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2018-12-10 15:12

Wie alles begann. ( Entstehung des Seglervirus)

Als gestresster Unternehmer, Fotograf mit sechs Mitarbeitern, nahm ich jede mir bietende Gelegenheit wahr, um den Arbeitsalltag zu entfliehen. Einladungen von großen Firmen für besonders gute Zusammenarbeit (Umsatz), sind eine willkommene und unschlagbar günstige Alternative um andere Kontinente kennen zu lernen. Auf einer dieser Reisen lernte ich eines Tages meinen Freund Edi, ebenfalls Fotograf , aus Kärnten in einem Camp in Chitwan Nationalpark Nepal kennen. Nach vielen Besuchen in Edis schöner Heimat, und gegenbesuchen bei mir in Niederösterreich wo sich unsere Freundschaft vertiefte, kam wieder eine große Einladung. Der große grüne Fotoriese veranstaltete eine Ballonfahrt in Afrika beim Kilimandscharo. Aufgrund einer größeren Investition wurden mir für diese Reise sogar zwei Plätze zugesprochen Edi bekam ebenfalls eine Einladung.

Vorfreude war zum überlaufen gespeichert als plötzlich aus dem Nichts für mich unbegründet die Absage für meinen zweiten Platz kam. Zu viele Teilnehmer sagte der Fotoriese, als Antwort sagte ich, der Fotozwerg, dann fahr auch ich nicht, verzichtete Dankend auf vierzehn Tage Gratisurlaub auf Ballonfahren, Kilimandscharo und was uns sonst noch von Afrika geboten worden wäre.

Nachdem Edi davon erfuhr legte auch er seinen bereits gebuchten Platz zurück. Es als Vorteil betrachtend, einmal nicht von bis zu einhundert Fotokollegen umgeben zu sein, buchten wir kurzerhand als Ersatz zwei Plätze in einer der nagelneuen triple seven des Österreichers mit dem roten Käppchen Ziel Sydney Fünfundzwanzig Tage Australien schien uns ein passender Ersatz für die verpassten zwei Wochen Afrika.

Mit einem Leihwagen wollten wir dann der Küste entlang bis Cairns und retour nach Sydney.

Sie haben nicht reserviert ? Etwas verwundert, war ich es doch gewohnt von meinen zahlreichen Amerikareisen, alles zu bekommen solange die Kreditkarte mitspielt, und nun teilte uns ein Autovermieter nach dem anderen mit kein Auto freizuhaben. Wir mussten ob wir es nun wollten oder nicht vom Flughafen in die Stadt hinein, wo wir nach einer knapp zwanzig stündlichen Suche einen Kombi mit sechsstelliger Kilometerzahl am Tacho fanden. Die Auswahl auf dieses einzige Gefährt eingeschränkt, lies unsere Entscheidung rasch fallen um endlich die Stadt verlassen zu können. Abwechslungsreiche Landschaften, für unsere Europäischen Augen eine Wohltat, Bananenplantagen, Zuckerrohrfelder, Eukalyptuswälder wir fuhren durch Savannen, sahen die ersten Kängurus. Jedes mal wenn das Meer in Sichtweite kam, (das war sehr oft wir fuhren entlang der Küstenstraße) schwärmte Edi vom Segeln. Der Wind schiebt das Boot ganz sacht vor sich her, leichte Wellen plätschern beruhigend, wir könnten die Inseln vor dem Festland ergründen, nur wir zwei abseits des Turistenrummels. Nur noch zwei Kleinigkeiten waren aus dem Wege zu räumen. Ich war noch nie auf einem Segelboot, meine Hochseeerfahrung beschränkte sich auf Fährboote, Überfahrten nach England, Dänemark und Schweden. Edi versicherte mir Seekrankheit sei bei ruhiger Fahrt gar kein Thema, und wenn dann sowieso gleich wieder vorbei. Das zweite Problem Edis Sprachkenntnisse waren auf Deutsch und Kärntnerisch eingeschränkt. Meine bescheidenen Englischkenntnisse auf Reisen erlangt müssten also ausreichen um alles zu organisieren. Edis Erzählungen von der Teilnahme an einer Regatta in Kroatien schoben meine letzten Zweifel ins Himmelblaue über uns.

Im nächsten Hafen ging ich auf Erkundung. Es musste doch möglich sein von den vielen Schiffen die da lagen eines zu Mieten. Ich fragte einen Seemann, alle Personen hier im Hafen sahen für mich aus wie echte Seemänner, It is possible tu Rent a Boot? Yes antwortete er mir, but not on dies Place you must go und so erklärte er mir mühevoll das hier nur private Yachten liegen und der nächste Segelbootsverleih ungefähr zweihundert Kilometer weiter Nördlich liege. Kein Problem wir wollten sowieso in diese Richtung. Vier Stunden später sitzen wir in einem klimatisierten Büro und suchen unsere Urlaubsyacht aus einem Katalog aus. Jetzt brauchen wir nur noch auf den nächsten Morgen zu warten, ich soll ein Briefing absolvieren, und dann kann es losgehen. Frühmorgens gingen wir noch schnell Einkaufen, in unserer Plastiktasche befand sich ein Liter Wasser und ein kleines Brot, gleich darauf eilten wir zum Bootsverleiher unsere kostbare Urlaubszeit sollte nicht unnütz verstreichen. Nach dessen Mitteilung unser Briefing entfällt, Sturm wird für die nächsten Tage erwartet, und er kann uns unmöglich hinauslassen, verlassen wir Kopfschüttelnd sein Büro.

Die Sonne schien vom blauen Himmel, das Meer lag ruhig da, und es ging fast kein Wind. Der Vermieter hat wohl gemerkt das ich vom Segeln absolut keine Ahnung habe. So ein Feigling eigentlich müsste ja ich Angst haben nicht er.

Jetzt will ich auf gar keinen Fall mehr ohne auf einen Segelschiff mit meinem Freund Edi unterwegs gewesen zu sein nach Europa zurückkehren. Wir beschließen an einem anderen Ort es erneut zu versuchen. Ein paar Stunden nach unserem Aufbruch, wir fuhren weiter Richtung Cairns, zogen rasch dunkle Wolken auf, starker Wind und es beginnt zu schütten wie aus Kübeln. Woher der Bootsvermieter das damals gewusst hatte war mir ein Rätsel. Langjährige Erfahrung eines Einheimischen war unsere Erklärung dafür.

Nun entschieden wir uns erstmals in das Landesinnere zu Fahren, in der Wüste Regnet es sicher nicht. Staub Hitze und die immer größer werdende Sehnsucht nach dem Meer drängten uns ein paar Tage später wieder zurück.

In Whitesunday, einer kleinen Stadt quartieren wir uns ein, von hier aus fahren viele Schiffe zum Great Barrier Riff, das größte Riff auf der Erde sollten wir uns nicht entgehen lassen. Ein schnelles Luftkissenboot soll uns morgens um acht mit vielen vielen anderen Leuten hinausbringen. Beim spazieren gehen durch die Hauptstraße stört uns beide die Hektik und der Lärm der Menschen, ein Restaurant neben dem anderen, Diskotheken und überall laute Musik.

