanlage klingen die Weather Girls mit ihrem Song It’s Raining, gleich danach Rod Stewarts Sailing. Die Texte passen perfekt. Jetzt Blitzt und Donnert es rundherum. Vorsichtshalber ziehe ich alle Stromstecker heraus. Ich bin der einzige Blitzableiter weit und breit. Ein Vorteil des Gewitters, der Wind hat auf Nord gedreht und ich kann zumindest eine Zeit lang Kurs genau Ost segeln. 6 Stunden lang kommt eine Regenwand nach der anderen. Ich glaube der Wettergott ist sauer auf mich weil ich ihm gestern den sauren Wein geopfert habe. Einreffen, ausreffen, viele Windbedingte Wenden. Mein rechter Oberarm sendet das Signal jetzt ist aber genug mit der Kurbelei an den großen Winschen.  Der Wind ist gegen mein Vorhaben wieder an die Küste der Dom Rep zu fahren, auch Egal, segle ich eben in Richtung Süden.

3.6.2016, 2h20 Squalls in der Nacht, Durchzug einer Regenfront mit Böigem Wind, das liebe ich ganz besonders. Gemütlich im Salon liegend vor sich dahin dösend, höre ich wie sich die Geräusche rund ums Schiff verändern. Das Wasser an den Außenwänden des Schiffes verändert seine Klangfarbe von Gurgeln mit gelegentlichen Spritzern in Rauschen mit Gischt. Der Wind beginnt in den Wanten zu Pfeifen und spätestens jetzt weiß ich ob zu viel Segelfläche gesetzt habe. Ab jetzt stehe ich an Steuer um Notfalls sofort eingreifen zu können. Mein Piloti, so heißt meine automatische Selbststeuerung, hält seit mehr als 50.000 Seemeilen stets den richtigen Kurs. Nur die Geschwindigkeit kann er nicht regulieren, bei viel Wind wie in den Squalls steigt die schnell auf über 10 Knoten Speed und mit den ebenfalls schnell höher werdenden Wellen wird es dann gefährlich.

Nachtfahrten in einer Sternenklaren Nacht, Wind 10 – 15 Knoten, sind jedes Mal ein schönes Erlebnis. Segelnd unter dem Vollmond dahinzugleiten noch eine Steigerung. Aber so wie heute, nicht ein Lichtschimmer, Himmel und Wasser alles rundherum ist Stockdunkel. Ich steuere so hart wie nur möglich an den Wind um die Geschwindigkeit zu senken, dabei hilft mir meine Windrichtungsanzeige im Windmessgerät. Sonst sehe ich an meinen Segeln ob das Verhältnis Wind, Windrichtung, Segelfläche und Stellung richtig sind. Aber in einer dunklen Nacht so wie Heute ist die Sicht einfach Null. Als Liebhaber von Weinkellern fällt mir dazu folgender Vergleich ein. Tief unter der Erde in einem Weinkeller, es fällt das Licht aus und du beginnst zu laufen. Au weh, das geht sicher nicht gut aus, egal wie viel von dem edlen Tropfen der hier gelagert wird du auch vorher gekostet hast. Es wird nichts passieren wenn du dich hinsetzt, vielleicht noch mit einem Gläschen in der Hand, und wartest. Auf dem Boot ist es etwas anders, es beschleunigt, ändert die Richtung und kämpft mit Wellen. Es läuft auch bei Sicht null. Möglicherweise sind  Schiffe ohne AIS in der Nähe, es gibt auch noch viele andere Dinge die als Hindernis auf dem Wasser treiben können. Die Augen sind weit offen und du  siehst nur Schwarz als wären sie fest geschlossen. Die Konzentration verlagert sich auf die Ohren was aber bei den lauten Windgeräuschen auch nicht sehr hilfreich ist. Eine Möglichkeit das Laufen so wie im dunklen Keller zu verhindern, ist die Segel Back zu stellen und abwarten. Die Ruhe die dann beim treiben des Schiffes entsteht hilft zumindest bei der Orientierung der Gedanken.

