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2018-12-12 01:51

 

Guatemala,

Etwa 30 Seemeilen vor Guatemala, das Land kann ich noch nicht sehen, habe ich den ersten Kontakt mit den Auswüchsen der Zivilisation. Das Wasser wechselt von Blau auf graubraun und ist bedeckt mit Müll. Plastik, Styropor, ein Schaumteppich der jeden schwimmenden Müll beinhaltet. Nur noch mühevoll erspähe ich die treibenden Bäume im Dreck. Flüsse entsorgen den Dreck der Zivilisation ins Meer sind Kläranlagen in Ländern wie Guatemala. 100 Seemeilen weiter östlich auf den zu Honduras gehörenden Inseln Utila und Roatatan war das Wasser noch glasklar, Korallenstöcken in 10 Meter Tiefe mit dem freien Auge sichtbar. Hier sieht man nicht einmal bei 1 Meter Tiefe den Grund. Hoffentlich stimmen die Seekarten. Die Einfahrt nach Livingston ist mit 1,80 Meter über dem Grund angegeben. Farbunterschiede um seichtere Stellen zu sehen gibt es nicht, das Wasser ist gleichbleibend schmutzig Grau Braun. Ich schleiche durch das Ende des Rio Dulce nach Livingston, das Echolot zeigt zwischen 1,70 und 2,20 Meter Tiefe. Monohull Segler benutzen die Einfahrt nur wenn die Flut ihren Höhepunkt erreicht hat, trotzdem ist es für Segelboote mit mehr als 1,60 Meter Tiefgang sicher ein Spiel mit den Nerven.

1 Honduras Faecherkorallen Isla de Utila2 Guatemala Livingston

Vor Livingston setzte ich den Anker und rufe auf Kanal 68 Raul der für die Einklarierungs Formalitäten hier zuständig sein soll. Eine Stunde lang versuche ich Kontakt über Funk herzustellen, dann gebe ich auf und setzt mit dem Dinghy über. Im Büro wissen sie das ich vom blauen Katamaran komme, warum sie auf Funk nicht erreichbar sind kann ich nicht klären, ich bin ja jetzt hier, es werden die Schiffspapiere kopiert und mir wird Mitgeteilt das Customs und Immigration in 15 Minuten bei meinen Boot sind. Pünktlich erscheinen die Beamten bleiben in ihrem Boot sitzen und füllen Papiere aus. Eine Stunde später hole ich meinen Reisepass und die Genehmigung zum Benutzen der Gewässer von Guatemala beim Agenten ab. Gesamtkosten 1300.-Quetzales ( 156.- Euro).  

Livingston ist eine kleine Stadt, die Bewohner sind Indianer, Schwarze, und alle möglichen Abstufungen von Nachfolgern der Spanischen Eroberern vor einigen Jahrhunderten. Wie immer in neuen Ländern muss ich mich erst an den Wert der Währung des Landes gemessen zum Euro gewöhnen. Ich kaufe eine große Papaya, Ananas 4 Bananen, 4 Paprika, einen Karfiol, Salat, Avocado und 4 große Zwiebel und bezahle 50.- Quetzales. Umgerechnet ungefähr 6.- Euro. Beim Bäcker verstehe ich die Preisschilder nicht, kann nicht sein, ein kleines Brot kostet 1 Quetzales, das sind umgerechnet 0,12 Euro. Ein neues Wasch und Badehaus für die Bevölkerung ersetzt ein Kommunikationscentrum. Tagsüber treffen sich hier die Frauen um gemeinsam ihre Wäsche zu waschen, und abends kommt ein großer Teil der Einwohner um sich zu waschen und über den Tag zu plaudern.

3 Guatemala Livingston Agencia Maritima4 Guatemala Livingston Bad

Da es schon zu spät ist um bei Tageslicht den Rio Dulce Flussaufwärts zu fahren und im Lago de Golfete zu ankern, bleibe ich die Nacht ankernd vor Livingston. In diversen Seglerinfos steht geschrieben es soll nicht sehr gemütlich sein zu bleiben, besser nur kurz die Papierarbeiten erledigen und dann weiter. Als dann am Nachmittag stärkerer Wind vom Meer in den Fluss hineinbläst die Strömung des Flusses das Boot quer zu Wind und Welle stellt und die Gezeiten auch noch bei dem Spiel teilnehmen bin ich wieder einmal sehr froh darüber einen Katamaran zu haben, auf zwei Füssen steht man besser.