An dem von der Ebbe trockengelegten, dunklen steinigen nicht sehr einladenden Strand, ist die störende Unruhe der Stadt ganz leicht abzuladen. Wie schön muss es erst auf den Inseln da draußen sein? In meiner Fantasie gibt es da die schönsten weißen Sandstrände, kristallklares Wasser und die Stille wird durch das Singen von exotischen Vögeln bereichert. Als wir so vor uns dahinträumen, beobachte ich einen Mann der mit einem Beiboot von seinem Segelschiff in Richtung Strand fährt. Ich gehe zu ihm und frage ob er vielleicht weiß wo man ein Segelschiff mieten könnte. Er lacht, ich bin etwas verunsichert wegen meiner geringen Englischkenntnisse, dann sagt er wir hätten Glück er arbeite bei einer Carterfirma. Morgen am späten Nachmittag solle ich mich im Yachthafen mit Mr. M. von seiner Firma treffen

Am nächsten Morgen sehen wir gerade noch das immer kleiner werdende Heck unseres Ausflugsschiffes auf dem Weg zum großen Riff. Dabei haben wir doch nur eine halbe Stunde verschlafen. Unsere Euphorie wegen des bevorstehenden Segelabenteuers ist so groß, das wir uns wegen des versäumten Bootsausfluges mit den vielen anderen Leuten nicht einmal ärgern. Auf einer Erkundungsfahrt mit dem Leihwagen in der Umgebung der Stadt sehen wir einen kleinen Flughafen. Das wäre doch ein guter Ersatz oder? Ich erkundige mich wegen eines Wasserflugzeuges und zwanzig Minuten später sind wir schon unterwegs zum Great Barier Riff. Zwischen blauen Himmel und blauen Meer dahinschwebend öffnet sich für unsere Augen ein großartiger Genuss. Wir überfliegen unzählige kleinere Inseln, und genau so wie in meiner Fantasie, sind sie umgeben mit weißen Sandstränden und des Wassers Farben reichen vom dunklen Blau ins helle Blau und dann über viele Grün Töne ins Glasklare wo man bunte Fische selbst vom Flugzeug zu erkennen glaubt.

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Nach etwa einer Stunde Flugzeit sehen wir das Riff, es ist unglaublich. Mitten aus dem Meer, etwa zweihundert Kilometer vor der Küste Australiens, wachsen Korallen bis einen halben Meter unter der Meereshöhe. Ein Faszinierender scheinbar endloser Streifen, in leuchtenden Blau und Grüntönen. Fast lückenlos wie die Mauer um eine Festung liegt es unter uns mehr als zweitausend Kilometer lang. Die Gischt der Brandung auf der Außenseite ist vom Flugzeug aus schön zu sehen. Die Wellen die auf ihren langen Weg über den Pazifik sicher nicht immer so friedlich wie heute dahinschaukeln, brechen mit Getöse an der unüberwindlichen Wand. Ich denke an Schiffe, wie viele mag dieses Riff schon verschluckt haben. Angst, nein, wir fahren mit unseren Segelboot sowieso nicht soweit heraus.

 

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Unser Pilot drückt nun das Wasserflugzeug hinunter, ein paar kurze Sprünge durch das wild aufspritzende Wasser, etwas Spektakulär aber eine sichere saubere Landung. Ein Motorboot diente als Badeplattform, das Flugzeug wurde mit einer Festmacherleine angebunden. Mit dem Boot wurden wir zu einem besonders schönen Platz geführt. Das Flugzeug an der Leine hinter uns erinnerte mich an das Gassigehen mit einem Hund. Große Fenster die unter der Wasserlinie des Boots angebracht waren ermöglichten uns einen Unterwasserspaziergang ohne nass zu werden. Noch schöner erschienen uns die vielen verschiedenen Korallen und Massenhaft herumschwimmende Fische dann beim Schnorcheln. Wir mussten uns losreißen von dieser Wunderwelt um unseren Kapitän keinen Korb zu geben, er hatte die Zeit die er auf uns wartete genutzt um Essen und Trinken herzurichten. Er wechselt nun wieder seinen Job von Kapitän zu Pilot, wir müssen zurück, unsere Begeisterung für die Inseln von oben ist ihm nicht entgangen

Über die Interessantesten dreht er noch Zusatzrunden.

Am späten Nachmittag sind wir wieder zurück und fahren sogleich in die Marina. Ich treffe Mr. M. und versuche ihm zu erklären, das ich nicht im Besitze eines Bootsführerscheines bin. Worauf mich nun der Aussie fragt, willst du nun ein Boot oder nicht? Natürlich will ich, aber was ist wenn, und wie ,und dann noch was muss ich tun.

Der Aussie versteht mich nicht, für ihn der auf Booten aufgewachsen ist, ist das alles wie für uns Radfahren. Also jeder kann mit einem Boot fahren. Na ja fast jeder, denk ich mir. Der Termin für das Briefing ( ich habe mich beim ersten mal schon gefragt was steckt eigentlich hinter diesem Wort), Morgen Früh acht Uhr wird ausgemacht, dann verabschiedet er sich Freudestrahlend überbringe ich Edi der es vorgezogen hatte lieber ein Bier trinken zu gehen die positive Nachricht.

Edi dachte zuerst es sei ein guter , oder schlechter Scherz, erst als wir über einen wackeligen Steg hinausgingen, und ich vor einer 33Fuß Segelyacht mit dem Namen Farrocious stehenblieb ihm erklärte die nächsten vier Tage gehört sie uns und als Draufgabe habe ich noch erreicht das wir auch die kommende Nacht schon darauf schlafen können, veränderte sich etwas an Edis sonst so lockeren Sprüchen.

Wir sollten uns das ganze noch einmal überlegen. Auf den großen Steinblöcken die das Hafenbecken schützend umgeben, sitzend höre ich nun etwas erstaunt wie sich aus der momentan leichten Abendbewölkung ein schweres Gewitter entwickeln kann. Und außerdem benötigt man zum Segeln Wind, es ist Windstill wie soll sich das Boot vorwärtsbewegen? Plötzliche Regengüsse könnten die Seglerei sehr ungemütlich machen. Wolkenlosen Himmel strahlenden Sonnenschein hätten wir garantiert im Überfluss im Landesinneren. Kängurus, Koalabären, Aboriginal, wir haben so vieles von Australien noch nicht gesehen, Segeln können wir auch irgend wann einmal in Kroatien.

Etwas erstaunt über Edis Sinneswandel erkläre ich ihm schon Bezahlt zu haben, und außerdem reichen meine paar Brocken Englisch nicht für eine Stornierung aus.

Mit jedem Bier das an diesem Abend in unseren durstigen Kehlen verschwand wurden wir gelöster und schliefen eine äußerst gute Nacht auf dem sich sanft wiegenden Schiff gut vertaut am Steg. Am nächsten Morgen, ich war auf der komfortablen Toilette an Land, im Gegensatz zu dem komischen Pumpklo auf dem Schiff, habe ich Bedenken. Mir war komisch, die Erde schwankte, und am WC begannen die Wände sich zu drehen. Edi lachte und erklärte mir das Gegenteil von Seekrank. Landkrank hatte ich noch nie zuvor gehört, von einer Nacht schlafen an Board, wie wird es mir erst da draußen auf dem Meer gehen. Nach dem Frühstück ist meine Aufregung vorbei, es geht mir wieder gut. Im nächsten Supermarkt können wir uns nicht entscheiden was wir an Lebensmittel brauchen werden. Edi meint es sei wegen der großen Hitze ein Problem mit den Lebensmitteln und außerdem fahren wir ja nur von Insel zu Insel. Wir gehen Abends in ein Restaurant und nach dem ersten Tag auf See wissen wir dann genaueres und kaufen auf einer Insel ein. Eine Palette Bier das ist O.K. zusätzlich nehme ich eine Packung trockene Kekse ein Stück Käse und Sandwich. Durst habe ich immer und führ den kleinen Hunger Tagsüber, begründe ich meinen Großeinkauf.

