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2018-12-10 16:00

 

Etmalrekord von Guatemala nach Panama

Ein forderndes Gefühl in der Magengegend macht mich darauf aufmerksam dass es an der Zeit ist über ein Mittagessen nachzudenken. Da die gefahrene Strecke zurück nach Guatemala bereits 430 Seemeilen beträgt und es bis zum Ziel in Panama, Puerto Linton noch circa 430 Seemeilen sind fällt die Möglichkeit in ein Restaurant zu gehen einfach ins Wasser. Dabei hätte ich mich schon an die Bürgerliche Kost in Guatemala gewöhnt. Eine große Schale Gemüsesuppe mit Brotfruchtstücken Jamwurzel Karotten und schwarzer Bohnen, dazu noch verkochte Nudeln, Reis und ein Stück Knochen dessen Aussehen und Geschmack jeden Straßenköter begeistern würde. Auch an die freundliche gut aussehende Köchin die mit ihren mehr als 100 Kilogramm Küche und Service im Alleinbetrieb mühelos schaffte. Beim ersten Besuch ihres Restaurants wollte ich noch ein Bier zum Essen trinken, das geht nicht erklärte sie mir, weil sie ja kochen und auch für die anderen Gäste da sein müsste und sie jetzt nicht in das nächste Geschäft gehen könnte um mir eines zu kaufen…………

Ein reichliches Mittagessen in den Restaurants wo die Einheimischen ihren Hunger stillen kostet inklusive selbstgemachten Saftgetränk 15 bis 20 Quezales, umgerechnet sind das Euro 1,80.

Vor vier Tagen war ich noch in Fronteras dem Hauptort am Rio Dulce. Nachmittags besuchte ich mit Harald einem Kärntner Segler der mit seiner Frau Conny und seinem Katamaran Florimel neben mir Ankert einen anderen Österreicher der gleich um die Ecke mit seinem Katamaran Pink Panther liegt. Hans und Betina, die beiden habe ich schon in Portugal vor sieben Jahren kennengelernt, verbringen seit Jahren die Hurrikan Saison im Rio Dulce. Hans ist der geborene Unterhalter, das war er auch Hauptberuflich bevor er einen schweren Autounfall hatte, es fällt ihm nicht schwer uns länger als geplant mit interessanten Anekdoten aus seinem Leben unseren Tagesplan zu vernichten. Was auch uns nicht sonderlich schwer fällt, wir vernichten im Gegenzug einiges seiner köstlichen Rumvorräte die er bei seinen regelmäßigen Kubatörns angelegt hat. Hans und Betina hatten Wassereinbruch bei der Atlantiküberfahrt, die Sicherheitslucke zwischen den Rümpfen ist gebrochen. Vor Panama verlor ihr Schiff durch einen Zusammenstoß mit einem treibenden Baum ein Ruder. Als nächstes verlor er seinen Mast. Einen Unfall hatte er bei schwerem Wetter, er musste zur Mastspitze hoch, verlor bei den Pendelbewegungen seinen Halt krachte gegen den Mast und verletzte er sich schwer Er brach sich einige Rippen und verlor Zähne. Und nun passt die Kubanische Zigarre genau in das Zahn Loch. Abends geht es dann auf der Florimel weiter mit gutem Essen Bier und Wein, Harald der Kärntner Weltumsegler ist nicht nur von Beruf aus Künstler, danke für das hervorragende Essen.

1 Fronteras Rio Dulce2 Hans

 

 

 

 

 

 

