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2018-12-10 15:08

 

Überfahrt Martinique ABC Inseln

  1. Mai 2017, um 6h30 beginnt mein heutiger Tag. Gestern Abend wurde es wieder einmal spät, es gab Lamm Stifado mit reichlich Rotwein. Eva und Hans, die Crew von der Tongaroa und ich haben den letzten Tag in Martinique noch einen genussvollen Abschluss verpasst. Wir wollen Morgen gemeinsam die 450 Seemeilen zu den Niederländischen ABC Inseln Segeln.

Nach dem Aufräumen und putzen der Küche geht es noch ein letztes Mal mit dem Dinhgy nach St Pierre. 2 Baguette und frisches Gemüse gekauft, noch ein kurzer Aufenthalt im Internetcafé, Wetter passt für die nächsten Tage, es kann also losgehen.

Anker hoch um 10h30 bei leichtem Regen, Genua gesetzt, 10 Knoten Wind aus Ost, langsam entferne ich mich von der Insel mit Kurs West. Nach 3 Seemeilen schläft der Wind ein und fast 3 Knoten Gegenströmung bremst die Fahrt beträchtlich ein. Bright Star läuft unter Zuhilfenahme eines Motor gerade noch 2 Knoten Geschwindigkeit. Das wären dann noch circa 10 Tage und Nächte bis zum 450 Seemeilen entfernten Ziel.

Nach mühevollen 23 Seemeilen erhalte ich um 16h einen Funkspruch von der Tangaroa die ungefähr eine Meile hinter mir läuft. Ihr Autopilot funktioniert nicht mehr und Hans versucht die Ursache zu finden. Mehr als 400 Seemeilen, 4 bis 5 Tage und Nächte händisch zu steuern, möchten die beiden verständlicherweise nicht. Sie fahren zurück nach Martinique, wollen Le Marin ansteuern wo eine Reparatur am wahrscheinlichsten ist. Ich beschließe auch zurück nach Martinique zu segeln und in St Anne auf die beiden zu warten.

Kurs nach Osten 40 Meilen gegen Passat, Wellen und Strömung. Die beiden Motoren zurück in den Schutz der Insel, mit beiden Motoren sind bei diesen Bedingungen anstatt 6,5 nur 3,5 Knoten Speed möglich. Ich entscheide mich für die längere Strecke des Aufkreuzens zurück,  zuerst Segle ich bis kurz vor St Lucia um den Rest bis St Anne hart am Wind zurück zu segeln. Bei Windstärke 25 bis 30 Knoten schneidet Bright Star durch die mehr als zwei Meter hohen Wellen. Großsegel und Genua gerefft, das Logg zeigt 10,6 Knoten Speed durch das Wasser an, Geschwindigkeit über Grund aber nur 6,5. Die von mir bis jetzt größte gemessene Gegenströmung von 4,1 Knoten verwundert mich, hier hätte ich nicht damit gerechnet. Durch das zurückversetzen der Strömung muss ich öfter Aufkreuzen als ich angenommen habe, um erreiche nach 132 Seemeilen meinen Ankerplatz neben der Tangaroa erst um 10h des nächsten Tages. Unter Motor ist die Tangaroa schon um 2h morgens angekommen. Die direkte Strecke von St Pierre nach St Anne wäre 29 Seemeilen gewesen.

1 Martinique2 Sonnenuntergang

Nachdem Hans den Kompass und den Computer ihrer Selbststeueranlage ausgebaut hat fährt er gemeinsam mit Eva zur Raymarine Vertretung nach Le Marin. Ich nutze inzwischen die Zeit um meine verbrauchten Kräfte der letzten schlaflosen Nacht wieder zu ersetzen. Als die Beiden wieder zurückkommen bin ich wieder ausgeruht und erfahre dass Raymarine das Problem mit dem Autopiloten kennt und die Geräte repariert morgen wieder eingebaut werden können.

So habe ich noch einmal die Gelegenheit St Anne und Le Marin zu besuchen und etwas Geld bei den vielen dort ansässigen Bootsausrüstern zu deponieren. Nachdem der Autopilot wieder eingebaut ist und klaglos funktioniert starten wir unsere Überfahrt am 7. Mai um 10h.