Als wir zurück zum Boot kommen erwartet uns ein Aussie der sich als ausgewanderter Italiener zweiter Generation entpuppt. Sehr erfreut über unsere Kenntnisse von Bella Italia drehen sich unsere Gespräche fast nur noch um Good Old Europe. Nach meiner Frage ob das nun das Briefing sei, erklärt er mir nun wie der Motor gestartet und wieder abgestellt wird. Wo ein paar nützliche Dinge sich befinden, und ja hier ist die Karte. Zum ersten mal sehe ich eine Seekarte. O.K.? Ja klar kein Problem, welch unterschied zu den gewohnten Straßenkarten, nur keine Blöße geben, Edi wird sich schon auskennen. Funk ? ja kenne ich , Klaro, nur halt noch nie in meinen Händen gehalten. Ich trau mich nicht den armen Italo-Aussie mit der Menge meiner Unkenntnisse zu belasten. Dies ist der eingestellte Funkkanal am besten nichts verstellen, dann noch diese Taste drücken, sprechen – loslassen hören. Jeden Abend 17h Meldung erstatten wo wir vor Anker liegen, jeden Morgen wohin wir fahren möchten. Wetterbericht zweimal Täglich um diese Zeit. Und wenn wir irgendetwas brauchen alles funktioniert übers Funkgerät. Wo ist die Taste um das Funkgerät auf Deutsch umzustellen? Zehn Minuten Erklärungen, wir sind ja nicht zum ersten Mal auf einem Segelboot, unser Briefing ist beendet. Wie war das mit dem Funkspruch? Ich Bitte den Fachmann uns den Funkspruch aufzuschreiben. Airlie Com-Stat , Farrocious Farrocious over. Jetzt brauche ich es ja nur noch ablesen.                   Ein garantiertes Abendteuer nimmt seinen Lauf, nachdem wir nun so gründlich eingeschult wurden bindet der Mann sein Beiboot an unsere Segelyacht, startet, fährt mit uns aus dem Hafenbecken und übergibt mir ein paar hundert Meter nach dem Hafenbecken das Steuerrad. Ein freundliches Arrivederci, er winkt und wir sehen nur noch seinen Rücken als er uns in seinem Boot in Richtung Hafen verlässt.

Auf meine Frage an Edi, was nun? Kommt sogleich die Antwort Motor aus und Segel rauf. Etwas skeptisch sehe ich ihm beim ausreffen des Großsegels zu. Der Mann meinte wir sollen diese Bänder nicht aufmachen, ich weiß nicht wozu dieses Reff gut ist, wer hat jetzt Recht? Nachdem der Aussie weg ist, werde ich mich für Edi entscheiden müssen.

Edi beginnt mich einzuschulen, der Grund für das Setzen des ganzen Segels, erstens geht fast kein Wind, und zweitens sieht es so viel besser aus. Selbst ich Segelneuling sehe ein, dass dieses zusammengewurschtelte Segel um den Baum herum die Schönheit unserer Yacht beeinträchtigt.

Kaum ist das Segel aufgezogen neigt sich unser Schiff bedrohlich zur Seite, ich muss was tun, es will umfallen. Schnell drehe ich das Steuerrad in die andere Richtung, gerade noch Geschafft, es stellt sich wieder gerade. Was machst du , halte den Kurs, schreit Edi, ich Rufe zurück, dann wird der Wind das Boot umwerfen. Nach kurzer Erklärung in der ich über Krängung und Vortrieb aufgeklärt werde, und außerdem habe alles seine Richtigkeit, ich solle nur das tun was er mir sagt.

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Bewunderung kommt in mir auf als mein Freund durch ziehen an den Richtigen Leinen das Vorsegel (Rollgenua) setzt. Kurze Erklärung Klampe öffnen, bei dem dicken Seil kräftig ziehen, und schon flattert das große Tuch im Wind.

Winschkurbel anbringen ein paar Umdrehungen und schon steht unser Segel richtig. Kursänderung, wir machen nun eine Wende, ich steuere unser Boot mit dem Bug durch den Wind. Edi zieht beim zweiten Teil des dicken Seiles, (damals wusste ich nicht das es kein einziges Seil an Bord eines Segelbootes gibt. Genuaschot klingt nicht nur besser, sondern es besagt auch noch dazu welcher Teil (Seil) es ganz genau ist.) Die Segel nun auf der anderen Seite, und ich erschrocken darüber das unser Boot nun über die andere Seite umkippen will, drehe das Steuerrad in die falsche Seite. Jetzt reicht es Edi, er übernimmt das Steuerrad und sagt, schau so einfach geht das du musst dich nur daran gewöhnen. Unser Schiff wird von den Wellen sanft hochgehoben ich beginne mich an die ungewohnten Bewegungen zu gewöhnen. Edi steuert mit zufriedenen Gesichtsausdruck, ich störe nicht gerne möchte aber doch wissen wohin wir fahren. Da vorne links siehst du eine Insel, die müsste sich bis zum Abend ausgehen, sieh mal auf der Karte nach. Gesagt getan, ich betrachte die Form der Insel klettere ins Schiff und vergleiche sie mit denen auf der Karte eingezeichneten. Schaut gut aus, und ein Ankerplatz ist auch eingezeichnet. Vorher liegt noch eine kleine flache Insel, du weist schon, die wir vom Flugzeug aus gesehen haben, die mit dem schönen weißen Sandstrand, die sollten wir uns ansehen. Ein anderes Segelboot ankert bereits etwa einhundert Meter vor dem mich magisch anziehenden Sandhügel umspült mit klaren Wasser. Mit Respektabstand aber auf gleicher Höhe lasse ich den Anker fallen. Kettengerassel, nachdem ich die mechanische Ankerwinsch entriegelt und dem Anker einen leichten Schupps gegeben habe. Wie viel Meter Kette, höre ich Edi fragen, egal antworte ich ihm, die Kette ist verrostet und total schmutzig, gehört ordentlich gewaschen. Kurz vor dem Ende der Kette Wisch verriegelt, ein kleiner Ruck und unser Schiff steht. Wie zwei Profis springen wir in unser Beiboot, fast wären wir damit umgefallen es wackelt stark und stinkt nach Benzin. Der Motor springt nach einigen Versuchen an, Gang einlegen, Vollgas, und schon fahren wir Slalon. In Zick Zak Linien nähern wir uns dem Strand, der Motor stirbt ab, Stille Die Ursache ist schnell gefunden die Festmacherleine ist einfach zu lang um unter den Boot mitgeschleift zu werden, und jetzt hat sie sich um die Schiffsschraube gedreht. Kein Problem der Schaden ist bald behoben aber kurz vor dem erreichen unseres Zieles macht es rumps, der Motor heult auf, wir stehen auf einem Korallenkopf. Dieser war zu hoch hinaufgewachsen und hatte einfach zu wenig Wasser zwischen sich und unserer guten Luft gelassen. Die letzten Meter bis zum Strand ziehen wir nun unseren fahrbaren Untersatz der uns so schmählich in Stich lies.

Wie zwei kleine Kinder die sich austoben müssen laufen wir über den feinen weißen Sand, graben uns gegenseitig ein. Das andere Segelboot fährt weiter, wir teilen nun die Insel. Eine Hälfte wird Kärnten und die andere Niederösterreich zugesprochen. Beim Schnorcheln um die Korallenblöcke vor dem Inselchen öffnet sich für uns „unter Wassers Wunderwelt“. Viele bunte Fische außerhalb des Wassers kaum zu sehen, durch die Taucherbrille dringen wir in ihr Reich ein. Ruhig bewegen sie sich zwischen den verschiedenartigen in vielen Farben leuchtenden Gewächsen mit ihren Mäulern berühren sie die Korallen immer wieder als ob sie diese küssen würden.

Die Sonne steht schon viel zu tief als wir uns losreißen um zu unseren Ankerplatz für die kommende Nacht zu kommen.

Rein ins Beiboot, der Motor springt auf den ersten Zug an, Gang rein Gas geben Motor brüllt auf unser Dingy bewegt sich keinen Millimeter, es ist die kleine Schiffsschraube sie streikt. Ran an die Ruder, schließlich und endlich sind wir zwei ja echte Sportler. Kurs direkt zu unserer Farrocious, so war jedenfalls unser Plan. Etwa dreißig Meter vor unserem Schwimmenden Zuhause schiebt uns eine Geisterhand ziemlich rasch weg vom Boot in Richtung offenes Meer.

