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2018-12-12 01:03

 

Jamaika

Die drittgrößte Insel in der Karibik gefällt mir vom ersten Augenblick an. Nach den trockenen ABC Inseln ist diese vom saftigen Grün überzogene Insel mit seinen hohen Bergen im Hintergrund für meine Augen wieder eine Wohltat. Vom Aussehen her ist die Insel vergleichbar mit Dominica, Saint Vincent oder Grenada.

Die Bucht von Port Antonio liegt wie ein Binnensee durch Hügel rundherum total geschützt, das Wasser ist Spiegelglatt und Sauber. Der Einziger Nachteil liegt hier darin dass man nicht Ankern darf und für die Benutzung einer Boje 20 USD pro Tag bezahlen muss. Enthalten ist im Preis die Benutzung der Sanitäranlagen Pool und auch jedes sonst noch  gewünschte Service.

1 Marina Port Antonio2 Marina Pool

Drei Boote liegen in der Marina und bezahlen dafür 40 USD pro Tag, mit mir weitere drei an Bojen vor der Marina. Als ich das erste Mal die Marina verlasse um in die nahe Stadt zu gehen lerne ich auf der ein paar hundert Meter langen Strecke gleich viele von meinen bis jetzt unbekannten Freuden kennen. Welcome in Jamaika, woher kommst du, ah Österreich cool man da hat jeder von ihnen auch Freunde. Und alle meine neuen Freund haben einen Freund der wiederum einen Freund hat der irgendjemanden kennt………….Ganja, ( Cannabis ) ist das erste was mir in Jamaika angeboten wird. Und weil ich alleine auf meinen Boot Lebe wird mir auch gleich erzählt, dass die schönsten Frauen auf der Welt hier leben, ein Wort genügt……….ich Antworte höflich mit Danke, was wiederum nicht verstanden wird weil ich gar keines ihrer Angebote will. Es dauert fast eine Stunde bis ich mit meiner Art schnell zu gehen alle hilfreichen Geister abgeschüttelt habe, sie warten auf mich in der Nähe vom Marina Eingang, bei der Hitze so schnell herumzulaufen ist hier verpönt.

Port Antonio ist eine kleine schmucklose Stadt, scheinbar leben nur schwarze Menschen hier, zumeist Rasta. Nach kurzer Zeit kennt mich hier jeder und ich bekomme einen eigenen Namen mit dem ich von allen angesprochen werde, white man. Es leben circa 3 Millionen Menschen auf Jamaika, 91 Prozent stammen von Afrikanischen Sklaven ab. Meistens wird Patois, Jamaika Kreolisch gesprochen, oft hört man Jah Mon, was soviel wie aber sicher, klar oder gut bedeutet. Für eine Erkundung der Insel möchte ich mir einen Leihwagen mieten, ist aber mit 60 USD nicht gerade billig und so frage ich bei einem meiner vielen Freunde nach. Sebar ist stolzer „Restaurantbesitzer“ und verfügt über ein eigenes aufgeschnittenes Fass auf Rädern von wo aus er in der nähe des Busbahnhofes seine Spezialität jerk chicken den vorbei gehenden Hungrigen anbietet. Kein Problem, er hat einen Freund mit Auto, der zeigt mir die ganze Insel. Wegweiser sind eine Seltenheit auf Jamaika und so sei es besser mit einem kundigen Einheimischen die Insel zu besichtigen. Wir einigen uns auf einen Preis von 5000 Jamaikanischen Dollar, das sind ungefähr 35 USD.

3 Port Antonio4 jerk chicken Restaurant

Am nächsten Morgen stehe ich um sechs Uhr früh vor der Marina und warte bei Strömenden Regen  bis kurz vor sieben als dann endlich mein neuer schwarzer Freund Sebar auftaucht und mich fragt wo das Auto sei. Er telefoniert, schimpft ziemlich und erklärt mir dann das in Jamaika nicht vieles wirklich genau funktioniert, und das es die Einheimischen mit der Zeit nicht all zu genau nehmen. Kurze Zeit später stoppt ein junger schwarzer seinen Wagen bei uns und unterhält sich mit meinem Vermittler. Der erklärt mir dass der Eigentümer des Autos 6000 haben will, es ist fast neu,  womit ich dann auch einverstanden bin. Der junge Mann gibt mir den Autoschlüssel in die Hand grüßt und geht.  Ich frage meinen Vermittler ob er mit dem Wagen fährt, der fragt mich wiederum ob ich keinen Führerschein habe, er hat keinen, kann auch nicht Autofahren dafür kennt er die Insel gut und sei ein guter Wegweiser. Sein „ Restaurant“ hat er für zwei Tage geschlossen um für mich Zeit zu haben. Er nimmt Platz auf dem Beifahrersitz und erkundigt sich ob in meiner Heimat links oder rechts gefahren wird. Egal, wenn jemand einen Führerschein besitzt muss er auf jeder Seite fahren können.