Am nächsten Vormittag lichte ich mit einiger Mühe den Anker. Es war ein Fehler wie gewohnt mindestens 30 Meter Ankerkette zu verwenden. Der Anker liegt nun hinter dem Boot die Kette ist durch das einlaufende Wasser der Tide stark gespannt. Ich brauche die Kraft beider Motoren um freizukommen. Danach schiebt die Flut Bright Star den Fluss aufwärts auf eine Öffnung in den Bergen zu.

5 Guatemala Rio Dulce6 Guatemala Rio Dulce Flusseinfahrt nach Livingston

Wasser ist ein großartiger Baumeister, das sich seinen Weg wenn es sein muss auch durch Felsgestein schleift. Oft aber weicht es ganz einfach aus um in großen Schleifen durch weniger Wiederstandfähiges Material bergab zum Meer zu strömen. Die letzten 14 Kilometer drängt sich das Wasser des Rio Dulce in Schlangenlinien durch die hügelige Landschaft. Vorbei an senkrecht abfallenden hohen Felswänden und steil aufsteigenden Hügeln geht es von Kurve zu Kurve, und hinter jeder steckt eine neue Überraschung. Die ganze Umgebung ist von undurchdringlichen grün überwuchert. Geräusche des Urwaldes begleiten mich auf den Weg, Fischer in ihren Kanus grüßen freundlich. Meist stimmen die Tiefenangaben auf meiner Seekarte, ich bin aber trotzdem vorsichtig, Flüsse transportieren eine Menge Material das sich auch an falschen Orten absetzten kann. Im Lago de Golfete verbreitert sich der Fluss bis auf 5 Kilometer ist meist 3 bis 6 Meter tief, und ab hier spürt man auch keine Strömung mehr. Insgesamt beträgt die Länge des Flusses 43 Kilometer bei einem Höhenunterschied von 2 Metern gerechnet vom Lago Izabel aus bis es die Karibische Küste bei Livingston erreicht.

7 Guatemala Rio Dulce durchfahrt8 Guatemala Lago de Golfete

Der Anfang des Rio Dulce birgt auch eine der meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Guatemalas. Das sehr gut erhaltene Castillo de Felipe de Lara zum Schutz der Segelschiffe von den Spanischen Konquistadoren errichtet. Fronteras heißt der Hauptort der direkt an der einzigen Straße und Brücke im Umkreis von mehr als 100 Kilometern liegt. Die Geschäfte sind einfach, aber meist gut sortiert. Kochen an Board wird eingestellt, für ein ausreichendes Mittagessen, 2 Hühner Schnitzel, Pommes, gemischter Salat und einem Getränk bezahle ich 20.- Quezales ( 2,40 Euro ) Mit 2,80 Euro sind Tacos plus Getränk etwas teurer, schmecken aber sehr gut. Ein Einheimischer macht mich darauf aufmerksam das man hier auch für wenig Geld Essen kann. Er bezahlt für eine kleinere Portion Huhn mit Reis 5.- Quezales. Die paar hundert Boote die jedes Jahr die Hurrikan Saison hier in dieser gut geschützten Region verbringen sind verteilt in meist kleinere Marinas. Alle bemühen sich um Kunden und bieten Pool, Tropische Gärten, Restaurant…..

9 Guatemal Castillo de Felipe de Lara10 Guatemala Bruecke Rio Dulce

Ich habe meinen jährlichen Heimflug von Guatemala City am 15. August gebucht. Jetzt ist es auch an der Zeit einen guten Platz für Bright Star zu suchen wo sie sicher aufgehoben ist. Es gibt drei Marinas wo man das Boot an Land stellen kann. Ram Marina, die größte und bekannteste, wurde mir schon in Livingston berichtet ist voll, ich frage bei Astillero Magdalena nach und habe Glück. Für 250 USD pro Monat ist Bright Star hier sehr gut aufgehoben. Für ein und auskranen wird USD 400.- in Rechnung gestellt. Freundliches hilfsbereites Personal und schnelles Internet machen den Aufenthalt hier zusätzlich angenehm.