Das gibt es doch nicht, all unsere Kraft reicht nicht, so erreichen wir das Boot nicht. Wir sind durch die Kraft des funktionierenden Motors mit der Strömung ganz leicht fast bis zur Insel gekommen, und jetzt gegen die Strömung ohne Motor keine Chance. Ich rudere was das Zeug hergibt wieder zurück zur Insel. So schön war vorher die Einsamkeit der Insel, jetzt würden mich andere Seglerkollegen mit einem funktionstüchtigen Dingy gar nicht stören.

Um einhundert Meter gegen die Strömung zu gewinnen ziehen wir unser Beiboot bis an das Ende der Insel. Jetzt oder nie, es muss klappen. Ich komme mir vor wie in einem Zeichentrickfilm, so schnell schlage ich mit den Rudern. Wir nähern uns dem Bug, Edi du musst versuchen unsere zu schnelle Abtrifft abzuschwächen! Er greift nach der Reeling, kann das Boot nicht halten, nächster Versuch, wir sind schon beim Heck, durchhalten zu zweit schaffen wir es. Festmacherleine um eine Klampe, Ruck wir stehen. Wir schauen uns etwas verschreckt an, bis mir rausrutscht, he deine Arme, waren die vorher nicht kürzer? Lachen löst die aufgebaute Spannung. Das war unsere erste Lektion, nicht was ist Strömung, sondern das war ordentliche Strömung. Beim nächsten Mal werden wir uns vorher vergewissern ob es eine gibt, und wie stark sie ist.

Nun aber los, Anker auf Segel gesetzt. Es ist dreiviertelfünf, bis fünf Uhr müssten wir unseren Ankerplatz für die kommende Nacht erreichen. Meiner Schätzung nach müssten es noch zehn Meilen sein. Ungefähr neunzehn Kilometer umgerechnet, mit dem Auto in einer Viertelstunde zurückgelegt, nicht so mit einem Segelboot. Den ganzen Tag blies konstant der Wind, jetzt ist er Müde geworden und schläft ganz ein. Das Funkgerät knackt, eine weibliche Stimme ruft Farrocious , Farrocious . Punkt fünf Uhr war es vor zehn Minuten, und pünktlich um fünf hätten wir uns vom Ankerplatz aus melden sollen. Schnell den Zettel mit dem aufgeschriebenen Funkspruch dazu noch den Namen der Ankerbucht aus der Karte jetzt muss ich nur noch die Sprechtaste drücken, etwas unsicher rufe ich: Airlie Com-Stat , Farrocious Farrocious over. Die Stimme der Dame die das Funkgerät in meine Richtung verlässt klingt gar nicht freundlich. Warum erfolgte keine Meldung zur vereinbarten Zeit? Und wo seit ihr? Ich entschuldige mich, schummle ein bisschen in dem ich den Platz auf den wir Ankern wollen zeitlich etwas verschiebe, verspreche Morgen pünktlich zu funken, und wünsche eine gute Nacht. Sehr wichtig sei es morgen Früh um acht Wettervorschau zu hören wird mir jetzt noch eindringlich mitgegeben. Nach unserer Rückkunft im Hafen erfahre ich dann was passiert wenn eine Carteryacht sich nicht innerhalb einer gewissen Zeit meldet. Ein Suchtrupp zu Wasser und zu Luft wird losgeschickt. Das wäre dann doch eine Menge Lehrgeld gewesen. Unter Motor tuckern wir mit vier bis fünf Knoten entlang der Insel suchen die Einfahrt zum Ankerplatz und finden diese etwa zwei Stunden später. Ein Fjordähnlicher Einschnitt in die Insel bietet einen Idealen Ankerplatz, genau gekennzeichnet von fünf anderen Booten die schon für die Nacht gerüstet sind. Es ist bereits Dunkel als unser Anker fällt, die einzigen Lichter die wir sehen sind weiße Lichter auf den Masten der anderen Boote. Fachmännisch setzen auch wir unser Ankerlicht, ich schalte einen Schalter nach dem anderen ein und aus, und Edi stellt fest welches Licht leuchtet. Geschafft nun können wir in Ruhe Essen gehen, aber wohin?

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Unsere suchenden Blicke können kein einziges Licht auf der Insel ausmachen, es ist total still. Die Insel ist unbewohnt.

Edi erklärt mir daraufhin, dass ein bisschen Fasten eine gute Sache für Körper Geist und Seele wären. Die Kekse vom späten Vormittag längst vertaut begnüge ich mich mit Dosenbier, welches den krachenden Magen aber nicht besonders beruhigen vermag.

Wir liegen an Deck lassen diesen Ereignisreichen Tag noch einmal an uns vorbeiziehen, über uns leuchten unzählige Sterne so hell wie ich sie noch nie gesehen habe. Keine künstlichen Lichtquellen von Menschenhand geschaffen schwächen ihre Leuchtkraft, rein und klar wie frisch poliert spannt sich die Milchstraße wie eine Autobahn quer über uns. Die Gewohnheit mit der ich in Stadtnähe lebender Mensch tagtäglich fast keine Sterne, oder nur durch dämmende Schmutzschichten viel weiter weg zu sehen glaube, wird mir nun bewusst. Obwohl wir genug Müdigkeit in unseren Körpern gesammelt haben wird es erst mal nichts aus dem erholsamen Schlaf. Zuerst hören wir diese komischen Geräusche nur mit geschlossenen Augen. Leises Kratzen, Diebe , Einbrecher in unserem Wohnzimmer? Nein so wird das nichts mit einer geruhsamen Nacht, nach dem lokalisieren des Geräusches legen wir uns auf die Lauer. Edi beim Lichtschalter ich dicht am Geräuschherd. Irgendetwas huscht dicht an mir vorbei, Edi Licht, und nun sehe ich Tiere die mir bis dahin fremd waren. Kakalaken Eine Weile spielen wir nachlaufen mit unseren zwei Mitbewohnern, die sind aber viel zu schnell, also ignorieren wir sie einfach. Der neue Tag ist nach dem lang andauernden Sterne zählen und dem anschließenden Fangenspielen viel zu schnell angebrochen. Erstklassiges Frühstück, Kaffee, Speck, Eier, Butter Marmelade – wäre schön, aber ohne Lebensmittel an Board fällt es uns leicht unsere Diät fortzusetzen. Mit rostiger Zange und Schraubenzieher bewaffnet wollen wir nun unseren Dingymotor wieder instandsetzen. Zu diesen Zwecke rudern wir an Land , das Boot wird herausgezogen, nichts soll uns ins Wasser fallend entschwinden. Irgendwie muss doch dieser blöde Deckel runtergehen, keine Schraube sichtbar, nichts hält ihm, und trotzdem hebt er sich keinen Millimeter. Krach und offen ist er. Der Gewalt des Schraubenziehers ist die Plastiknase der Motorabdeckung abbrechend gewichen. Erstmal offen, aber warum funktioniert dieses schmutzige Ding nicht? Hier die Kerze, da der Vergaser, Motor läuft, Gang einlegen Getriebe dreht sich, Schraube bewegt sich nicht. Keine Ahnung warum, was solls wir können es nicht reparieren. Deckel draufgelegt, er muss jetzt ohne Verriegelung halten und wir wollen weiterhin Sportler bleiben, Rudern ist Gesund beruhigt mich Edi. Als nächstes wollen wir uns Das Dickicht des Urwaldes die wilden Tiere und Aboriginals, alles zusammen aus unserer Fantasie bestehend, etwas näher ansehen. Rudernd erreichen wir einen Platz den ein anderer Seglerkollege mit scheinbar stolz erhobenen Haupt und laut brüllenden Motor auf seinem neu aussehenden Dingy gerade verlässt. Von Edi erfahre ich nun etwas über die Schädlichkeit von Abgasen und Außerdem störe der Lärm diese so friedliche Gegend. Schwitzend bemühe ich mich um gleichheitlichen Ruderschlag, bis ich von Edi höre halt genug Tiefe ungefähr ein halber Meter. Mit dem kleinen Klappanker gesichert lassen wir unser Dingy zurück, nun können wir in Ruhe die Insel erkunden. Steine, Gestrüpp, Vögel die sich nicht zeigen wollen, wir erklimmen einen Hügel wo wir die schöne Aussicht eine Zeitlang genießen. Auf unseren weiteren Erkundungsrundgang entdecken wir einen ausgetretenen Pfad folgend, eine Höhle. Hier mussten in früheren Zeiten Aboriginals gelebt haben. An den Wänden sind einfache Zeichnungen zu erkennen, unsere Fantasie wir mit ausreichender Nahrung versorgt. Nicht so mein Magen, also folgt sogleich der Vorschlag auf zu einer bewohnten Insel. Zurück bei unserem Dingy glauben wir zuerst einmal unseren Augen nicht zu trauen. Fremde haben uns einen Streich gespielt. Das Boot stand auf einem Geröllhaufen wie aufgebockt und das Meer war zirka fünfzig Meter weit weg. Der kleine Klappanker lag neben dem markanten Stein, genau dort wo ich ihm hingelegt hatte. Des Rätsels Lösung konnten wir an der Uferböschung ablesen. Ebbe, Tidenhub Höhenunterschied der Gezeiten, lag über einem Meter. Wie schwer so ein Aluminium Dingy ist erfuhren wir nun in der Zeit, wo wir es schleppend, dem Meer nachliefen. Unsere Erfahrungskiste wieder um einen Schatz bereichert, verlassen wir diesen super geschützten und Idyllisch gelegenen Ankerplatz.

