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2018-12-10 16:30

 

ABC Inseln

Bonaire die erste von Ost nach West ist ein kleines Naturparadies. Der große Unterschied zu den Antillen ist sofort bemerkt, keine Berge, kein sattes Grün bedingt durch Regenwald. Der größte Teil der Insel ist flach die Spitze des höchsten Berges erreicht 241 Höhenmeter. Es ist eine Gegend wo sich Kakteen so richtig wohl fühlen.

Im Jahre 1515 erreichten die Spanier die Insel, versklavten die ansässigen Indianer und brachten sie nach Hispaniola. Heute bekannt als Haiti und Dominican Republic, dort wurden sie in Kupferminen und auf Plantagen eingesetzt. 1636 übernahmen die Niederländer die Insel und gründeten die Hauptstadt Kralendijk. Zum Unterschied zu den Spaniern fanden die Niederländer die Insel brauchbar und auf großen Flächen begann Salzabbau der bis heute noch besteht.

2 Bonaire Kakteen1 Bonaire Salzabbau

Eine große Einnahmequelle ist heute der Tourismus. Als Fixpunkt von Cruiserlinien landen zig tausende Menschen auf der Insel. Besonders ausgebaut ist der Tauch Turismus mit unzähligen Tauchplätzen. Luft und Wasser sind besonders rein und das wird von vielen erholungssuchenden geschätzt.

Als Segler hat man allerdings bedingt durch Einschränkungen nicht den Eindruck besonders erwünscht zu sein. Es gilt generelles Ankerverbot rund um die ganze Insel. Vor Kralendijk gibt es Ankerbojen die man benutzen muss. Pro Tag 10 USD plus 6% Steuer, zu bezahlen in der Marina. Wenn man langsam ist so wie ich, hat man nach spätestens 24 Stunden die unfreundliche Wahlmöglichkeit zwischen Abgeschleppt und Strafe zu bezahlen oder rasch freiwillig die Tagesmiete zu begleichen. Positiv sind das saubere klare Wasser und die Einklarierungsprozedur. Die Beamten sind freundlich und schnell und dass alles ohne Gebühren.

3 Bonaire Ankerplatz4 Bonaire Wasser

 

 

Auf der Insel leben 18000 Menschen, unzählige Flamingos, wilde Esel und eine Menge bunter Singvögel. Eva und Hans mieten einen Pick Up und wir fahren gemeinsam zu den sehenswerten Punkte Bonairs. Sehr empfehlenswert ist der Besuch des Washington Slagbaai National Parkes. Praktisch, für alle die länger für die Erkundung dieser interessanten Gegend brauchen, ist das der Eintrittspreis von 25 USD ein Jahr lang gültig ist. Hier erfahre ich auch dass es einen Speisekaktus gibt. Kadushi genannt, aus seinen jungen Trieben wird eine Suppe und auch Likör gemacht.

5 Bonaire Wilde Esel6 Bonaire Flamingos

 

Bis Curacao, Spanisch Water sind es 37 Seemeilen. Abfahrt 8h Ankunft 14h, ein schöner Schlag mit Wind von achtern. Die Einfahrt in die große verzweigte Ankerbucht ist schmal und ich war froh darüber genaue Seekarten zu haben. Hier „darf“ man in einer von vier gekennzeichneten Zonen ankern. Das Wasser ist schmutzig und trübe, Algen und Muscheln freuen sich auf jedes Schiff das hier halt macht. Immigration und Custom ist im Stadtteil Punda im Centrum von Willemstad etwa 10 km entfernt. Kein Problem weil Eva und Hans sich auch hier einen Leihwagen nehmen so geht es bequem und schnell.

7 Curacao Haus 17 Jhd8 Curacao Eva und Hans

Die Hauptstadt ist bekannt wegen ihrer bunten Häuserfront entlang der Hafeneinfahrt. Bis zu 300 Jahre alte Bauten reihen sich schön restauriert aneinander. Für Cruiser gibt es ein eigenes Einkaufsviertel wo die als Mitbringsel Notwendigen Dinge, (Uhren, Schmuck, Markenbekleidung und allerlei Kitsch Suveniers Made in China) erhältlich sind. Für uns ist der Floating Market interessanter, Boote aus Venezuela verkaufen hier frischen Fisch, Obst und Gemüse. Um mit der Kultur der Insel etwas vertrauter zu werden besuchen wir drei Museen. Im Maritim Museum zeugen viel Exponate von der einstigen Größe des Holländischen Königreiches und ich lerne wieder etwas dazu was ich im Geschichte Unterricht in meiner Schulzeit wohl übergangen bin.