Bevor Bright Star an Land gehoben wird genieße ich noch drei Wochen den See. Verhole mich alle paar Tage auf einen anderen Ankerplatz. Vorbereitungsarbeiten für die nächste Saison sind vor Anker angenehmer als in der Marina, ab Mittags kommt kühlender Wind, zwischendurch ein Sprung in das 30 Grad warme Wasser. Es gibt auch die Möglichkeit benötigtes Material in den vielen Geschäften hier aufzutreiben. Bei Schrauben die ich brauchen würde scheitere ich allerdings, es gibt nur welche mit Imperial Gewinde. Ein neu eröffnetes Marine Geschäft hat auch eine angeschlossene Mercury Werkstatt. Bei meinen Außenborder blockiert der Hebel zum einlegen des Ganges, wird erneuert, der Absperrhebel vom Benzinzufluss tropft, wird erneuert, Zündkerze getauscht und Öl gewechselt. Alles zusammen kostet inklusive Material 80.- Euro. Arbeitszeit kostet hier USD 25.- pro Tag.

In Guatemala leben mehr als 15 Millionen Menschen, Amtssprache ist Spanisch, insgesamt werden in Guatemala 53 verschiedene Sprachen, davon 22 Maya Sprachen gesprochen. Ich verstehe kein einziges Wort wenn ich den Mayas beim Sprechen zuhöre. Guatemala ist die größte Volkswirtschaft in Mittelamerika aber auch eine der ärmsten. Obwohl die Arbeitslosenquote laut Staatlicher Angabe nur 4,11 Prozent beträgt……Eine Studie geht davon aus, dass 68 Prozent der Erwerbstätigen im „informalen Sektor“, also in Gelegenheitsjobs ohne vertragliche und soziale Absicherung tätig sind. Auch ich trage dazu bei das die Arbeitslosenquote um einen Mann für zwei Tage gesenkt wird. Carlos ist „Experte“ für alle Arbeiten die auf Schiffen anfallen, er unterstützt mich beim Fensterabdichten, und freut sich über seine 30.- USD die er sich in 2 Tagen verdiente. Beim Segelmacher lasse ich meinen eingerissenen Sonnenschutz reparieren, für 20.- Quezales ( 2,36 Euro) Am nächsten Tag freut er sich über die nächste Arbeit die ich im bringe. Er erledigt alle Arbeiten zu meiner vollen Zufriedenheit und ich gebe ihm den Auftrag ein neues Dinhgy Cover zu machen. Sehr zufrieden bezahle ich 260.- Euro, die meisten meiner Bekannten haben dafür in anderen Ländern 500.- bis 900.- Euro bezahlt.

11 Guatemala neues Dinhycover12 Guatemala Dinghy Cover fertig

Zeugnis der präkolumbischen Geschichte legen unzählige, zum grössten Teil noch nicht erfasste Maya Ruinen ab. Darunter Tikal ( zur Blütezeit mindesdens 50.000 Einwohner ) Calakmul und Civas als die wichtigsten. Eine Unzahl von Resten alter Maya Kulturen liegt weiter im Verborgenen. Mit dem Bus fahre ich nach Tikal, die Fahrt dauert 8 Stunden mit einmal umsteigen. Die ersten 4 Stunden stehe ich im überfüllten Bus. Um in das Maya Reservat zu kommen werden Ausländische Besucher um 150 Quezales erleichtert. Für die Besichtigung der Ruinen sind noch einmal 100. Quezales fällig. Die Größe der ehemaligen Stadt ist gewaltig, die vielen Tempel sind mit Nummern gekennzeichnet. Leider ist hier alles maßgeschneidert für den Tourismus, einheimische sieht man kaum, nur zahlungskräftige Touristen. Essen und Trinken kostet das 3 bis fünffache, für ein Hotelzimmer bezahle ich 40 USD, in Fronteras Rio Dulce schläft man für 10.-

13 Guatemala Tikal Morgenstimmung14 Guatemala Tikal Maya Tempel

Mein nächster Ausflug führt mich in die Hauptstadt Guatemala. Für die sechs Stunden Fahrt im Bus der Gesellschaft Lituega bezahle ich 80.- Quezales. Es ist um 15 Quez teurer als im normalen Einheimischen Bus aber viel Platz und angenehm Klimatisiert. Ich habe ein Zimmer für drei Tage vorausbestellt. Das Quartier mit dem Namen Mi Casa, tu Casa hält was der Name verspricht. Zimmer und Bad sind riesengroß sauber und sehr nett eingerichtet. Der Besitzer ist sehr freundlich und hilfsbereit. Er holt bzw. bringt seine Gäste gratis zum Flughafen und ist auch sonst immer mit Rat und Tat bereit. Ein weiterer Vorteil dieser Unterkunft nahe dem Flughafen ist die Ruhe, man hört die Stadt rundherum fast nicht. Der Nachteil, hohe Mauern umschließen das bewachte Wohnviertel und man muss sich jedes Mal beim Betreten oder auch Verlassen ausweisen.