Beim ersten Tageslicht starte ich einen Motor, Anker hoch, die letzte Etappe in Guatemala nach Livingston zum ausklarieren beginnt. Noch einmal genieße ich die Fahrt durch den Fluss, vorbei an den dicht mit Regenwald bewachsenen Wäldern durch die teilweise engen Schluchten in die sich der Fluss seinen Weg zum Meer gegraben hat. Mittags bin ich bei Roul, dem Agenten der für das Ein und auch Ausklarieren zuständig ist. Leider darf sich ein ausländisches Boot nur drei Monate in Guatemala aufhalten dann kann man für 2400.- Quezales ( 280.- Euro) weitere neun Monate verlängern, oder so wie ich Strafe bezahlen. Nach Bezahlung von 1500 Quezales steht einer Rückkehr in dieses schöne Land nichts mehr im Wege und ich habe die Fahrerlaubnis nach Panama auch schriftlich. Nach einem Mittagessen für 15.- Quezales und dem Restlichen Einkauf für die nächsten acht Tage, einer Großen Tasche mit Obst und Gemüse gefüllt, fahre ich zum Punta de Manabique, der letzten Landzunge gegenüber von Livingston sehr gut geschützt gegen den meist aus Osten kommenden Wind, um am nächsten Tag zeitig und ausgeruht die circa 900 Seemeilen nach Panama zu starten. So war der Plan, und es ist auch absolut Windstill am Ankerplatzt, das Waser ist so ruhig das sich die Wolken darin spiegeln. Kurz nach dem ich eingeschlafen bin kommt Wind, der ungünstigste für diesen Ankerplatz, er kommt aus Westen. Schnell haben sich bei dem nun blasenden 27 bis 30 Knoten Wind hohe Wellen aufgebaut. Bright Star benimmt sich wie ein Rodeo Pferd und macht Luftsprünge bei denen an Schlaf nicht mehr zu denken ist. Zum Glück ankere ich wegen der Moskitos weit vom Ufer entfernt und der Anker hält, sonst hätte ich wegen des Auflandigen Windes noch in der Nacht gegen Wind und Wellen hinausfahren müssen.

3 Rio Dulce4 Livingston Obst

 

 

 

 

 

 

Am Donnerstag den 23. 11. mache ich mir um fünf Uhr morgens mit viel Gefühl mein Frühstück. In meiner Schilehrerzeit habe ich gelernt Bodenunebenheiten und Stöße mit meinen Knien abzufedern. Das kommt mir nun zu gute, das Boot hüpft auf und ab, das ausgleichen der Bewegungen des Bootes durch die Wellen ersetzen den Morgensport. Beim einschenken des Tees nützt mir mein Balancegefühl wenig da die Kanne bis zum Rand für diese Bewegungen zu voll ist. Der Wind hat so wie die Wettervorschau es versprochen hat gedreht er kommt nun aus Norden. Nach zwei Stunden gegen die Wellen erreiche ich meinen geplanten Kurs und bin froh darüber nun zügig gegen Osten segeln zu können. Die nächsten 340 Seemeilen bis zur Kreuzung wo ich dann nach Rechts abbiege um nach Süden zu halten sind beim die meiste Zeit des Jahres wehenden Passatwindes aus Ost mit einer Gegenströmung von bis zu 2 Knoten normalerweise eine Qual. Aber nicht wenn der Winterliche Norder aus Nordamerika bläst. Ich habe meine Abfahrt nach der Wettervorschau gewählt, der Wind soll die kommenden Tage mit 24 bis 27 Knoten aus Nord meinen idealen Antrieb bilden. Harald hat mir erzählt dass vor kurzem ein Kanadischer Segler vor der Küste Honduras überfallen wurde. Er wurde von mehreren Leuten, wahrscheinlich Fischer die ähnlich wie in Venezuela mit dem Erhalt ihrer Familien zu kämpfen haben, komplett ausgeraubt und durfte dann mit seinem Gewinn an dem Vorfall, einem gewaltigen Schock weiterfahren. Um einer solchen Erfahrung aus dem Wege zu gehen Segle ich mehr als 60 Seemeilen von der Küste entfernt. Durch den übertriebenen Abstand zur Küste versäume ich auch kein einziges großes Schiff, bis auf die Höhe der Insel Roatan zähle ich acht Frachter und ein schwimmendes Hotel die Norwegian Jade die ihre 300 Meter länge in Richtung Belize schiebt. Der Wind zögert mit seiner Übereinstimmung mit der Wettervorschau und bleibt mit 12 bis 16 Knoten unter meiner Erwartung. Das erste Etmal beträgt dadurch auch nur 122 Seemeilen.