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10. Tag, heute ist der 3. Juni 2016. Noch etwas geschlaucht von der Turbulenten Nacht lese ich mein Tagesetmal der vergangenen 24 Stunden ab. 128 Seemeilen Kreuzfahrt durchs Wasser, gutgemachte Strecke gegen den Passat 65 Seemeilen. Es gibt unterschiedliche Strömungen in diesem Teil des Karibischen Meeres aber eines haben sie alle gemeinsam, das Wasser fliest von Ost nach West und dreht dann Nordwärts um sich zwischen Kuba und Florida mit bis zu 4 Knoten Strömung durchzudrängen um  den Kreislauf nach Europa durchzuführen. Hier sind es Tag und Nacht ca. 1 Knoten Gegenstrom also so etwa 24 Seemeilen die man sich täglich zurückbewegt. Bei der Strecke von weit mehr als 1000 Seemeilen macht das dann ganz schön viel aus. Die Bestätigung zeigt mir der Unterschied zwischen dem GPS Log jetzt 4,5 Knoten und dem Log das die Fahrt durch das Wasser misst mit 6 Knoten.

Bei meiner heutigen Kontrolle rund um das Schiff habe ich drei Fliegende Fische an Board gefunden. Die wollten sich vor dem gestrigen Unwetter in Sicherheit bringen aber das Deck von Bright Star ist nicht dazu geeignet Fischen einen sicheren Unterschlupf zu bieten. Meine Arbeit für heute ist das abfüllen  von Trinkwasser, Gymnastik, Kochen, Lesen. Zum dritten Mal schon Frei wie der Wind von den Seenomaden, ein Buch das meine Seele berührt und wunderschöne Fotos die meiner Sehnsucht nach der Ferne noch ein Krönchen aufsetzt. Danach noch ein bisschen Schreiben und Sinnieren. Natürlich auch die ganzen anderen Pflichten die ein Schiffsführer so hat. Navigieren, Segelstellung korrigieren und auf den Schiffsverkehr achten. Sichtung gestern kein einziges Schiff. Sichtung Segler seit Panama auf See null. Wer die Einsamkeit liebt den kann ich diese Gegend empfehlen. 18h Ich habe es wieder einmal verschrieben, der erste Segler kreuzt meine Linie Achtern wird wahrscheinlich Puerto Rica südlich passieren. Ich möchte über den Norden Puerto Ricas zu den BVI und dann weiter ins Einkaufsparadies für Segler nach St Martin. Auf meiner Liste stehen schon einige Dinge die ich mir dort besorgen möchte.

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Aber vorher muss ich noch die Mona Passage zwischen der Dom Rep und Puerto Rica durchqueren. Beim Einbruch der Dunkelheit erreiche ich die Einfahrt und sehe gleich am AIS was mir die ganze Nacht bevorstehen wird.  Die Passage ist der Direkte Weg von Europa zum Panamakanal und dementsprechend stark befahren. In den ersten zwei Stunden kommen mir 7 Ozeanriesen entgegen. Dann ist es fast Windstill und ich muss die ganze Nacht über den Antrieb meines Eisernen Segels nutzen. Tagesetmal 128 Seemeilen.

Meine Entscheidung Puerto Rico im Norden zu passieren war falsch. Den Südost Wind den ich am Nordwestende der Insel erwartete gab es nicht. Stattdessen Nordwind mit 3 – 5 Knoten. Durch die Strömung hat es mich sogar noch ein Stück Strecke zurückgesetzt. Kurz vor Einbruch der Nacht kommt Wind auf, 10 – 15 Knoten aus Ost. Ja so ist das eben wenn man gegen den Passat segelt dann kommt der Wind eben meistens aus 90°. Ich bin aber froh das Bright Star wieder läuft und segle gegen Norden. Bis zu den Bermudas wären es jetzt noch 800 Seemeilen.

11. Tag. Tagesetmal 99 Seemeilen, davon 60 unter Motor. Heute schaut es wieder besser aus. Der Wind bläst mit 14 Knoten aus 120°, wolkenloser Himmel. Meine Genuaschott zeigt sichtbare Spuren von Abnutzung, sie hat sich auf der Steuerboardseite an der Wante schon zu lange gerieben. Als ich auf den Cabo Verden zwischen den Inseln Santo Antao und Sao Vicente hatte ich einen ähnlichen Vorfall. Nur ist mir dann in der Düse die zwischen den beiden Insel mit 40 Knoten blies,  die Schott gerissen. Einmal reicht um zu lernen dass es besser ist zu reagieren bevor etwas passiert. Die Arbeit ist schnell getan und dem normalen Tagesablauf steht nichts mehr im Weg. Sichtung ein Frachter auf den Weg nach Tortola.