Das offene Meer hat uns wieder. Ruhiges dahingleiten im Schutze der Insel ändert sich bald in rauschende Fahrt unter streng von Wind ausgeblähten Segeln. Das Wasser zischt an der bedrohlich tiefliegenden Leeseite unseres Bootes vorbei. Wohin fahren wir heute frage ich Edi, der meine Neugierde sofort mit der Antwort wohin der Wind uns trägt, befriedigt. Der nicht mehr sehr gut aussehende alte Mast ächzt unter den schweren Segeldruck, auf mein sollten wir nicht ein klein wenig abfallen höre ich , so ein Alu Mast bricht nicht. Gerne würde ich wissen wie schnell wir fahren, aber außer einem Kompass gibt es kein einziges Messinstrument an Board. Die Zeit vergeht sehr schnell, vor kurzem habe ich auf der Insel vor uns noch keine Details erkennen können, jetzt sieht man schon Bäume und Häuser darauf. Soll ich in einem Supermarkt einkaufen, oder gehen wir gleich in ein Restaurant? Entlang von vollgefüllten Regalen schiebe ich den Einkaufswagen durch die vielen Gänge, leckere Dinge überall. Mir rinnt das Wasser im Mund zusammen, und jetzt kann ich auch den Hund eines Bekannten, einem Boxer, so richtig nachfühlen wenn er Hungrig ist und essbares sieht. Mein Traum wird brutal von Edi beendet als er antwortet, so ein herrlicher Wind ,schau wie super das Boot läuft, komm wir machen eine Wende. Siehst du die Insel da drüben? Die erreichen wir sicher noch vor dem Abend, lass uns keine Zeit verschwenden, dafür gibt es dann ein ausgedehntes Abendessen. Die Bäume und Häuser gerade noch so nah werden rasch kleiner, nicht so mein Hunger.

Unser Boot verhält sich mittlerweile wie ein junges Pferd, ungestüm immer schneller werdend. Fliegende Fische nehmen Reißaus, scheinbar gelingt es ihnen aber nur weil sie ihre Flossen wie Flügel auseinanderspannend im letzten Moment fünfzehn bis zwanzig Meter lange Flüge durchführen. Eine gemächlich dahinschwimmende Wasserschildkröte schüttelt den Kopf als ob sie sagen wollte ihr zweibeinigen Geschöpfe da oben habt es scheinbar immer eilig. Delphine kommen uns besuchen sie schauen uns mit freundlichen Augen an. Einige Male umrunden sie unser Schiff springen dann mühelos hoch aus dem Wasser und tauchen sehr elegant wieder hinein. Als nächstes führen sie uns Sprünge mit Drehungen um die eigene Achse vor. Welch eine natürliche Lebensfreude, in keinem Wasserzoo konnte ich so etwas je beobachten. In Gefangenheit, mit Stränge Dressiert tu was der Mensch will, dann behältst du dein Leben. Als Belohnung bekommst du Futter, nicht ganz so frisch als wenn du es selbst im Meer spielerisch fängst. Aber wer fragt schon ob die Tiere Spaß haben wollen, die Hauptsache ist doch, es gefällt dem Menschen.

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Gedanken vom Alltag blockiert lösen sich nun immer schneller, wir diskutieren über Gott und die Welt, spürbare Freiheit verdrängt alles was bisher so wichtig war. Unser Boot mit ungefähr fünfundzwanzig Quadratmetern ist eine Insel der Seligkeit, in keiner noch so Luxuriösen Hotelanlage konnte ich mich so loslösen von all den Alltagsproblemen. Unendlich viel Platz ist auf den Meer, keine Zwänge für Träume keine Vorschriften für jede Kleinigkeit, unterdrückte Sehnsucht nach noch nicht Gelebten setzt sich über jede Vernunft. Wie fühlen sich erst Weltumsegler die Grenzen der Gesellschaft so weit und ohne Zwang der Zeit hinter sich lassen können. Ein Blick auf die Uhr und ich bin wieder zurück, noch sind wir keine Weltumsegler, und in einer Stunde müssen wir uns der Gesellschaft wieder zurückmelden. In etwa fünf Meilen Entfernung ist ein strahlend weißer Sandstrand zu sehen, der Seekarte nach müsste es Whitehaven Beach sein. Wir schalten den Motor an um den schwächer werdenden Wind zu kompensieren. Aus gesammelten Prospekten entnehme ich das dieser Strand der schönste in dieser Gegend ist. Ein krönender Abschluss nach einem traumhaften Tag, und um diese Zeit sind die Ausflugsboote mit den Touristen schon auf dem Weg zurück in den Hafen. Ganz alleine werden wir auf diesem wie Staubzucker aussehenden weißen Band sein. Herumlaufen, sich eingraben neues entdecken, am liebsten würde ich schon jetzt in das nun heller werdende Wasser springen um schnell zum Strand zu schwimmen. Wenn wir nah genug zum Stand fahren, brauchen wir unser Dingy nicht, kein Rudern, bloß ein stück schwimmen. Unsere Vorfreude wird mit einem plötzlichen Ruck beendet. Das glasklare Wasser von vorhin ist einer undurchsichtigen Brühe gewichen, durch das einschlagen des Kiels hat der aufgewirbelter Sand die Sicht nach unten vernebelt. Jetzt brüllt auch noch der Motor auf, schwarzer Rauch kommt aus dem Auspuff. Ich schalte den Motor aus, helfe Edi beim bergen der Segel, dann starte ich die Maschine wieder und versuche mit Vollgas aus dieser misslichen Lage zu kommen