9 Curacao Museum10 Freibrief Deutsche Sklaven

Im Sklavenmuseum überkommt mich bedrückte Stimmung. Dieser Teil der unmenschlichen Geschichte betrübt, erzeugt ein trauriges Gefühl in mir. Bis jetzt kannte ich nur die Geschichte der Sklaven die von den Portugiesen, Spaniern und Engländern auf den Zuckerrohrplantagen der Antillen eingesetzt wurden. Schätzungen gehen von etwa 40 Millionen Afrikanern aus, die verschleppt und versklavt wurden. Nur jeder vierte überlebte die Gefangenschaft. Auch die Holländer haben mehr als 500000 Menschen von Afrika  wie Vieh in Booten nach Curacao transportiert. Von hier aus wurden sie auf alle Karibischen Inseln, nach Südamerika und Nordamerika verkauft. Die ausgestellten „ Werkzeuge „ sind schreckliche Beweise für die Unmenschlichkeit der sogenannten Herrenrasse. Zu beginn der goldenen Zeiten Europas wo die Oberschicht genüsslich Tafelte, sich in Samt und Seide kleidete und als gelehrt und Intelligent galt spielte es keine Rolle ob Heiden ein Recht auf Leben haben. Profit erlaubt keine Gefühle, so muss es wohl gewesen sein. Während ich diese Zeilen schreibe bezweifle ich den Text der Musik die momentan aus den Lautsprechern klingt, alle Menschen werden Brüder. Schillers Text zur 9. Sinfonie von Beethoven:

Freude, schöner Götterfunken,

Tochter aus Elysiums,

wir betreten feuertrunken,

Himmlische, dein Heiligtum!

Deine Zauber binden wieder

Was die Mode streng geteilt;

Alle Menschen werden Brüder,

Wo dein sanfter Flügel weilt.

Ob Beethoven im Jahre 1824 gewusst hat was die Deutschen in Afrika mit ihren Sklaven machten…….Tränen ausgelöst von der Rührung über dieses Thema bringen mich wieder zurück zur jetzt Zeit in Curacao.

11 Sklavenhaeuser12 Curacao Sklavenmuseum

Mehr als 150000 Menschen leben heute auf der Insel, tägliche Staus auf der Autobahn wie in Europa. Hier gibt es Ölindustrie viele hohe Schornsteine die zum Himmel stinken, deshalb sind die Villen der Reichen auch im Osten der Insel, in Windrichtung der Schornsteine der Raffinerien wohnen die ärmeren. Im Westen der Insel gelegen ist ein Nationalpark der sehenswert ist. Hier ist alles noch echte Natur, Kakteen entlang der wilden Küste, Papageien bevölkern die wenigen Bäume und die Abwesenheit der Menschen macht etwas Besonderes aus dieser Gegend.

Eine Woche lang darf ich Eva und Hans beim „Einwintern“ ihres Bootes in der Curacao Marina helfen, sie fliegen Ende Mai zurück nach Österreich. Danach noch ein ausgiebiges Abendessen mit Französischen Freunden auf ihrem Boot. Vorausgesagter guter Segelwind des Wetterdienstes sag mir es ist an der Zeit mich von der Insel zu verabschieden. Mein nächstes Ziel ist  Aruba die dritte und letzte der Niederländischen Antillen. Zuerst verlege ich mich an das Westende der Insel nach Westbuntbaai. Offiziell dürfte ich hier nicht ankern. Auf der ganzen Insel sind nur zwei Ankerplätze eingezeichnet, Fuik Baai und Spanisch Water. Es gibt mehrere Möglichkeiten die reizvoll, aber nicht als Ankerplatz auf der Karte eingezeichnet sind. Auf der Seekarte sind diese Buchten ohne Meterangaben für die Tiefe verzeichnet und wenn man sie benutzen will muss man es bei den Behörden angeben. Ich riskiere mein Vorhaben mit einer eventuellen Ausrede ein Motorproblem zu haben. Super Ankergrund und Zeit für die Reinigung des Unterwasserschiffes belohnen mich, am nächsten Morgen sagt mein innerer Schweinehund, bleib doch noch einen Tag, es ist so schön hier, aber die Wetter Vorausschau lässt mich um 6h morgens starten um die 50 Seemeilen nach Aruba zurückzulegen.

13 Westkueste Curacao Ankerplatz14 Zwischen Curacao und Aruba

Die Wettervorschau passt exakt, Wind aus Ost 15 – 25 Knoten. 1,5 bis 2 Meter hohe Wellen von achtern, das Deck bleibt die ganze Fahrt trocken. Lange Zeit begleiten mich Delfine, eine ruhige Überfahrt, ich erreiche die Insel mit dem Einklarierungungshafen Barcadera um 14h. Auf Funkkanal 16 wird mir mitgeteilt ich soll weitersegeln zum Ankerplatz beim Flughafen in der nähe der Hauptstadt Oranjestad und mich dann auf Kanal 11 zu melden. Mein Anker gräbt sich dort in zwei Meter tiefen Sand ein und habe absolut kein Interesse mich noch vom Schiff für Einklarierungsaktivitäten weg zu bewegen. Zuerst Ankerbier, kochen, schwimmen und dann bin ich zu müde, Landgang ist somit auf den nächsten Tag verschoben.