Tagesetmal am 6.6 hat sich auf Grund der Winddrehung etwas gebessert 152 Seemeilen. In Sichtweite ist das Nordöstliche Ende von Puerto Rico. Die Amerikaner überwachen ihre 3 Meilen Zone besonders sorgfältig. Neugierige Drohnen und schnelle Boote sind ein Lieblingsspielzeug der Amis und ich bin überhaupt nicht begeistert von Kontrollen die dann so wie in Kolumbien auch noch Schaden anrichten. Außerdem muss ich so wie so noch ein zwei Mal aufkreuzten. Ich setzte einen Weg Punkt auf 20°13.30 N und 64°20.68 W nächste Wende in 130 Seemeilen. Passatwolken am Himmel und Wind 15 – 20 Knoten. Schwärme von Vögel begleiten mich stundenlang, das Wasser hier muss sehr Fischreich sein. Pausenlos stürzen sich die Vögel Kopfüber ins Meer und dazwischen sieht man Fische springen. Morgen packe ich meine Angel auch wieder aus, bis jetzt hatte ich noch keinen Platz im Kühlschrank.

Dienstag 7.6, Tagesetmal 134 Seemeilen. Wind hat wieder gedreht, jetzt kommt er aus 130°. Wäre schön jetzt vom Süden rauf zu segeln. Ist aber genau das Gegenteil, ich segle ab jetzt von Nord nach Süd. Beim Spielen mit meinen Gedanken auf der Seekarte sehe ich mein Kurs würde jetzt geradeaus nach Flores auf den Azoren führen. 2065 Seemeilen liegen dazwischen, in 14 Tagen könnte ich wieder in Europa sein. Schnell ein Vergleich der Temperaturen dort und hier, vor allem die des Wassers und ich wende Bright Star mit den Bug in Richtung Süden. Noch 144 Meilen bis St Marten. Ich bleibe meinen Vorsatz Treu, lieber täglich im 30° warmen Wasser schwimmen als zu Hause auf den Sommer warten. Beim anrühren des Palatschinken Teiges habe ich mich etwas in der Menge vertan. Es werden 30 Stück, genug für Heute, muss ja nicht teilen momentan. Sichtung 1 Cargo auf den Weg nach San Juan.

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Mittwoch 8.6. gleichmäßiger Wind um 20 Knoten und nicht zu hohe Welle ermöglicht ein Tagesetmal von 161 Meilen. Mittags bin ich fast auf Höhe der Insel Saba. Bis zu meinem Ziel nach Martinique hätte ich jetzt noch 225 Meilen, könnte ich bis morgen auf direkten Kurs erreichen. Aber vorher möchte ich noch ein paar Ersatzteile in St. Martin besorgen. Vielleicht ist es jetzt schon die letzte Wende in Richtung Nord, bis St Martin sind es noch direkte Strecke 40 Seemeilen. Aufgekreuzt mindestens das Doppelte. Eine ruhige Nacht vor Anker sollte sich heute noch ausgehen.

Ich nutze die Zeit um auf dem Computer Fotos zu sortieren und Berichte zu schreiben. Auf dem Computer läuft auch die Navigation, die Reserve weil mein Nav Station seit beginn der Strecke den Dienst verweigert. Plötzlich hängt sich auch dieser Computer auf und lässt sich nicht mehr überreden noch einmal seinen Dienst zu tun. Ich weiß ungefähr wo ich bin, direkte Strecke wäre kein Problem, aber ich bin am Aufkreuzen, und  wenn der Wind und die Strömung mich versetzt segle ich an St Martin vorbei, Die Insel ist flach und daher erst aus einer Nähe von ungefähr 10 Meilen sichtbar. Wenn ich vorbeifahre ist das nächste Land Afrika oder Europa, also mindestens 3000 Seemeilen entfernt. Leichte Panik überkommt mich bei den Gedanken noch ein paar Wochen ohne frischen Obst und Gemüse auf See verbringen zu müssen. Jetzt ist die letzte Hoffnung mein dritter Computer den ich als absolutes Not Back Up in einem Faradayschen Käfig, wegen Blitzschlag, aufbewahre. Ich hole ihm nach drei Jahren erstmals aus der Kiste und Gott sei Dank er funktioniert und ich weis wieder wo ich bin. Um 3h 20 erreiche ich die Marigot Bay in St Martin und bin froh mich in meine Koje zurückziehen zu können und endlich wieder auszuschlafen.

Gefahrene Strecke laut Loge durch das Wasser. Panama Porto Belo bis St Martin, 2018 Seemeilen. Fahrzeit 15 Tage und  16 Stunden. Die Strecke von Panama zu den Antillen ist eine gute Gelegenheit Wendetechnik zu üben. Für Geduldige die Wind Welle und Strömung nicht scheuen und keinen Terminplan haben.