Keine Chance, schwarzer Rauch aus dem Auspuff, weißer Strand zum greifen nah, zum verzweifeln. Die mich sonst so faszinierenden Wellen mit den weißen Schaumkronen oben, rollen äußerst bedrohlich eine nach der anderen heran. Sie heben unser Boot in die Höhe um es zwei bis drei Meter näher zum Strand wieder in den Sand zu setzen. Als sich unser Boot dann immer mehr zur Seite legte, war mir klar ich muss was tun. Rasch packte ich meine Sachen in die Reisetasche um sie mit dem Dingy an den trockenen Strand zu bringen. Beim einladen beobachte ich wie sich unsere, auf der Seite liegende Farrocious mit jeder Welle wieder aufrichtet, ein Schwimmkörper als solchen sehe ich unser Boot, geht nicht unter solange kein Wasser hineinläuft. Es schwimmt wenn auch nicht so elegant wie vorher, und an diese Schlagseite bin ich durch die Krängung unter Segel schon gewöhnt. Wir müssen versuchen nicht weiter an den Strand geschwemmt zu werden, rufe ich zu Edi. Schnell den Anker ausbringen, so können wir die Eigendynamik dieser Situation vielleicht Stoppen. Mit Taucherbrille und Flossen bewaffnet, dieses mal nicht zum reinen Vergnügen, springt Edi ins Meer und zieht den Anker mit der gesamten Länge Kette plus zwanzig Meter Tau in Richtung offenes Meer. Nachdem er den Anker mit den Händen in den Sand gesteckt hat und uns die nächste Welle in Richtung Strand schubst, kommt der erlösende Ruck, wir stehen ( liegen ) fest an der Kette. Als ob nicht die ganze Situation schon Nervtötend genug wäre krächst die ganze Zeit über das Funkgerät, Farrocious Farrocious, die Dame am anderen Ende klingt etwas ungeduldig. Zwanzig Minuten über der ausgemachten Meldezeit, was soll ich ihr jetzt erzählen? Eigentlich möchte ich in dieser Situation gar nicht mit der Dame sprechen aber die gibt nicht auf ruf uns immer wieder. Das Funkgerät in meiner Hand zittert ein wenig, es ist mir sehr unangenehm als ich die Sprechtaste drücke und sage: Airlie Com-Stat , Farrocious Farrocious over. Auf die Frage wo sich unser heutiger Ankerplatz befindet antworte ich, we have a litle Problem, we have contact wite the Beach. Nach kurzer Sprachlosigkeit des Funkgerätes kommt die Frage, is your Boot damage? Jetzt verschlägt es mir die Sprache, ich hätte mir erwartet das die Dame fragt ob es uns gut geht. Unser Wohlbefinden ist nicht so wichtig wie das der alten Farrocious. Verärgert erkläre ich nun der Funkdame das es uns allen dreien gut geht, und in spätestens einer Stunde haben wir uns selbst befreit und Ankern in der nächsten sicheren Bucht. Ist in Ordnung aber in einer Stunde verlässlich noch einmal Melden, ansonsten müsste sie ein Suchboot losschicken.

So sehr haben wir uns über den einsamen Menschenleeren Strand gefreut, und jetzt fehlen uns helfende Hände und starke Motoren Aus dem Funkgerät ruft nun eine männliche Stimme den Nahmen unseres Bootes. Es ist ein Deutscher der den Funkspruch mitgehört hat und mit seinem Segelboot ein paar Meilen weiter in einer Bucht ankert. Er rät uns mit reinhängen in die Wanten das Boot so stark zu Krängen, das der Kiel freikommt so könnten wir uns die paar Meter bis in tieferes Wasser retten. Unser Versuch ist von vornherein zum Scheitern verurteilt der Wasserstand um unser Boot ist viel zu niedrig. Mein Vorschlag über Funk den Deutschen Seglerkollegen um Schlepphilfe zu bitten entsetzt Edi nun vollends. Ob ich noch nie gehört hätte was passiert wenn man einem anderen Boot eine Leine zum Helfen reicht. Nachdem mein Erfahrungsschatz übers Bootfahren erst zwei Tage alt war, konnte ich natürlich nicht wissen das der sogenannte Bergelohn gleich das ganze Schiff kosten könnte

Einige Beispiele aus der letzten Zeit von Edi furchterregend geschildert Millionenteure Yachten von den Rettern geentert erinnerten mich an Piraterie und verfehlten ihre furchteinflössende Wirkung nicht. Ich sah nun ein das die Hälfte unserer Verpflegung immerhin hatten wir noch zwölf Dosen Bier unsere Retter nicht zufrieden stellen würden. Wir müssen uns selbst helfen. Auf die Flut warten, aber wir wissen doch nicht ob jetzt Ebbe ist, viele ausgesprochene fruchtlose Gedanken brachten uns keinen Millimeter weiter, bis wir um unsere Kräfte zu verstärken über Flaschenzug zur Ankerwinsch kamen. Es funktioniert, das Deck rund um die Winsch ist nass vom vielen Schweiß, aber es Lohnt sich, wir nähern uns dem Anker. Edi ist froh darüber wieder tauchen gehen zu dürfen, seine Aufgabe ist es nun einige Male den Anker aus dem Grund zu reißen um ihn ein paar Meter weiter wieder einzugraben. Sein Gesicht ist glühend Rot von der Anstrengung so als wäre er am Äquator ohne Schutz in der prallen Sonne längere Zeit gelegen. Zusätzlich dürfte mein sonst so Sportlicher Kollege Probleme mit der Luft haben, jedenfalls Hustet und Flucht er ziemlich heftig. Als unser Boot wieder halbwegs gerade auf dem Wasser schwimmt starte ich den Motor um Edis Kampf zurück in tieferes Gewässer zu unterstützen. Nach ungefähr einer Stunde sind wir frei, unser Boot erfreut uns daran wieder in die Richtung zu fahren in die wir wollen. Sogleich setze ich eine Erfolgsmeldung über Funk ab mit dem Zusatz es sei nun wirklich kein großes Problem gewesen. Etwas wehmütig und trotzdem froh verlassen wir die Aussicht auf den schönsten Strand um rechzeitig mit der einbrechenden Dunkelheit in der nächsten Bucht vor Anker zu gehen. Kein anderes Boot liegt hier, den Grund dafür wissen wir sehr bald. Der Ankerplatz ist in Richtung des Pazifischen Ozeans offen, keine größere Landmasse hält die langgezogenen Wellen auf, zwischen uns und Südamerika liegen nur einige kleinere Inselgruppen. In einem Halbkreis tanzt das Boot nun ständig um den Anker, beim Versuch den hellsten Stern das Kreuz des Südens zu fixieren wird mir schlecht. Der Gedanke daran die ganze Nacht auf einer Hochschaubahn zu verbringen, lässt mich sogar auf den Ankerschluck in Form einer Dose Bier verzichten. Das die Dunkelheit rund um die Bucht jegliche Möglichkeit auf Essen ausschließt stört uns heute nicht, wir sind so vollgestopft mit den Erlebnissen des heutigen Tages das ohnehin kein Platz wäre um noch etwas aufzunehmen. Hundemüde verkrieche ich mich in meiner Koje und statt Schäfchenzählen sage ich pausenlos so lange bis ich einschlafe, mir wird nicht schlecht, mir wird nicht schlecht, mir wird nicht schlecht.................

Am nächsten Morgen sieht Edi immer noch ziemlich abgekämpft aus, kein Einbrecher hätte sich auch nur in die Nähe unseres Bootes getraut, angeblich habe ich so laut geschnarcht. Ich sagte es sei eine hervorragende Methode gegen Seekrankheit ich fühlte mich super trotz des sich immer noch schnell schwojenden Schiffes. Edi erzählte von einer angeblich fürchterlichen Nacht, Halbstündlich sei er mit der Taschenlampe auf Kontrollgang gewesen ob der Anker noch hält. Warum ich so gut geschlafen habe könne er bei besten Willen nicht verstehen, was alles passieren könnte wenn der Anker nicht hält. Auf mein Antwort, nicht viel mehr als gestern, ist er dann doch etwas sauer.