15 Aruba Suedostseite16 Aruba Flugplatz Ankerplatz

Einklarieren ist nicht meine Lieblingsbeschäftigung, aber es muss sein. Ich rufe auf Kanal 11 Port Control und erbiete Anweisung. Ich werde gerügt weil ich mich erst jetzt Melde und soll sofort zum Zollpier um dort anzulegen. Nach der Marina die zweite Einfahrt rechts in Richtung Westen gelegen. Eine schon etwas mittgenommene Betonwand mit riesigen gelben Bollern für die Grossschiffahrt erwartet mich. 25 Knoten Wind und niemand der mir beim Anlegen hilft. Die vorwärtslaufenden Maschinen so eingestellt das Bright Star einen halben Meter von der Kaimauer entfernt stehenbleibt, ich nach vorne gehen kann um vom Boot aus eine Festmacherleine um den Boller werfe. Sobald eine Leine das Boot hält ist es ein Leichtes die restlichen zu befestigen. 10 Minuten später kommt ein Beamter von der Immigration. 2 Papiere ausfüllen, Bootspapiere und Reisepass abgeben, er fährt damit ins Büro um Kopien zu machen. Inzwischen sind auch 2 Beamte vom Zoll eingetroffen. Zollpapier ausfüllen, Frage nach Waffen mit einem nein beantworten, und auch sie fahren ins Büro um das ausgefüllte Papier zu Kopieren. Nach weiteren 10 Minuten höre ich welcome in Aruba, der Immigrationsbeamte ist zurück und übergibt mir die gestempelten Papiere. Kurz darauf auch dasselbe von den Custom Leuten.

17 Hafen Aruba18 Aruba Zollpier

Jetzt melde ich mich noch einmal bei Port Control und sage dass ich im Westen der Insel vor Anker gehen möchte. Ich soll vorsichtig sein, es ist gerade viel Wind in der Gegend, bekomme ich als Antwort zurück. Da es nur 4 Seemeilen sind will ich mir das Ganze selbst ansehen und Motore entlang Kilometerlanger Sandstrände wo sich ein Hotel an das andere reiht. Gemeinsam haben sie mittels Bojen und Sperrleinen eine gekennzeichnete Schwimm außen Grenze markiert. Kilometerweit keine Möglichkeit mit dem Beiboot anzulanden. Leider hat auch noch  Port Control Recht, der Wind bläst mit 25 bis 30 Knoten durch die lange Bucht und unangenehme Welle bekräftigt meine rasche Entscheidung umzudrehen um in die Ankerbucht beim Flughafen zurückzukehren. Hier stehen auch alle anderen Segler die momentan in Aruba sind, 2 Katamarane und 3 Monos.

Bei meinen ersten Landgang bin ich angenehm überrascht von den gepflegten Parkanlagen entlang des Strandes in Richtung Zentrum der Stadt. Fitnessgeräte in großer Zahl entlang eines eigenen Fußgängerweges auf der einen Seite und auf der anderen Seite ein doppelspuriger Radweg. Die Gebäude der Stadt vermitteln einen sehr modernen und gepflegten Zustand, Disnyland lässt Grüßen. Zum unterschied zu Curacao, Willemstad, sieht man hier fast keine Geschichtsträchtigen Gebäude. Der Großteil der Stadt besteht aus nachgebauten Holländischen Häusern mit kitschigen bunten Fassaden und ist voll auf das Motto KDG, ( Kauf dich Glücklich ) ausgerichtet. Für mich praktisch war die Niederlassung von Star Bucks wo es schnelles Internet gratis gibt.

19 Aruba Park Anne Frank20 Aruba Centrum

Ich leiste mir einen Kaffee und bin dann sehr überrascht als mir an der Kassa mitgeteilt wird das ich mit den Holländischen Gulden die ich in Curacao gewechselt habe ich hier nicht bezahlen kann. Drei Niederländische Inseln nebeneinander und zwei verschiedene Währungen. Es zahlt sich aus sich vorher zu informieren, mir bleiben jetzt 120 Gulden nutzlos in der Reisekassa.

Die ABC Inseln erinnern mich an die Kanaren. Dort war es ebenso trocken und staubig und das Schiff ständig mit einer grauen Schmutzschicht überzogen. Der Wind auf dem Ankerplatz erreicht 34 knoten und die Welle dämpft meine sonstige Schwimmbegeisterung. Da mich die Insel mit dem eintönigen Grau Braun der Landschaft und den vielen Hotels und Geschäften nicht sonderlich begeistert nutze ich die trockene Gegend um meine Fenster im Salon  neu Abzudichten. Für meine nächsten Ziele, die Regenreichen Länder Jamaika und Guatemala, will ich keinen Regenschirm im Schiff aufspannen.

Nach nur 6 Tagen Aruba rufe ich über Kanal 11 Port Control. Ich möchte mich zum Zollpier verlegen um auszuklarieren. Freundlich aber bestimmt kommt die Antwort geht jetzt nicht, ich muss warten bis ein Cruiser den Hafen verlässt. Nach zwei Stunden darf ich dann in den Hafen und werde in 10 Minuten abgefertigt und mit freundlichen Grüßen nach Jamaika entlassen.