Kein besonders schöner Tag, viel Regen aber dafür wenig Wind 8 bis 15 kn aus Ost sorgen dafür das ich den Blick zurück zu der Insel Martinique noch länger genießen kann. Ein großer Tanker mit 240 Meter länge kreuzt unseren Weg vor St Lucia ansonsten vergeht der erste Tag der Überfahrt ohne besondere Vorkommnisse. Die Idee von Hans in der Nacht das Ankerlicht zusätzlich zur Fahrtbeleuchtung aufzudrehen erweist sich als sehr gut. Ich kann die Tangaroa so bis zu fünf Meilen weit sehen. Die Positionslichter bei kleineren Booten meist an der Reling montiert sind in den zwei Meter hohen Wellen hier maximal zwei Seemeilen zu sehen.  Am nächsten Tag morgens um 10h schreibe ich ein Tagesetmal von 126 Seemeilen in das Loggbuch.

Der zweite Tag ist Karibisch schön. Blauer Himmel und Wind 12 bis 16 Knoten schieben Bright Star Westwärts. Ungefähr 20 Delfine begleiten Bright Star und unterhalten mich eine Zeitlang mit Sprüngen aus dem Wasser. Bright Star zieht unter Großsegel und Genua mit 5 bis 6 Knoten ihre Spur durch das dunkel Blaue Meer. Die Tangaroa segelt nur unter Genua, Hans stört das Schlagen des Großbaumes durch die Bewegung des Schiffes in den Wellen. Ich habe vor einigen Jahren eine zweite Großschot montiert, anstatt der Travellerschiene, und mit diesem Dreieck läßt sich der Großbaum leicht ruhigstellen. Keine Sichtung eines anderen Schiffes außer der Tangaroa die etwa eine Meile entfernt segelt. Leichte Gegenströmung lässt das Tagesetmal auf 99 Seemeilen zurückfallen.

3 Tangaroa4 Grossschot 2x

Am dritten Tag stellt sich meine gewohnte Vollkommene Entspannung auf hoher See ein. Klassische Musik, Symphony No 6 von Ludwik van Beethoven, untermalt vom Rauschen des Meeres, unterstützt durch angenehmes Wogen des Schiffes in den Wellen lässt mich meine Zufriedenheit und wunschloses Glücklich sein spüren. Es ist wieder Zeit um ungestört nachzudenken die Gedanken uneingeschränkt fliegen zu lassen. Als das schönste Lied für den Namen Maria, Ave Maria, aus den Lautsprechern klingt fallen meine Gedanken weit zurück in meine Kindheit. Ich erfüllte meine Mutter mit stolz als ich das erste Mal in der Kutte als Ministrant in der Kirche dienen durfte. Damals wurde uns Ministranten vom Pfarrer aufgetragen die Texte der heiligen Messe auswendig zu lernen. Alles in Lateinischer Sprache, ich verstand kein Wort davon. Für mich eine schwierige Sprache die so dachte ich damals Gott sei Dank den Priestern und Ärzten vorbehalten war. Die Kirche konnte damit Länderübergreifend Kommunizieren und die einfachen Menschen mussten nicht alles verstehen, Hauptsache sie haben Respekt und gehorchen. Dabei ist die Sprache eines der Wichtigsten Werkzeuge des Menschen, warum haben die klugen Leute von damals nicht Wert darauf gelegt das sich jeder mit jedem versteht. Meiner Meinung nach hat die Aufteilung der Güter der Welt zwischen den Portugiesen, Spaniern und der Kirche mehr geschadet als genutzt. Allerdings wurde sie davon aber auch Reich und noch mächtiger. Die Beutezüge der Kreuzritter in Christus Namen waren nicht wirklich eine Hilfe für eine Stärkung der Glaubensgrundlage. Mit vielen Verboten versuchte die Kirche ihre Schäfchen zu lenken, bei Verstößen musste so mancher mit seinem Leben bezahlen. Die Liebe Christi musste hart erkämpft werden. Heute versucht die Kirche eine verständliche Sprache zu verwenden, aber für erfolgreiche Bekehrungen wie in der Vergangenheit müsste man große Teile der Geschichte streichen. Wenn mein Religionslehrer Hochwürden Kügler, Pfarrer meiner Heimatgemeinde, mich jetzt so hören könnte würde ich wieder schmerzliche Bekanntschaft mit dem Rohrstab machen den er so gerne einsetzte um die Aufmerksamkeit seines faulen Schüler zu stärken.