Meine Fantasie beschäftigt sich nun mit der Zubereitung des Frühstücks. Kaffee, frisch gepresster Orangensaft, eine Omelette aus vier Eiern, mit Schinken Käse Zwiebel Paprika klein geschnitten verrührt, goldgelb und mit betörenden Geruch. Frisches Brot, Butter verschiedene Marmeladen, Honig, eine Schale mit Müsli dazu ein Fruchtjoghurt mit 0,1%.Fett.........Edis Stimme zertrampelt meinen schönen Traum. Das Einzige was von meiner laut gesprochener Fantasie stimme sei der Schluss, nämlich abgerundet 0% von all dem aufgezählten Essen. Und wenn ich nicht aufhöre mit dem lauten Denken würde ich etwas neues in meinen noch so jungem Seglerleben kennen Lernen. Kielholen, an einem Tau festgebunden wird der zu bestrafende unter dem Schiff von einer Seite zur anderen durchgezogen. Knapp vier Meter breite, ein Tiefgang von einem Meter achtzig, das wäre sowieso keine Sportliche Leistung, also beschloss ich Edis angekratztes Gemüt etwas Ruhe durch Stille meinerseits zu vergönnen. Eine Zeitlang beschäftigten mich meine Gedanken noch mit dem Kielholen. Ob Edi vielleicht doch vom Bug bis zum Heck gemeint hätte das wären dann doch 33 Fuß also ungefähr zehn Meter. Ich werde ihm lieber nicht fragen.

Ich schlage nun vor mit dem Beiboot an Land zu Rudern. Der Anker hat die ganze Nacht gehalten, also könnten wir ihm vertrauen, und in Ruhe die ganze Insel erkunden. Wir brauchen nur den einen Hügel den man von hier aus sieht ersteigen, und schon breitet sich vor uns eine wunderschöne türkiesgrüne Lagune mit weißen Sandstrand, Palmen frische Kokosnüsse ein kleines Paradies aus. Edi meint es an der Zeit unseren Weg zurückzufahren, denn so wie ich Fantasiere habe ich wahrscheinlich einen gefährlichen Virus erwischt. Erstens einmal haben wir in den vergangen Tagen keine einzige Palme gesehen, also wachsen auch auf der anderen Seite des Hügels keine. Und zweitens kennt er sich in den Bergen viel besser aus als ich, nach dem einen Hügel kommt ein anderer und danach wieder einer, das ganze durch fast undurchdringliches Dickicht. Und dann noch diese Hitze in ein paar Stunden wird die Sonne gnadenlos auf uns Herniederbrennen, ohne Getränke und Essen ein aussichtsloses Unterfangen. Nun es ist wirklich viel vernünftiger wenn wir unsere noch vorhandene Energie zum Ankeraufgehen und zur nächsten Insel Segeln verwenden. Beim ausgiebigen Studium der Seekarte entdeckten wir ein Haus auf der nächsten Insel, sicher ein Picture Point mit Restaurant, Essen frisch gegrilltes Steak, Folienkartoffel, Gemüse und als Nachspeise ein großes leckeres Eis. Begeistert Stimme ich sofort zu. Die Strecke verglichen mit den der Vortage ließ erwarten das wir unser Ziel in etwa fünf bis sechs Stunden erreichen könnten. Eine Premiere, Ankerplatz erreichen in der vorgeschriebenen Zeit ein weiterer Ansporn. Es folgte ein Seglertag wie man ihn sich besser gar nicht Wünschen könnte, gleichmäßige drei Windstärken, langgezogene nicht zu hohe Wellen melodisch wie sanfte Walzermusik unser Boot gleitet durch das beruhigende Blau des Meeres. Dadurch das wir die letzten Tage immer nur hart am Wind gesegelt sind kommt mir nun dieser neue ungewohnte achterliche Wind so herrlich vor. Fast keine Krängung kein hartes einsetzen des Buges, das Wasser läuft nicht mehr gegen, sondern mit uns.      

Unser Ziel naht. Jetzt müssen wir nur noch zwischen zwei Inseln durchsegeln. Ein paar hundert Meter trennen die Ufer der beiden Insel. Bis hierher war unsere Fahrt so Friedlich, und jetzt benimmt sich das Meer wie ein Gebirgsbach. Ungeduldig drängen sich die Wellen um die Ehre, zuerst durch diese Engstelle zu gelangen. Unser Boot wir hin und her geschubst, also Segel runter, und Motor an. Wir sind stolz auf unsere Entscheidung, jetzt fährt das Boot wieder in die Richtung die wir wollen. Ruhig steuern wir nun auf unser Ziel des Tages. Ein Haus mit einigen Nebengebäuden kommt rasch näher. Für meine Begriffe viel zu rasch. Ich frage Edi, was machen wir? Längsseits an die Mauer, oder Ankern? Obwohl der Motor unseres Schiffes nur mehr mit Standgas angetrieben wird werden wir immer schneller. Ankern, bei dieser Strömung, und dann mit dem Beiboot mit unseren zwei kraftlosen Rudern, die Erinnerung an unseren ersten Tag lässt uns diesen Plan gleich ausschließen. Bleibt also nur noch anlegen an die Mauer. Das wäre das erste Manöver dieser Art, ich frage Edi, wie sollen wir das Boot bremsen? Die Strömung hier zwischen den Insel kommt mir so schnell vor, wie die Geschwindigkeit unseres Bootes unter Motor mit Vollgas. Mit dem Retourgang müsste es funktionieren, wir werden es so weit abbremsen das es stehen bleibt. Mir ist bei den Gedanken daran gar nicht wohl. Keine Menschen sind bei dem Gebäude zu sehen, niemand werden wir über unser wahrscheinlich gekonntes Anlegemanöver dazu verleiten sich von den Anblick unsererseits abzuwenden um still und heimlich zu Lachen um uns nicht zu Brüskieren. Wo sind denn all die freundlichen Australier, es könnte uns ja auch jemand helfen beim anlegen. Ein Schild vor dem Gebäude beendet meine furchterregten Gedanken. Forschungsstation, anlegen Verboten, Zugang nur für Autorisiertes Personal. Erleichtert lege ich das Ruder weg vom Ufer, wir dürfen hier nicht anlegen sage ich zu Edi, und in diesem Falle befolgen wir gerne das uns hier vorgeschriebene weiterfahren. Die Karte verspricht uns in der Nähe eine schöne ruhige Bucht. Zum unterschied von den anderen Ankerbuchten stehen zwei Seezeichen um die Einfahrt zu erleichtern. Jetzt ist die Frage Grün auf der rechten Seite, oder Rot. Rund um die Zeichen ist genug Wasser, wir könnten überall fahren. Die Karte überzeugt uns schließlich, ganz knapp rechts ist richtig. So viele Korallenköpfe waren noch nirgends eingezeichnet. Langsam nähern wir uns der ersten Markierung, das Wasser ändert seine Farbe von dunklem Blau in ein helles Blau, gut so , so sehe ich gleich viel besser den Grund des Meeres. Das Licht steht günstig von Hinten, ich kann die Korallen gut sehen. Die zu hoch hinaufgewachsen sind scheinen das Wasser zu trüben, statt hellem durchsichtigen Blau, sieht es über ihnen schmutzig Braun aus. Mit respektablen Abstand weiche ich den Korallenkoepfen.

Edi kritisiert meinen Kurs, seiner Meinung nach sind diese Schlangenlinien Bloedsinn. Nach einem kurzen Kontrollblick auf die Seekarte stuerzt sich Edi nun auf mich, stoesst mich vom Ruder weg, erklaerend, er habe es ja gleich gewusst, laut Karte muessen wir uns ganz rechts halten.

Ich wuerde mich noch verirren mit meinen bloeden Zick Zack fahren. Mir verschlaegt es die Sprache, nicht weil Edi mir das Ruder weggenommen hat, soll er nur lenken wann er will, nein sondern weil er kerzengerade aus dem schoenen hellen Blau in Richtung Braun steuert.

Edi rufe ich, siehst du die Korallen nicht? Als Antwort bekomme ich zu hoeren, glaubst du die Einheimischen kennen sich hier nicht aus. Edi ist wild entschlossen, mit der Sicherheit eines Rechtskommenden mit Vorrangtafel im Autoverkehr steuert er seinen richtigen Kurs laut Karte direkt auf den naechsten Korallenkopf zu. Zum Glueck sind wir sehr langsam unterwegs, so dauert der graessliche Ton, des schleifenden und kratzenden Geraeusches nur so lange bis unser Vorschiff halt gefunden hat um sich kurz auszurasten.