Die erste Nacht war ganz gut beleuchtet vom zunehmenden Halbmond und verging Schnell. Windstärke und Wellengang waren angenehm genug um die fehlenden Stunden Schlaf vom Vortag nachzuholen. Ab 10 Uhr vormittags, genug Zeit um vorher ausgiebig zu Frühstücken, besinnt sich der Wind auf seine vorausgesagte Aufgabe und frischt auf 20 Knoten auf. Das Tagesetmal des zweiten Tages verbessert sich dadurch auf 150 Seemeilen. Am dritten Tag bin ich um 22 Uhr auf gleicher Höhe von den Cayos Cajones, ein Riffgebiet das zu Honduras gehörend sich circa 100 Seemeilen gegen Osten und fast 200 Seemeilen gegen Süden erstreckt. Eigentlich wollte ich dieses Gebiet umfahren weil es die Tiefe in diesem Gebiet meist nur zwischen 10 und 30 Meter liegt. Außerdem muss man auf die zahlreichen Riffe aufpassen was in der Nacht absolutes Vertrauen auf die eigenen Seekarten verlangt. Aber die Verlockung mehr als 150 Seemeilen Umweg einzusparen ist zu groß. Also Änderung vom bisherigen Ostkurs auf Südkurs. Meine Bedenken dass sich in dem seichten Gebiet möglicherweise eine unangenehme Welle aufbauen kann und zum Ablaufen im Notfall zu wenig Platz ist zerstreuen sich nach den ersten schwächeren Squells. Ausgerechnet gerade bei der Durchfahrt zwischen zwei Riffen erwischt mich ein Squell mit Windspitzen bis 34,4 Knoten. Der Wind der richtig Vorhergesagt aus Nord kommen sollte hat um 180 Grad gedreht und bläst nun aus Süd genau auf Bright Stars Nase. Ablaufen nach Norden auf der Strecke von der ich gekommen bin, da war auch kein Riff, ich muss nur dem Track auf meiner Karte folgen. Wieder einmal muss ich feststellen dass mein Boot zu lang ist, in dieser Rabenschwarzen Nacht mit Starkregen kann ich nicht einmal mehr die Spitze des Bugs sehen. Aber diese nichtvorhandene Sicht hat auch Vorteile, mögliche Piraten sehen mich auch nicht. Das erreichte Tagesetmal des dritten Tages von 142 Seemeilen entschädigt nicht die schlaflose aufregende Nacht.

Am vierten Tag ist alles anders, die Wolkendecke reißt auf und auch die Sonne schaut nach was es in diesem Teil der Welt neues gibt. Ein kleiner gelber Vogel hat sich zu mir gesellt und schaut sich neugierig auf dem Boot um. Das nächste Land, Nicaragua ist mehr als 80 Seemeilen entfernt und bis zu der vor mir liegenden Insel Providencia sind es noch circa 60. Das so ein kleine Vogel so weit fliegen kann, bei mir hat er jetzt eine Gratis Passage bis zum nächsten Land. Eine Zeit lang versuche ich den Kleinen klarzumachen dass sein Platz im Cockpit ist und nicht im Salon in den er immer wieder hineinfliegt. Der Enderfolg ist dass ich mit einem nassen Putztuch die schön verteilten Spuren seines nichtvorhandenen Schließmuskels beseitige. Aus einer kleinen Schale trinkt er etwas Wasser, mein Menü Zwieback Brösel lehnt er aber ab. Die Wettervorschau die da bin ich mir nun sicher ein Lehrling gemacht hat, stimmt wieder absolut überhaupt nicht. Statt des vorausgesagten Windes aus Nord mit 24 bis 27 Knoten kommt der Wind aus Süd mit 3 bis 5 Knoten, der Gegenstrom von 1 bis 2 Knoten versetzt mich wieder zurück. Gut sichtbar in etwa zwei Meilen Entfernung neben mir sind zwei Fischerboote, ich hoffe dass sie einen guten Fang haben und keinen Ersatz brauchen. Gegen Nachmittag ist dann das angesagte Wetter wieder zurück. Die Wolkendecke schließt sich und Wind kommt mit 20 bis 24 Knoten aus Nord. Das kurze Gastspiel der Sonne ist vorbei, eine dunkle Wolkenfront kommt immer näher. Pünktlich bevor es Dunkel wird beginnt es auch wieder in Strömen zu Regnen. Spät in der Nacht sehe ich die Lichter der Insel Providencia an der ich nur ein paar Meilen entfernt vorbeifahre. Am Wind gemessen muss ich mit den 69 Seemeilen Tagesetmal des teilweise Sonnigen und Windstillen Tages zufrieden sein.