Die erste Stunde fahren wir auf einer relativ schön ausgebauten Straße in Richtung Ochos Rio der Küste entlang. Dann sagt mir mein einheimischer Führer ich soll nach  links in eine einspurige Straße abbiegen. Kein Verkehrsschild bestätigt mir seine Absicht mich auf den richtigen Weg zu den Blue Mountains zu bringen. Entlang eines Flusses schlängeln wir uns durch unzählige Kurven Bergauf. Mein erfahrener Führer greift vor jeder Kurve ins Lenkrad um die Hupe zu betätigen. So sei es richtig, damit weiß jeder andere Verkehrsteilnehmer dass wir kommen auch ohne dass er uns sieht. Nach circa 200 maligen Hupen ist meine Geduld am Ende, ich erkläre meinem Verkehrssachkundigen Führer das es in Europa üblich ist auf Sicht zu fahren, und man im unübersichtlichen Gelände so wie wir jetzt sowieso langsam fahren muss um jeder Zeit stehen bleiben zu können. Außerdem ist uns schon eine Stunde lang kein anderes Fahrzeug entgegengekommen, vor der nächsten Kurve greift er mir wieder in das Lenkrad um zu hupen. Jetzt reicht es mir, ich stoppe den Wagen  und halte meinem so Sachkundigen Beifahrer den Autoschlüssel hin und erkläre ihm die folgenden drei Möglichkeiten. Er kann jetzt aussteigen und zu Fuß weiterlaufen, oder er übernimmt den Wagen und bringt ihm zurück, oder er greift mir nie wieder in das Lenkrad um zu Hupen. Nicht sehr erfreut akzeptiert er die letzte Möglichkeit, weist mich aber darauf hin dass wir jetzt für den Gegenverkehr eine unsichtbare Gefahr sind. Unser Ziel, der ist der höchste Punkt Jamaikas der 2256 Meter hoch gelegene Blue Mountains Peak. Mit dreißig bis vierzig Stundenkilometer rauschen wir auf der meist einspurigen mit Löchern übersäten Straße vorbei an Kaffeeplantagen und trotz des bewölkten Himmels bieten sich fantastische Ausblicke auf die umliegenden Berge und Täler.

5 Kaffee Blue Montains6 Blue Montains

Den Bewohnern der meist ärmlichen Häuser sieht man an das sie an Luxus nicht gewohnt sind, eine Frau hält uns an und bittet uns ihr Kind in die Schule mit zunehmen. Nach einer halben Stunde wird das nächste Kind in den Fond des Wagens gesetzt. Die beiden Kinder gehen in dieselbe Klasse, die Schule soll nicht mehr weit entfernt sein. Etwa zwei Kilometer vor der Schule überholen wir die Lehrerin die zu Fuß unterwegs zu ihrem Arbeitsplatz ist. Wir fragen die Kinder ob wir sie auch mitnehmen sollen und beide Antworten Lachend nein, sie soll gehen. Dankbar nehmen sie zum Abschied noch eine Packung Kekse die ich als Notration mithabe und laufen die letzten Meter zur Schule. Ich würde gerne zuhören wenn sie den anderen Kindern ihr Erlebnis erzählen, vom white man im Auto zur Schule gebracht.

7 Blue Montains8 Schulmaedchen

 

Wir machen Halt bei einer Polizeistation und mein Begleiter erkundigt sich ob die Straße zum Peak befahrbar ist. Eine nette Polizeibeamtin schaut sich unsern fahrbaren Untersatz an und meint dann das sei mit einen normalem Auto unmöglich. Vielleicht mit einem Jeep, auf jeden Fall müsste er viel Bodenfreiheit haben und Allradgetrieben sein. Außerdem hätte es bei dem vielen Regen in letzter Zeit einige Straßen weggeschwemmt. Ich sage zu meinem Begleiter wir ändern unser Ziel und fahren in die Hauptstadt nach Kingston.