Auch ich moechte jetzt am liebsten Ausrasten, aber in einen Wutausbruch. So schoen habe ich jedes Hindernis gesehen, warum nimmst du mir das Ruder weg und faehrst gegen diese arme Koralle? Mein schimpfen baut Edis navigatorisches Leistungsgefuehl nicht wirklich auf, und seinen Versuch der Karte die Schuld zuzuweisen kann ich nicht akzeptieren. Vielleicht haben die Kartologen doch eine gewisse Kenntnis vom Benutzer erwartet, und gerade diese Faehigkeit bezweifle ich nun an Edi. Mit blassem Gesicht sitzt er nun auf dem Vorschiff und moechte momentan mit mir nicht sprechen. Edi wuerdigt mich keines Blickes waehrend ich das Schiff mit stolz erhobenen Haupt durch den Korallenpark manoevriere.

In einer schoenen geschuetzten Bucht lasse ich dann ohne seiner Hilfe den Anker in das ungefaehr fuenf Meter glasklare Wasser gleiten, wo er sich sogleich in den weissen Sand eingraebt. Zwanzig Meter Kette, unter Motor retour, die Kette spanntsich, ein Ruck, und ich fuehle mich sicher wie ein Burgherr hinter dicken Mauern. Waeren jetzt viele Leute um uns herum wuerde ich mich vor ihnen verbeugen, wegen des tosenden Applauses fuer dieses gelungene Manoever.

Die Begeisterung meines einzigen Zuschauers haelt sich in Grenzen, Edi antwortet mir nicht einmal auf meine Frage ob wir zusammen ans Ufer schwimmen um es zu erkunden. Beim Leinenklarmachen und verstauen diverser Dinge finde ich einen schwarzen Sack mit der Aufschrift Shower, ein luxerioeses vergnuegen nach der Katzenwaesche der vergangenen Tage. Mit Suesswasser gefuellt auf einem sonnigen Platz aufgehaengt, eine Dusche mit heissem Wasser, nach dem Schwimmen, ich freue mich schon darauf.

Dann finde ich noch eine Schnur auf der sich in regelmaessigen Abstaenden kleine Kugeln befinden. Leider finde ich keinen Angelhaken dazu, wir werden eben den Fisch wieder vom heutigen Speiseplan streichen. Erst bei einem spaeteren Segeltoern erfahre ich, dass diese Schnur mit den Kugeln Markierungen darstellen sollen benoetigt zum ausloten der Tiefe.

Nachdem Edi immer noch auf mich, das Meer, das Schiff und alles andere ist, packe ich mein Schnorchelzeug und mische mich unter die ebenfalls ruhigen Lebewesen unter Wasser. Korallen bunte Fische die Unterwasserwelt ist auch hierin dieser Bucht einmalig. Am Strand sitzend versinke ich in Gedanken, Traeume mit offenen Augen von Abenteuern, Entdeckungen, wer war vor uns schon auf dieser Insel? ( Wahrscheinlich schon tausende Touristen ) Woher kam dieses Treibholz, Glatt geschliffen eine Astgabel ihre Form wie eine am Ruecken liegende Frau, erinnert mich daran das es ausser meinem auch noch ein anderes Geschlecht gibt.

Entzugserscheinungen nach zwei Wochen Reise ohne Frau. Wie wurden die Seefahrer in frueher Zeitgeschichte mit diesem Problem fertig, sie waren Monate ja sogar Jahre auf den Weltmeeren unterwegs. Ich glaube nicht das es damals schon weibliche Crews gab. Die armen Maenner, oder weiss ich irgend etwas nicht.

Es wird Zeit die Sonne verbraucht ihre Energie mit dem Senden langer gelber Strahlen, bald wird sie Kraftlos ins Meer stuerzen um sich darin bis morgen auszuruhen. Jetzt muss ich zum Schiff zurueckschwimmen um rechtzeitig den Funkspruch abzusetzen. Die Dame von der Funkstation fragt mich ob wir wirklich schon vor Anker liegen, dieses Misstrauen kenne ich sonst gar nicht von den Australiern. Mit einer Dose Abendessen, Bier hat genug Kalorien, setze ich mich auf das Vorschiff und sauge abwechselnd die letzten Sonnenstrahlen und dann wieder Bier in mich hinein. Jetzt einseifen, Schaum auf dem ganzen Koerper, Shampoo in den Haaren und nun mit heissem Wasser abduschen. Ein Fluch entweicht meinen Lippen, der in den letzten Stunden so still gewesene Edi reagiert nun wieder, allerdings nur mit bloeden Lachen. Die Sonne hat bei ihrem Untergang auch die Waerme aus dem Duschsack mitgenommen, und ich hasse kaltes Wasser

Tagsueber ist es so heiss, das man zur Abkuehlung gerne ins Meer springt, erst am Abend merkt man, das es Ende Februar ist. Was solls, die Seife muss runter, und den Kummer ueber die Kaelte werde ich danach mit Bier wegspuelen.

Heute werden wir versuchen nicht die Fehler der vergangenen Tage zu wiederholen. Keine Diskussion ueber " was wir nicht alles Essen koennten" denn ausser der Forschungsstation gibt es kein anderes Haus und auch keine Bewohner auf dieser Insel. Gerecht teilen wir uns die letzten acht Dosen Bier und beobachten die vielen Sterne ueber uns.

Edis selbstbewustsein kehrt schoen langsam wieder zurueck, wir lachen ueber die Kleinigkeiten der letzten Tage, und beschliessen in Zukunft sicher oefter zusammen Segeln zu gehen. Zuhause werde ich mir ein Lehrbuch zulegen um nachzusehen ob das eine oder andere bei dieser Sportart doch noch zu verbessern ist.An die Geraeusche nach dem Schlafengehen haben wir uns mittlerweile auch schon gewoehnt, eigentlich sind wir ja nur Gaeste auf diesem Schiff, wer weiss wie lange die Kakalaken schon ihr Wohnrecht haben.

Am naechsten Morgen beginnen wir die letzte Etappe, zurueck zum Festland, gleich nach dem erloesenden Funkspruch und empfang des Wetterberichtes. Sonne, Wind aus Westen mit fuenfzehn bis zwanzig Knoten. Motor an, Anker auf, Abschied nehmen von der letzten Insel. Den Angriffen der Korallenstoecke auf unsere Farrocious entgehen wir, in dem Edi die Funktion eines vorausschauenden Echolots uebernimmt. Stehend im Bugkorb lotst er mich Seemaennisch mit rechts, geradeaus oder links durch den Korallengarten. Viel zu schnell erreichen wir die Kueste von Withesunday. In der Naehe der Einflugschneise des Flughafens benimmt sich unser Boot aeusserst eigensinnig. Es faehrt ganz von alleine einen Kreis. Ich kann machen was ich will, egal in welche Richtung ich nun das Ruder lege, das Boot faehrt wieder einen Kreis. Edis helfende Haende zeigen mir nun wie man wieder einen Kreis faehrt. Jetzt reicht es mir aber, Motor an, ich bin hier der Chef und nicht das Boot. Unter der Kraft des Motos laeuft es nun wieder in die Richtung die wir wollen. Durch die Einflugschneise die rechts und links von hohen Huegeln begrenzt wird entstehen Fallwinde die sich in einer Art Dueseneffekt ueber ahnungslose Segler stuerzen. Das man durch fieren der Grossschot den Wind einfangen oder auch durchstreichen lassen kann war mir damals leider noch nicht bekannt.

Etwas verwundert waren wir dann als die Charterbasis nach unserer Ankunft auf eine Kontrolle des Rumpfes durch einen Taucher bestand. Und das viele Leute auch ihre Funkgeraete eingeschaltet, und den Funkverkehr abhorchen, war uns klar als wir von vielen lachenden Personen auch noch gratis Ratschlaege bekamen.