5 erster Tag6 Vogel

 

 

 

 

 

 

Der fünfte Tag auf See beginnt nach einer zermürbenden Nacht. Ich konnte kaum Schlafen, mindestens zwanzig Mal habe ich meine gemütliche Schlafstelle im Salon verlassen um hinaus zu gehen, nach den rechten zusehen. Und jedes Mal sah ich das Selbe, nämlich nichts. Wind zwischen 24 und 27 Knoten, starker Regen und Haushohe Wellen die das Boot manchmal bedrohlich seitwärts versetzen. Es ist schon fast Vollmond aber bei dieser Wolkendichte kommt kein Lichtstrahl durch. Das Radarbild zeigt rundherum Regen und viele Punkte bedingt durch die hohen Wellen aber keine Gewissheit ob auch noch ein anderes Schiff hier draußen ist. Die letzte Meldung vom AIS war kein Kontakt mit dem Transponder. Fischerboote so wie die gestern gesehenen haben in Ländern wie diesen kein AIS. Zum Glück hat die Steigerung des Wetters auf noch schlechter bis zum einsetzenden Tageslicht gewartet, der Wind dreht vom Gemütlichen achterlichen Nord auf Südost und steigert sich auf 34 Knoten. Bright Star fliegt mit stark gerefften Segel mit neun bis elf Knoten über das Meer. Geschwindigkeit ist etwas Faszinierendes und bei glatter See ein schönes Erlebnis, aber bei hohen Wellen und schlechter Sicht tauscht die Begeisterung mit einem mulmigen Gefühl. Von 6 Uhr früh bis Mittags schafft Bright Star 62 Seemeilen, Knapp über 10 Knoten Schnitt, nicht schlecht aber mir ist es zu aufregend. Ich Reffe zum vierten Mal die Segelspitzen erreichen nun nur mehr die Hälfte der Mastlänge. Meine Hoffnung das sich das Wetter in den 24 Stunden die der Tag eben so hat ändert trifft leider nicht ein der Wind bleibt bei seinen Spitzen von über 30 Knoten und es scheint so als ob dass noch überflüssige Wasser der Regenzeit jetzt vergossen werden musste. Nach 24 Stunden schreibe ich trotz stark gereffter Segel mein Bestes Tagesetmal mit zurückgelegten 203 Seemeilen.

7 Gerefft8 Speed

 

 

 

 

 

 

Am sechsten Tag bleibt noch eine Reststrecke von 59 Seemeilen bis Puerto Linton. Immer noch segle ich mit 8 bis 10 Knoten durch den Regen. In diesem Gebiet ist für Heute Windstille angesagt. In diesem Fall ist es mir aber Recht dass sich der Wetterfrosch geirrt hat. 25 Seemeilen vor der Küste empfängt mich Panama wie ich es vom letzten Aufenthalt her schon gewohnt bin, Blitz und Donner bilden ein lautstarkes Empfangskomitee und der Wind bricht zusammen und dreht mit 3 bis 5 Knoten Kreise um mich noch endgültig von dieser fast Perfekten Fahrt zu überzeugen. Der Anker fällt um 15h in der geschützten Bucht von Linton und ich bin froh gut angekommen zu sein. Die Gesamtstrecke von Rio Dulce Guatemala war 851,9 Seemeilen, gesegelt in 6 Tagen und 9 Stunden inklusive 12 Stunden unter Motor für die ersten 27 Seemeilen, 2 Stunden unnötiger Versuch aus der Flaute zu kommen und die letzten 15 Seemeilen bis zum Ankerplatz in Puerto Linton.

9 Regen10 Regenfront