Er weist mir den Weg und ich frage ihn ob er sich sicher sei, das was halbwegs nach einer Straße ausgesehen hat ist vor kurzem links abgegangen, und wir befinden uns so wie es aussieht auf einem Esel Pfad. Na ja, mein Augenarzt sagt auch immer schau ma mal, umdrehen kann ich immer noch. Der Weg wird immer schlechter, in der Mitte plätschert ein kleiner Bach und die Tiefe der mit Wasser gefüllten großen Löcher loten wir mit Stäben bevor ich sie durchfahre. Dann kommt ein Fluss, keine Brücke weit und breit und das gurgelnde Wasser das über die Furt strömt bedeutet für mich im ersten Augenblick das Ende der Gipfelerstürmung mit dem Auto. Ich durchwate die Furt um die Tiefe, glitschige Stellen und die Strömung zu kontrollieren. Das Wasser ist kniehoch aber nicht so reißend wie es aussah. Mein Begleiter zieht es vor seine Füße nass zu machen und durchquert den Fluss vor dem Auto. 50 Meter Flussabwärts verschwindet der Fluss in einem ein paar Meter hohen, oder je nach Betrachtungsweise, tiefen Wasserfall. Nicht zu langsam aber auch nicht zu schnell fahre ich mit dem Auto etwas gegen die Strömung und erreiche ohne weite Probleme die andere Seite des Flusses.  Mein Sachkundiger Führer und Wegweiser lobt mich und meint ich sei ein sehr guter Fahrer und Mutig. Ich denke mir ich bin der größte Esel der je diesen Weg benutzt hat.

9 Flussdurchfahrt10 Blue Montains

Der Weg wird noch schlechter, Umkehren drängt sich immer stärker in meinen Kopf, aber noch einmal durch den Fluss, und drei Stunden sind schon seit der letzten Weggabelung vergangen. Nach einigen Malen Aufsitzen sieht mein Begleiter ein, das eine Gewichtsverringerung dem Wagen zusätzliche Bodenfreiheit verschaffen würde und er geht nun wenig Begeistert vor dem Auto. Wir erreichen den höchsten Punkt an den die Straße führt und hätten jetzt nur noch circa 300 Höhenmeter zum Gipfel des Peak. Ein paar Häuser bilden hier einen kleinen Ort und sofort sind einige Kundige Bergführer zur Stelle um uns mit geländegängigen Motorrädern auf den Gipfel zu bringen. Mit dem Hinweis das durch den leichten Regen die Sicht vom Gipfel nicht gut genug sei, lehne ich dankend ab. Mir schaudert bei den Gedanken mit einem Motorradkünstler ohne Helm nur auf dem Hinterrad den Gipfel zu erstürmen.

11 Letzter Ort Blue Montains12 Blue Montains

Der Weg auf der anderen Seite des Berges hinunter ist wieder ein Geduldspiel. Mittlerweile schaffe ich es aber ganz gut auch auf nur drei Rädern zu fahren um so die tieferen Rinnen die das Wasser gebildet hat zu überqueren. Als dann die ersten ausgebesserten Straßenstücke auftauchen ist es nach langer Zeit wieder möglich den zweiten Gang einzulegen. Nach erreichen der sogenannten Zivilisation, befestigte Straßen mit den normalen Schlaglöchern, werden wir von neuem am raschen Vorankommen gehindert. Einige Male muss ich anhalten, mein Beifahrer hat trotzdem das er ein Schwarzer ist ein sehr blasses Gesicht. Ihm ist fürchterlich schlecht und er übergibt sich mehrmals. Die vielen Kurven und das ständige durchgeschüttelt werden im Auto haben ihm gar nicht gefallen.

Nach Einbruch der Dunkelheit kommen wir zurück nach Port Antonio und ich bin froh darüber den jungen Mann sein Auto unbeschädigt zurückgeben zu können. Mein Führer möchte mir am nächsten Tag noch einen anderen sehr Interessanten Teil von Jamaika zeigen, aber ich lehne Dankend ab.

Am späten Vormittag des nächsten Tages gehe ich zum Busbahnhof um mich bezüglich Abfahrtszeiten und Fahrpreis nach Kingston zu erkundigen. Nach zehn Minuten sitze ich in einem Bus der direkt in die Hauptstadt fährt. Die zwei Stündige Fahrt kostet weniger als zwei Euro, rasant aber gegen die gestrige Fahrt sehr erholsam.  Der Fahrer kennt alle Schlaglöcher auf der Strecke und er Hupt vor jeder Kurve. Müllentsorgung funktioniert so wie in Panama, was nicht mehr gebraucht wird fliegt aus dem Fenster des fahrenden Buses.