15 Guatemala VW Bus16 Guatemala Hotelzimmer

Mein Gastgeber hat mich mit einem Plan der wichtigsten Sehenswürdigkeiten ausgestattet, und mich mit seinem Auto zur richtigen Busstation gebracht, so komme ich ohne umsteigen direkt in das Zentrum. Zuerst besuche ich das Eisenbahnmuseum, danach spaziere ich durch enge Gassen in Richtung Nationalpalast. Unterwegs passiere ich einen Katholischen Umzug zu Ehren der Jungfrau………..Danach besuche ich die Kathedrale und den Nationalpalast. Überall wird gefeiert, ein Kirchenfest wird hier anders genossen als zu Hause in Europa.

Von GuetamalaCity geht es retour nach Österreich wo ich meinen jährlichen Heimaturlaub 11 Wochen lang genieße. Ich habe Glück mit dem Wetter, es ist sommerlich warm, und ich stelle fest das es in meiner Heimat viele Vorteile gibt die ich früher nicht so bewusst gesehen habe.

Die Zeit in Österreich vergeht zu schnell, sie reicht nicht aus um alle Freunde zu besuchen, und schon stehe ich wieder mit geschickt verteiltem Übergebäck am Flughafen um über Zürich und Miami nach Guatemala zurückzufliegen. Hier werde ich von meinem Gastgeber „ mi casa tu casa“ abgeholt, schlafe eine Nacht in seiner Luxuswohnung, und werde am nächsten Morgen zum Lituega Autobus gebracht der mich zurück nach Fronteras bringt.

17 Abflug Wien18 Zwischenlandung Miami

Bright Star hat sich in meiner Abwesenheit etwas verändert, die ungewohnte graue Farbe des angesammelten Schutzes lässt sich aber leicht abwaschen. Ein Service der Marina 220 Volt für Besucher aus Europa scheint an dem nicht auftreibarem Anschlussstecker fast zu scheitern. Als gelernten Elektrikern ist aber ein direkter vollkommen unvorschriftsmäßiger Anschluss nicht unmöglich. Die georderten Arbeiten die schon fertig sein sollten, sind noch nicht begonnen, Lateinamerika hat sich nicht verändert……….

Die Ruhe und Gelassenheit der Arbeiter in der Marina trägt dazu bei dass aus der geplanten einen Woche für die notwendigen Arbeiten am Schiff zwei werden. So habe ich zusätzlich Zeit das Leben der Einheimischen zu beobachten. Samstags ist die Einkaufsstraße von Fronteras besonders rege belebt. Menschenschlangen stehen Stundenlang geduldig wartend vor den Banken um ihren Wochenlohn abzuholen um das Geld danach bei den vielen Händlern die auf beiden Seiten der Straße ihre Verkaufsstände aufgeschlagen haben wieder loszuwerden. Normalerweise ist nur ein Schuhputzer zusehen, für das Wochenende sind gleich vier Pausenlos beschäftigt. Mann legt hier großen Wert auf glänzende Cowboystiefel. Busfahren ist an diesen Tagen mit viel Körperkontakt verbunden. Ein Kleinbus der bei uns für 9 Personen zugelassen ist, fast hier bis zu 30, einige auf dem Dach andere hängen an den Trittbretern außen und alle sind gut gelaunt, und das für den Fahrpreis von 3 Quezales ( 0,34 Eurocent )

19 Guatemala Rio Dulce Strassenscene20 Guatemala Samstag Waesche

Aber nicht nur die Lebenskosten finde ich in Guatemala gut, es ist auch die Art wie die Einheimischen Leben und miteinander umgehen. Als Ausländer wird man nicht gleich automatisch als Amerikaner eingestuft die in vielen anderen Ländern als Devisenbringer mehr bezahlen dürfen und trotzdem nicht willkommen sind. Einziger Nachteil von der Zeit im Rio Dulce ist die Entfernung zum Meer, mir fehlt das klare Wasser zum Schwimmen. Und so freue ich mich schon auf meine Nächsten Ziele, wohin wird der Wind bestimmen, vor habe ich über Belize nach Kuba und von dort in einem günstigen Winkel wieder zurück in Richtung Süden wo ich in Panama auf den San Blas Inseln mit Freunden Weihnachten feiern werde.