Der Wind hat weiter nach gelassen 10 Knoten aus Ost, dafür hat eine Strömung mit zwei Knoten in Richtung ABC Inseln eingesetzt. Ein Tanker, die  MTM North Sound zieht 14 Meilen entfernt vorbei mit Ziel Itaqui. Kurze Zeit später kreuzt ein Cargo mit Namen Swan meine Linie. Die Geschwindigkeit von Bright Star und Tangaroa fällt, mit der Strömung nur mehr 4 Knoten über Grund. Eva funkt mich an mit neuen Ankunftszeitberechnungen. Sie wollen nicht riskieren noch eine zusätzliche Nacht auf der Strecke verbringen zu müssen und erhöhen ihre Geschwindigkeit mit Motorsegeln. Es dauert nicht lange und sie sind vom Horizont verschwunden. Bei einem Kontrollrundgang finde ich Blinde Passagiere, zwei Fliegende Fische im Trampolin. Der schwache Wind ist nun gerade richtig um den Spinnaker zu setzen. Zum zweiten Mal in den letzten 5 Jahren hier in der Karibik. Ich merke beim setzen das ich schon einige Handgriffe vergessen habe. Nachdem er oben ist und gut eingestellt segle ich mit 7 Knoten Speed in die Nacht hinein. Als scheinbarer Wind zeigt der Windmesser noch 2,8 Knoten achterlich an.

5 Fliegende Fische6 Spinnaker

Vor mir das Abendrot und achterlich der aufgehende Vollmond. Ein Segelvergnügen der besonderen Art, schade das hier in der Karibik meist zu viel Wind bläst und damit Segeln unter Spinnaker zu gefährlich ist. Momentan läuft Bright Star wie auf Schienen, hoffentlich hält das die ganze Nacht so. Um 21h hört der mitlaufende Strom wieder auf und Bright Star verliert damit einen Knoten an Geschwindigkeit. Die Schifffahrtstrasse nach Südamerika und Afrika macht sich bemerkbar, Der Verkehr wird dichter, 4 Schiffe zeigt das AIS an, darunter auch wieder die Tangaroa. Die 272 Meter lange Monte Pascoal mit Ziel Aratu Brazil, kreuzt um 23h30 eine halbe Seemeilen entfernt meinen Kurs. Da ich ein Ausweichmanöver unter Spinnaker vermeiden möchte Funke ich sie Vorsichtshalber auf Kanal 16 an und frage ob man mich auch sieht. Nach kurzem Zögern bekomme ich die Bestätigung dass ich keinen Schaden an ihrem Schiff anrichten werde.

2h30, aus der Traum vom schnellen Dahingleiten unter Spinnaker.  Auf der Höhe von den zu Venezuela gehörenden Insel Islas de Aves Wind hat gedreht und kommt jetzt aus 90°. Das Bergen und verstauen bei Vollmond war leichter als das Setzten. Die Tangaroa taucht jetzt wieder hinter mir auf und nützt den stärker werdenden Wind um so wie ich auch unter Genua und Grosssegel die letztenh 40 Seemeilen bis zur Südspitze von Bonaire zu segeln.

10h Umrunde Südspitze von Bonaire. Etmal der letzten 24 Stunden 132,7 Seemeilen. Das erste was ich von der Insel gesehen habe war der Leuchtturm. Die Insel selbst ragt nur wenige Meter aus dem Meer, und deshalb sieht man sie erst aus kürzerer Distanz. Noch knappe 9 Meilen bis zum Bojenfeld vor der Stadt Kralendijk. Um 12h15 hängt Bright Star mit zwei Ankerleinen an einem Betonblock.

Die gesegelte Strecke von Martinique, St Anne beträgt über Grund 468,9 Seemeilen. Zeit und Durchschnitt rechne ich lieber nicht, aber es war sehr gemütlich……………

7 Erster Blick auf Bonaire8 Bonaire Ankerplatz