13 Kirche Kingston14 Kingston Obst

Die Hauptstadt Kingston Town ist eine Großstadt, Verkehrsstau Hochhäuser und unzählige Menschen die alle irgendetwas verkaufen wollen um ihr Überleben zu sichern. Ich schlendere durch das Bunte Gewirr in den Gassen der Altstadt und frage mich schön langsam durch zu meinem eigentlichen Ziel hier. Ich will das Bob Marley Museum besuchen. Dort angekommen schließe ich mich einer Führung an die ein witziger junger Rasta leitet. Er macht seine Aufgabe sehr gut, erzählt viel über Bob Marleys Leben. Im Haus das Bob Marley mit seiner Familie bewohnte herrscht eine spürbare eigenartige Stimmung. Als dann auch noch die Bekanntesten Lieder des Künstlers von dem jungen Rasta angestimmt und von der Gruppe begeistert mit gesungen wird füllen sich meine Augen mit Tränen. Bemerkenswert fand ich auch eine Vergrößerung eines Bildes in Bob Marleys Schlafzimmer über seinem Bett. Ein Heiligenbild, so wie früher oft auch bei uns ein Bild von Jesus zur Hausausstattung gehörte. Unter den Rastafari herrscht die Auffassung, dass Gott drei Mal in Gestalt eines Menschen auf Erden erscheint. Das Bild zeigt den Dritten und letzten, Haile Selassie Kaiser von Äthiopien.

15 Bob Marley Museum Rita Marley16 Bob Marley Museum

Rastafarianismus ist eine in den 1930er Jahren in Jamaika entstandene, heute weltweit verbreitete Glaubensrichtung, die dem Christentum entsprungen ist. Die Bewegung lehrt die Göttlichkeit Haile Selassies. Es gibt eine eigene Äthiopische Bibel, die echte Rastafari meist im schatten eines Baumes sitzend lesen. Ganja ( Cannabis ) wird konsumiert um beim Meditieren oder Nachdenken nachzuhelfen. In Anlehnung an die Offenbarung des Johannes, „und die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker“ wird Hanf auch als healing oft the nation, Heilung der Völker bezeichnet. Einige Rastafaris tragen Dreadlocks und ungestutzte Bärte als Ausdruck ihrer Verbundenheit mit Gott. Die Dreadlocks sind außerdem ein Symbol für Naturverbundenheit und erinnern an die Mähne des Löwen von Juda.

Am 2. Juni 2014 entschied die Jamaikanische Regierung kleine Mengen Marihuana für den privaten, den medizinischen oder wissenschaftlichen Gebrauch zu entkriminalisieren. „ Too many of our young peaple have ended up with criminal convictions after being caught with a spliff, something that has affected their ability to do things like get jobs and get visas to travel overseas“

Eine ungeheure Erleichterung für die Polizei von Jamaika, weil sie sonst ja fast die ganze Bevölkerung einsperren müssten. Ich selbst sah einige Leute irgendwo sitzen oder liegen mit einem Lächeln im Gesicht total entspannt und scheinbar sehr glücklich, sie selbst haben mich in meiner Welt nicht einmal wahrgenommen. Dazu fällt mir der Text eines Liedes von Bob Marley ein:

DON’T WORRY ABOUT A THING, CAUSE EVERY LITTLE THING GONNA BE ALRIGHT, SINGING“ DONT WORRY ABOUT A THING, CAUSE EVERY LITTLE THING GONNA BE ALRIGHT.

RISE UP THIS MORNING SMILED WITH THE RISING SUN THREE LITTLE BIRDS PITCH BY MY DOORSTEP SINGING SWEET SONGS OF MELODIES PURE AND TRUE, SAYING „THIS IS MY MESSAGE TO YOU“

Nach einer Woche verabschiede ich mich von Port Antonio und segle 4 Tage entlang der Nordküste. Geschütze Ankerplätze gibt es genug, der ruhigste vergleichbar mit Port Antonio ist in einer großen Lagune bei Montego Bay. Der Weg in die Stadt ist weit, ein quirliger schmutziger Ort, ein Besuch reicht.

17 Montego Bay Ankerplatz18 Montego Bay

Ab hier verändert sich auch die Landschaft, das schöne Grün des Regenwaldes bleibt bei den Bergen zurück. Der westliche Teil der Insel ist flach und farblos. Mein letzter Ankerplatz in Jamaika liegt vor dem 11 Kilometer langen Sandstrand von Negril. Hier bin ich nicht mehr der einzige withe man, Negril ist der Haupturlaubsort und den ganzen Strand entlang reiht sich ein Hotel an das andere. Von einen neuen Freund, er nennt sich African, bekomme ich ein Angebot hier zu bleiben und mit ihm zu arbeiten. Es gibt viele Touristen aber nur wenige Boote für Tagescharter, er möchte dass ich für ihn die Bucht täglich auf und ab segle. Auf meine Frage wie wir die dafür notwendige Genehmigung bekommen antwortet er mir, kein Problem er kennt die zuständigen Beamten und beteiligt sie am Gewinn. Und außerdem sei mit Schmiergeld in Jamaika alles möglich.  

19 Negril Strand20 Jamaika Rasta Artist